Feste Flugrouten übers Nürnberger Land

Luftrettungsstaffel beobachtet trockene Wälder

Hubschrauber können Löschwasser sehr exakt ausbringen und Wasser aus vergleichsweise kleinen Gewässern aufnehmen. | Foto: Fotolia2018/08/NL-Fotolia-Loeschhubschrauber.jpg

NÜRNBERGER LAND – Seit Wochen hat es nicht mehr satt geregnet, die Waldbrandgefahr steigt. Damit es nicht zu solch dramatischen Entwicklungen wie in Griechenland oder auch Schweden und Kalifornien kommt, hat die Regierung von Mittelfranken mit dem regionalen Waldbrandbeauftragten der Bayerischen Forstverwaltung die Luftbeobachtung aufgrund hoher Waldbrandgefahr angeordnet. Bereits am vergangenen Wochenende wurden solche Befliegungen durchgeführt, nun wird die Luftbeobachtung vorläufig noch bis Sonntag, 5. August, fortgeführt, teilt die Regierung von Mittelfranken in einem Gespräch mit dem Boten mit.

Eventuelle Brandherde sollen so früh wie möglich erkannt werden, denn durch die weiterhin hochsommerlichen Temperaturen besteht in Mittelfranken aktuell hohe, in Teilbereichen sogar sehr hohe Waldbrandgefahr. Die Vegetation ist ausgetrocknet und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Brand entsteht, deutlich gestiegen.

Die Überwachung der mittelfränkischen Waldgebiete erfolgt auf festgelegten Routen. Gestartet wird von Stützpunkten der Luftrettungsstaffel Bayern. Die Route führt je nach Startpunkt von Erlangen-Dechsendorf über Schnaittach, Hersbruck und Allersberg bis nach Pleinfeld. Von dort wird über Abenberg, Nürnberg-Moorenbrunn, Nürnberg-Buchenbühl und Erlangen-Tennenlohe, mit einer Schleife über Emskirchen, Wilhermsdorf, Heilsbronn und Windsbach, wieder zum Ausgangspunkt zurückgeflogen.

Ausgebildeter Luftbeobachter

Die Befliegung wird von ehrenamtlichen Piloten der Flugbereitschaft der Luftrettungsstaffel Mittelfranken durchgeführt. An Bord des eingesetzten Flugzeugs befinden sich neben dem Piloten je ein eigens dafür ausgebildeter Luftbeobachter der Feuerwehr und der Forstbehörden, die die besonders gefährdeten Waldgebiete aus der Luft auf mögliche Brandgefahren hin absuchen. Wird ein Brand festgestellt, wird aus der Luft per Funk die Feuerwehr alarmiert und die Einsatzkräfte werden zur Brandstelle gelotst.

Die Flüge finden in den Nachmittagsstunden statt, wenn die Waldbrandgefahr durch Hitze und Freizeitaktivitäten der Bevölkerung am größten ist. Auf diese Weise können die besonders gefährdeten Waldgebiete, zum Beispiel der Sebalder und Lorenzer Reichswald gut eingesehen werden und auf mögliche Rauchentwicklung kontrolliert werden.

Dabei trägt die Regierung von Mittelfranken die tatsächlichen Kosten für Einsätze der Luftbeobachtung aus Mitteln des Katastrophenschutzfonds.

Rauchverbot einhalten

Gleichzeitig appelliert sie an die Waldbesucher, das von Anfang März bis Ende Oktober geltende Rauchverbot im Wald unbedingt einzuhalten und bei Freizeitaktivitäten Vorsicht walten zu lassen. Bereits eine achtlos weggeworfene Zigarette kann die trockene Bodenvegetation entzünden und einen folgenschweren Brand auslösen. Gefährlich ist wegen der heißen Fahrzeugkatalysatoren auch das Parken auf trockenem Gras.

Generell gelten neben dem Rauchverbot folgende Brandschutz-Hinweise: Im Wald oder in einer Entfernung von weniger als 100 Metern davon darf kein Feuer angezündet werden, es dürfen keine Bodendecken abgebrannt und keine Pflanzen oder Pflanzenreste flächenweise abgesengt werden und natürlich keine brennenden oder glimmenden Sachen weggeworfen werden.

„Bayern ist sowohl für die frühzeitige Erkennung als auch für die Bekämpfung von Waldbränden bestens gerüstet“, findet Innenminister Joachim Herrmann. Wie der Minister sagte, gebe es im Freistaat durch ein flächendeckendes Netz von örtlichen Feuerwehren mit rund 320.000 Kräften ein enormes Einsatzpotenzial, das durch Brandbekämpfung aus der Luft noch unterstützt werde. Diese findet in Bayern nicht mit Flugzeugen, sondern mit Hubschraubern statt.

Herrmann: „Hubschrauber haben den großen Vorteil, dass sie Löschwasser sehr exakt ausbringen oder Bodenmannschaften punktgenau mit Löschwasser versorgen können. Sie sind außerdem in der Lage, Wasser auch aus vergleichsweise kleinen Gewässern aufzunehmen, was Löschflugzeuge nicht leisten können.“

Brandbekämpfung aus der Luft

Hubschrauber können in Bayern laut Herrmann von den Einsatzkräften angefordert werden, wenn eine zusätzliche Brandbekämpfung aus der Luft erforderlich erscheine. „Neben den Hubschraubern der bayerischen Polizei kommen hierfür insbesondere auch Hubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr in Betracht“, so der Innenminister. Daneben könnten bei Bedarf auch Hubschrauber von privaten Luftfahrzeugbetreibern eingesetzt werden.

Für den Löscheinsatz per Hubschrauber stehen an 18 Standorten in Bayern jederzeit rund 50 staatlich beschaffte Löschwasser-Außenbehälter mit bis zu 5000 Litern Fassungsvermögen bereit, die im Brandfall an einen Hubschrauber angehängt und am nächstgelegenen Gewässer befüllt werden können. Von enormer Bedeutung ist, laut Herrmann, Waldbrände möglichst frühzeitig zu erkennen. Hierbei spielt die Luftbeobachtung durch die Pilotinnen und Piloten der – in dieser Form in Deutschland einmaligen – Luftrettungsstaffel Bayern eine entscheidende Rolle.

Die Luftrettungsstaffel, die erst vor wenigen Tagen ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, schützt Bayerns Bürger mit derzeit rund 300 ehrenamtlichen Piloten, über 150 Flächenflugzeugen und fünf Hubschraubern, die auf 32 Flugplätzen in ganz Bayern verteilt sind sowie rund 250 aktiven Luftbeobachtern. Allein heuer gab es zum vorbeugenden Schutz der Bevölkerung bereits 140 Einsatzflüge. „Dabei konnten unter anderem 97 offene Feuerstellen, sieben Waldbrände und 18 Flächenbrände gemeldet und dadurch Schlimmeres verhindert werden“, so Herrmann.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler