Kreistag

Radverkehrskonzept für das Nürnberger Land

Noch Zukunftsmusik: So sieht der am vorbildlichen und preisgekrönten Radwegenetz im Ruhrgebiet orientierte „Idealzustand“ für den Landkreis aus, noch fehlen dafür aber rund 200 Kilometer – vor allem entlang der Staatsstraßen. | Foto: Institut für innovative Städte2020/12/Abschlusspraesentation-Seite6.jpg

NÜRNBERGER LAND – Was lange währt: Der Kreisausschuss hat die zum Radverkehrskonzept gehörende Prioritätenliste, die Anfang des Jahres verabschiedetet wurde, einstimmig abgesegnet.

Rückblick: Ende November 2019 hatte Thiemo Graf, Gründer des mit der Studie beauftragten „Instituts für innovative Städte“ (i.n.s.) aus Röthenbach, im Kreisentwicklungsausschuss das umfangreiche Konzept vorgestellt und damit den Nerv der Ausschussmitglieder getroffen. Ziel dabei: ein dreigliedriges Netz an Radwegen mit Schnellverbindungen, Hauptrouten und kleineren Basisrouten, die auch für die in den vergangenen Jahren deutlich schneller (E-Bikes etc.), breiter und größer (Lasträder) gewordenen Drahtesel geeignet sind. Als „Vorbild“ dient beispielsweise das 2019 mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnete Radwegenetz im Ruhrgebiet.

Weitere Themen sind eine bessere Beschilderung (unter anderem mit dem in den Niederlanden zum Standard gehörenden Knotenpunktsystem), moderne Abstellanlagen an zentralen Punkten (idealerweise mit Dach oder ähnlichem Wetterschutz) sowie Standards für den Bau der Radrouten.

Noch viele Lücken

Weil das bisher bestehende Radwegenetz im Landkreis teils erhebliche Lücken aufweist – vor allem entlang der Staatsstraßen, etwa im Oberen Pegnitztal, im Sittenbach- und Albachtal –, wird das Unterfangen ziemlich kostspielig. Graf rechnet mit Kosten von rund 10 Millionen Euro für den Landkreis (allerdings mit attraktiven Förderungen) und satten 67 Millionen für das Staatliche Bauamt, um die fehlenden rund 200 Kilometer zu bauen. Die 27 Landkreiskommunen wären ebenfalls mit jeweils rund einer Million dabei.

Um trotzdem voranzukommen mit einem zentralen Teil der angestrebten „Verkehrswende“ beschloss der Kreistag noch vor der Kommunalwahl das Konzept einstimmig und forderte die Verwaltung auf, eine zehn Punkte umfassende Prioritätenliste zu erstellen.

Vollzeit fürs Rad

Die stieß dann im Juli im Umweltausschuss auf einigen Widerspruch, insbesondere aus der Grünen-Fraktion. Hauptkritikpunkt waren vor allem die Reihenfolge der einzelnen Punkte und die Fokussierung auf Basisrouten, während Hauptrouten (etwa die in den Seitentälern rund um Hersbruck) gar nicht auftauchen würden. Außerdem drängten die Grünen darauf, eine Vollzeitstelle für einen „Radbeauftragten“ am Landratsamt zu schaffen und zu besetzen, der die Sache koordiniert und bei den Kommunen anschiebt.

Schon damals verwies Landrat Armin Kroder darauf, dass es sich bei der Prioritätenliste nicht um die „Zehn Gebote“ handle, die in Stein gemeißelt seien. Und er unterstrich, dass der Kreis selbst nur dort aktiv werden könne, wo er auch zuständig sei. Deshalb gibt es daneben auch eine zweite Liste mit 40 weiteren wichtigen Elementen, die allerdings nur von den Gemeinden oder dem Staatlichen Bauamt umgesetzt werden können.


Zwei Wochen später stand die Prioritätenliste dann erneut auf der Tagesordnung, dieses Mal im Kreisausschuss. Nach einer erneut kontrovers geführten Diskussion verständigte sich das Gremium auf Vorschlag der Grünen-Kreisrätin Christa Heckel aus Hersbruck darauf, die Liste alljährlich aufs Neue in der Steuerungsgruppe zu diskutieren.

Gespräche laufen

Jetzt lag dem aktuell als Ferienausschuss anstelle des kompletten Kreistags eingesetzten Kreisausschuss die überarbeitete Version der Prioritätenliste  erneut zur Abstimmung vor. Landrat Kroder verwies darauf, dass er wegen des im Konzept angesprochenen Radschnellwegs entlang der B 14 nach Nürnberg mit den davon betroffenen Kommunen Lauf, Rückersdorf und Schwaig „den Gesprächsfaden aufgenommen“ habe, um bis Anfang 2021 eine gemeinsame Linie zu finden. Für und wider würden dabei „sauber abgewogen“, der Landkreis sollte sich der dabei gefundenen Lösung anschließen, so Kroder.

Die Ausschussmitglieder beschlossen zudem das bereits im Oktober 2019 formulierte Ziel, den Anteil des Rads am Gesamtverkehr („Modal-Split“) bis 2024 auf 6,6 bis 7,2 Prozent zu erhöhen, in den darauffolgenden Jahren sukzessive weiter nach oben zu schrauben. Vor dem Hintergrund der beschlossenen Maßnahmen zur Radverkehrsförderung peilt der Landkreis eine Anhebung bis 2027 auf 10 Prozent und bis 2030 auf 12 Prozent Radverkehrsanteil an.

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