Süße Versuchung

Mit einem Vortrag zur Geschichte des Kakaos ist die neue Sonderausstellung in der Speikerner Hopfenscheune eröffnet worden. Sie dreht sich rund um die Schokolade. Foto: Privat2011/04/20996_New_1304095263.jpg

SPEIKERN — Jeder Deutsche isst im Jahr 11,4 Kilogramm Schokolade, doch die wenigsten Menschen wissen, wie diese hergestellt wird. Deshalb widmet sich die neue Sonderausstellung „Die süßeste Versuchung – Schokolade von der Bohne zur Tafel“ im Museum Fränkische Hopfenscheune in Speikern diesem Thema. Mit Kostproben von Kakaobohnen, verschiedenen Schokoladensorten und Schokoladenbrunnen wurde die Ausstellung in Anwesenheit vieler Gäste eröffnet.

Die musikalische Ausgestaltung des Abends übernahm wieder die Musikschule Schnaittach unter Leitung von Barbara Bühnert, Susanne Richter und Bernhard Wolf. Die Schüler spielten passend zur Ausstellung südamerikanische Musikstücke mit Gitarren, Quer- und Blockflöten und Cajon und erhielten viel Beifall. Ein kurzweiliger Vortrag des „Schokoladenmädchens“ in traditioneller Tracht ging auf die Geschichte des Kakaogetränks ein.

Der Genuss von Kakao ist uralt. Aus fermentierten und gerösteten Kakaobohnen wurde, zusammen mit Vanille und Pfeffer, das „Göttergetränk“ der Maya-, Azteken- und Inkakultur bereitet. Im Reich Montezumas war die Kakaobohne außerdem Grundlage des Münzsystems; 1000 Samen entsprachen zur Zeit von Cortes, der 1528 wohl die ersten Kakaofrüchte nach Europa brachte, drei Golddukaten.

Das „Schokoladenmädchen“ gab einige Episoden der frühen Eroberer preis. So hatte Columbus den Wert der Bohnen in den Säcken verkannt, erst viel später schätzte man die braunen Bohnen, die an den fürstlichen Höfen als Kakaogetränk sehr beliebt wurden. Das Mädchen in ihrer schönen Kleidung erzählte auch, dass man gute Schokolade mit allen Sinnen erleben müsse: mit der Nase beim Riechen, mit den Augen, ob der Glanz richtig sei, mit den Ohren, beim Brechen der Schokoladenstücke und natürlich mit der Zunge beim Geschmackstest.

Franz Semlinger führte dann durch die Ausstellung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schokoladenausstellungen werden in Speikern der Anbau, die Ernte, die Trocknung und die Weiterverarbeitung der Frucht mit Originalgegenständen und sehr vielen Bildern dokumentiert. Beispielhaft für ein Kakaoerzeugerland wird Papua Neuguinea vorgestellt.

Der Kakaobaum trägt das ganze Jahr über Blüten. Aus ihnen wachsen große Kakaoschoten heran. Die Schoten sind zwischen 15 und 25 Zentimeter lang. In jeder Schote befinden sich 30 bis 40 Kakaobohnen. Im Laufe eines Jahres kann man von jedem Kakaobaum bis zu 40 Schoten ernten. Die Kakaopflanze braucht viel Wärme und Feuchtigkeit. Sie muss vor zu viel Sonne und starkem Wind geschützt werden. Deshalb lässt man die kleinen Setzlinge unter Kokosnussbäumen heranwachsen. Ein Baum liefert etwa zwei Kilogramm Kakaobohnen im Jahr.

Nach dem Pflücken werden sie zerteilt, die Kakaobohnen aus dem weißen Fruchtfleisch herausgelöst. Für eine Tafel Schokolade braucht man etwa 40 Bohnen. Je dunkler die Schokoladensorte aussieht, desto mehr Bohnen sind darin enthalten. Nach der Ernte lässt man die Bohnen in Holzkästen unter Bananenblättern gären. Jeden Tag werden sie gewendet. Die Bohnen werden braun und bekommen ihren besonderen Geschmack.

Auf großen Bildern wird in der Ausstellung die Weiterverarbeitung in der Schokoladenfabrik zu Kakaopulver und Schokolade gezeigt. Die trockenen Bohnen werden bei 90 bis 140 Grad geröstet, gebrochen und gemahlen. Zu Schokolade wird das Mahlgut unmittelbar verarbeitet, zur Gewinnung von Kakaopulver wird der größte Teil der Kakaobutter hydraulisch abgepresst.

In der Ausstellung ist auch zu sehen, was man aus Kakao machen kann: Haarwaschmittel, Badezusatz, Seife, Schönheitscreme und Dünger. Selbst Schokoladenbier wird produziert. Schließlich wird auf die Bedeutung der Schokolade eingegangen: Es ist eine Süßigkeit, die viele gesunde Inhaltsstoffe enthält. Sie beinhaltet Kalium, Magnesium, Vitamin E und Ballaststoffe. Schokolade enthält Fett und Zucker und liefert deshalb viel Energie.

Anwesend als Ehrengäste bei der feierlichen Ausstellungseröffnung waren unter anderem Landratsstellvertreter Norbert Reh, Bürgermeister Kurt Sägmüller und Pfarrer Peter Hauenstein.

Die Schokoladenausstellung in der Fränkischen Hopfenscheune in Speikern ist ab 1. Mai jeden Sonn- und Feiertag von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet. Kostproben sind selbstverständlich möglich.

N-Land Franz Semlinger
Franz Semlinger