Seniorenheim Frankensonne hofft auf Sondergenehmigung

Müssen die Alpakas weg?

Eine Bewohnerin des Seniorenheims beim Füttern der Alpakas | Foto: Klara Rocholl2020/03/Winkelhaid-Alpaka-Bewohner-1-scaled.jpg

WINKELHAID – Das Seniorenheim Frankensonne setzt drei Alpakas als Therapietiere ein. Jedoch verstößt das Unternehmen gegen
die gesetzlichen Haltebedingungen. Nun hofft Leiterin Sonja Redl, dass das Landratsamt eine Ausnahme macht.

Seit Juli vergangenen Jahres ist das Senioren- und Pflegeheim Frankensonne in Winkelhaid das Zuhause von drei Alpakas. Die Andentiere sind als Therapietiere in den Alltag der Demenz WG eingebunden. Heimleiterin Sonja Redl hatte die Tiere von einem Züchter erworben, der seinen Tierbestand aufgelöst hat. Vor dem Kauf informierte sich die Unternehmerin zwar über die richtige Haltung der Tiere. Allerdings habe sie damals keine konkreten Angaben gefunden, weswegen sie sich an den Schweizer Richtlinien zur Haltung der Neuweltkamele orientiert habe. Diese erfordern mindestens 250 Quadratmeter Platz für sechs Tiere. Später im Jahr fragte Redl beim Landratsamt nach den in Deutschland geltenden Bestimmungen. Daraufhin wurde sie aufgefordert, drei Kriterien anzupassen oder die Alpakas in eine andere Unterkunft abzugeben.

Es fehlen 180 Quadratmeter

Der erste Punkt, auf den sich das Landratsamt bezieht, ist die artgerechte Haltung der Tiere: Die Mindestanforderung an das Gehege von zwei Alpakas beträgt laut der bayerischen Tierschutzverordnung 1000 Quadratmeter, für jedes weitere nochmal 100 Quadratmeter. Redls Gehege umfasst allerdings nur 920 Quadratmeter. Eine Vergrößerung ist nicht möglich. Ein Tierarzt bestätigte ihr jedoch, dass es den Alpakas sowohl gesundheitlich als auch bezüglich ihres Lebensraums an nichts mangele. Auch eine geforderte Sandfläche und einen Unterstand gibt es inzwischen. Das zweite Kriterium war leicht zu beheben: Bei einem Besuch im September weist eine Vertreterin des Veterinäramts auf eine für die Tiere giftige Thujahecke hin, die auf dem Gelände des Geheges wächst. Diese ließ Redl daraufhin umgehend entfernen. Zuletzt ist die Teilnahme an einem Lehrgang notwendig, um Alpakas halten zu dürfen. Ein Termin, um den entsprechenden Sachkundenachweis zu erhalten, steht für Mitte April bereits fest.

Bis auf die fehlenden 180 Quadratmeter kann die Heimleiterin also alle Anforderungen erfüllen. Bis das Landratsamt eine Entscheidung getroffen hat, will sie die Alpakas bei einem Bekannten unterbringen, dessen Weide aber noch nicht fertiggestellt ist. Redl hofft deshalb auf eine Sondergenehmigung, um die Tiere behalten zu dürfen. Das Landratsamt äußert sich diesbezüglich aber skeptisch. Die Vorgaben müssten nun mal eingehalten werden, meint Iris Bitzigeio, Pressesprecherin des Landratsamtes. Ansonsten könne jeder eine Sondergenehmigung beantragen.

Mit Alpakas „geht es jedem besser“

Unterstützung erhält Redl sowohl von den Bewohnern und deren Angehörigen als auch durch ihre Mitarbeiter. Sie alle wollen die Alpakas weiterhin im Pflegeheim behalten. „Die Bewohner freuen sich, wenn sie die Bewegung der Tiere sehen, sie füttern können, oder sie einfach nur anschauen. Es geht doch jedem gleich besser, wenn man sich nicht gut fühlt und die Alpakas betrachten kann“, erklärt Redl. „Winkelhaid erfreut sich auch an den Tieren“, berichtet Redl weiter, „Am Wochenende kommen ganz oft Familien mit ihren Kindern, um sich die Alpakas anzusehen“. Mehrere Winkelhaider haben ihre Unterstützung zugesichert. Sie wollen zum Beispiel Unterschriften für den Verbleib der Tiere sammeln.

Sonja Redl beim Füttern der Alpakas Foto: Klara Rocholl2020/03/Winkelhaid-Alpaka-Frau-Redl-scaled.jpg

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