Kunigundenschule: Eltern kritisieren Mittagsbetreuung

Ein „Schildbürgerstreich“?

Tristan Daxer, Elternbeiratsvorsitzender der Kunigundengrundschule in Lauf, begrüßt die Eltern zur Informationsveranstaltung über das neue Konzept der Mittagsbetreuung in der Aula der Rudolfshofer Schule.
Tristan Daxer, Elternbeiratsvorsitzender der Kunigundengrundschule in Lauf, begrüßt die Eltern zur Informationsveranstaltung über das neue Konzept der Mittagsbetreuung in der Aula der Rudolfshofer Schule. | Foto: Fischer2016/04/elternversammlung-rudolfshof-mit-vorsitzendem.jpg

LAUF — Für „verantwortungslos“, „vollkommen widersinnig“ oder „einen schlechten Witz“ halten viele Eltern von Kindern der Kunigundengrundschule eine Entscheidung der Stadt in Sachen Mittagsbetreuung. Ein Beschluss, der tatsächlich auch für Außenstehende schwer nachzuvollziehen ist: Sollen doch die Grundschulkinder aus der Kunigundenschule, also auch die sechsjährigen Erstklässer, die im nächsten Schuljahr die Mittagsbetreuung wahrnehmen wollen, selbstständig mit dem Stadtbus von einer Haltestelle weit weg von der Schule an die Rudolfshofer Schule und später wieder zurückfahren. Und dies obwohl die Kunigundenschule gerade mit einem Millionenaufwand saniert und mit einer schicken neuen Mensa und Betreuungsräumen eben gerade für die Kinder ausgestattet wurde, die nach dem Unterricht nicht gleich nach Hause können.

„Das versteht doch kein Mensch“, beschrieb ein betroffener Vater diese Situation bei einer Infoveranstaltung speziell zum Thema in der Rudolfshofer Schule. Hier standen Bürgermeister Bisping, Vertreter der Verwaltung und Vertreter der Stadtratsfraktionen vielen aufgebrachten Grundschuleltern Rede und Antwort, ohne am Ende allerdings eine Zusage für neue Planungen oder eine Veränderung des neuen Konzepts parat zu haben.

Immerhin hatte die Verwaltung bis zur Infoveranstaltung dafür gesorgt, dass die Bushaltestelle näher zur Schule verlegt und die Abfahrtszeiten der Stadtbusse besser dem Unterrichtsende angepasst wurden. Und Bürgermeister Benedikt Bisping will sich darum kümmern, dass auch die Mittagsbetreuungskinder, wenn sie dies wollen, in der neuen Kunigundenschulmensa essen können. Etwas, das bisher nicht so geplant war, weil die Mittagsbetreuung, die sogenannte „Mitti“, eine eigene Mahlzeit vorsah, die künftig eigentlich zusammen mit den Rudolfshofer Schulkindern in der Rudolfshofer Schule eingenommen werden soll. Eigens für die Kunigundenschulkinder werden deshalb in der Rudolfshofer Schule Essens- und Betreuungsräume ausgebaut.

Seit zehn Jahren schon gibt es die Mittagsbetreuung für Kinder an der Kunigundenschule, seit fünf Jahren in der heutigen Form. Früher wurden die Kinder hier von der evangelischen Kirche betreut, zuletzt vom ASB. Bezahlt wird die „Mitti“, die ein reines Zusatz-Angebot der Stadt Lauf ist, von den Eltern sowie Zuschüssen von Stadt und Staat. Neben dieser Mittagsbetreuung gibt es in der Laufer Schule die gebundene und die offene Ganztagsklasse sowie die Hortbetreuung.

Vor allem Letztere war am Ende der Grund für die Verlegung der „Mitti“ von der Kunischule nach Rudolfshof. Die Mittagsbetreuung in der Kunigundenschule nutzte in diesem Schuljahr nämlich einen Raum im neu gebauten Mensa-Würfel. Der Stadtrat allerdings hat nun in Zusammenhang mit einem neuen Schulkonzept beschlossen, dass der Kinderhort „Kleines Hummelnest“ in die Betreuungsräume im Mensaanbau der Kunigundenschule umziehen soll. Der Hort ist bisher in alten Containern am Kindergarten Kunigundenstraße untergebracht und wird von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben. Der Einzug soll allerdings erst im Herbst 2017 erfolgen, weil während der Kunigundenschulsanierung die Räume noch von der Mittelschule und der Wirtschaftsschule als Ausweichquartier benutzt werden müssen.

„Schlechte Informationspolitik“

An dieser Entscheidung nun entzündete sich die Kritik der Eltern. Warum für einen Hort mit 21 Kindern Platz geschaffen werde und dafür die derzeit 38 Kinder der „Mitti“ weichen und quer durch Lauf gekarrt werden müssen, wollten viele einfach nicht verstehen. Im gleichen Atemzug beklagten sie „die schlechte Informationspolitik der Stadt Lauf“.

„Jetzt, wo alles fertig ist, sollen unsere Kinder zu Buskindern werden“, sagte ein Mutter, „mir steht das bis hierher …“. Das sei doch ganz einfach nur schlecht geplant, so die Kritik einer anderen Mutter, „wir von der ,Mitti‘ bleiben in diesem Konzept auf der Strecke“. Und „wenn wir schon diese Kröte mit dem Bus schlucken sollen, wieso wird uns dann nicht wenigstens ein Busshuttle von Schule zu Schule angeboten?“, fragte eine andere Mutter. Sie und viele andere besorgte Eltern halten es für eine Zumutung, dass Sechsjährige ohne Aufsicht zu öffentlichen Bushaltestellen abseits der Schule laufen, dort ebenfalls ohne Aufsicht warten und dann weiter fahren sollen. Kein Mensch habe doch mehr eine Kontrolle darüber, welches Kinder wo und wann gerade unterwegs sei. Es sei doch etwas ganz anderes, ob Grundschüler von zu Hause zur Schule oder zum Bus laufen, oder ob sie selbstständig im Stadtgebiet zwischen zwei Einrichtungen pendeln müssen.

„Niemals mache ich das mit“, so eine Mutter. Sie rechnete auch vor, dass je nach Unterrichtsende Kinder eine Stunde mit Warte- und Fahrzeiten auf dem Weg sind, nur um dann noch eine halbe Stunde Mittagsbetreuung zu nutzen. „Da kann doch keiner nachgedacht haben“, sagte sie und ein Vater ergänzte „das ist doch alles andere als kinderfreundlich, wie ständig propagiert wird“.
Bürgermeister Bisping hatte eingangs der Veranstaltung versucht zu erläutern, dass es einfach verschiedene Zwänge gebe, wenn Eltenwünsche, Schulvorschriften, vorhandene Gebäude und das Geld unter einen Hut gebracht werden müssen. Und hier habe sich der Stadtrat eben für das Konzept entschieden, in dem im Fall der Kunigundenschule die Mittagsbetreuungskinder mit dem Bus fahren müssen. Zwei Ziele, so Bisping, seien der Politik wichtig gewesen: Zum einen möglichst viele Schulen im Stadtgebiet zu erhalten und zum anderen, ein breites und vielfältiges Betreuungsangebot für die Kinder und damit für die Laufer Eltern vorzuhalten.  Da sei einfach nicht jede Betreuungsform in jeder Schule möglich.

Keine Ganztagesklasse

Eine schlechte Botschaft hatte Schulleitern Monika De Jesus-Hauber dann noch für viele Eltern der Kunigundenschule mitgebracht. Im neuen Schuljahr wird es keine gebundene Ganztagsklasse für die Erstklässer geben. Eine Information, die ganz aktuell sei und deshalb noch nicht so kommuniziert werden konnte. Das Problem dabei sei die Gesamtzahl der Schulanmeldungen für die Kunigundenschule und die Rudolfshofer Schule von derzeit 76 ABC-Schützen. Damit dürfen hier nur drei Klassen gebildet werden. Wenn nun, wie aktuell, nur 16 Kinder für die Ganztagesklasse angemeldet werden, müssten die anderen beiden Klassen je 30 Kinder aufnehmen. Und das gehe eben nicht. „Vier Klassen wären hier ideal“, so De Jesus-Hauber, „aber dafür bräuchten wir ein paar Schüler mehr.“

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