Laufer Industriemuseum feiert im Mai seinen 25. Geburtstag

Alte Museums-Gemäuer fit für Zukunft machen

Die frühere und die aktuelle Leiterin des Industriemuseums an der Pegnitz: Dr. Renate Kubli und Dr. Christiane Müller (von links). | Foto: Buchner-Freiberger2017/04/25-jahre-industriemuseum-muller-kubli3-Kopie.jpg

LAUF — Es ist eines der ganz wenigen Museen dieser Größenordnung in städtischer Hand und deshalb eine Seltenheit: Das Laufer Industriemuseum feiert im Mai sein 25-jähriges Bestehen. Die PZ hat sich zum Jubiläum mit der ehemaligen Leiterin Renate Kubli und ihrer Nachfolgerin Christiane Müller unterhalten – über die Anfangszeit der Einrichtung und wie das Museum im umkämpften Freizeitbereich auch künftig für Besucher attraktiv bleiben kann.

Als Renate Kubli 1983 als ABM-Kraft von den Laufer Altstadtfreunden eingestellt wurde, um die Geschichte der Mühlen und Hammerwerke aufzuarbeiten und daraus ein Konzept für ein Industriemuseum zu entwickeln, da musste sie erst einmal jede Menge Vorurteile zerstreuen. „Eine Frau in einem technischen Museum, das gab es bis dato nicht“, erinnert sich Kubli. Und auch der historische Wert des Ensembles an der Sichartstraße mit dem ehemaligen Hammerwerk Engelhardt und dem maroden Wehr erschloss sich manchem Laufer nicht unbedingt. „Altes Glump“, bekam Renate Kubli schon mal zu hören.

Doch sie und die Altstadtfreunde witterten früh das Potenzial, das in den ehemaligen Betrieben direkt an der Pegnitz steckte, und wurden in ihren Plänen vom Stadtrat und dem damaligen Bürgermeister Rüdiger Pompl voll unterstützt. Bald wurde beschlossen, den ganzen Komplex samt E-Werk, Roggenmühle und Körner‘schem Haus zu erwerben und zu restaurie­ren. Und schließlich erklärte sich Erich Dietz, Eigentümer der angrenzenden Ventilkegelfabrik „Dietz & Pfriem“, bereit, das Gebäude für den symbolischen Betrag von damals noch einer Mark pro Jahr an die Stadt zu vermieten. „Wir wollten kein reines Technikmuseum, sondern eines, das die Bereiche ,Arbeiten und Leben‘ vereint“, betont Renate Kubli.

1992 und damit 13 Jahre nach den ersten Überlegungen wurde das Industriemuseum offiziell eröffnet. Pioniergeist wehte durch die Räume. Mit Doris Utzat, Mitarbeiterin der ersten Stunde, entwickelte Renate Kubli nicht nur das Konzept, sondern klapperte auch Sperrmüllsammlungen ab, um 50er-Jahre-Möbel für die Dauerausstellung zusammenzusuchen. Der Durchbruch kam 1996 mit der „BärenWeltAusstellung“, bis heute die Lieblingsschau von Renate Kubli. „Wir waren überregional in den Medien, sogar in der FAZ“, erinnert sich die frühere Museumschefin, die für das Gipfeltreffen der 1500 Bären aber auch Kritik von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen einstecken musste: Teddys im Industriemuseum – das passe nicht.

Für Renate Kubli kein Widerspruch, zeigen doch vor allem die unterschiedlich gelagerten Sonderausstellungen das große Spektrum des Museums. „Es ist immer eine Gratwanderung zwischen populären Themen und notwendigen. Bei der Steatit-Ausstellung wussten wir, dass das kein Publikumsrenner werden würden, aber der Werkstoff Steatit gehört eben untrennbar zur Laufer Geschichte.“ Die Stadt Lauf hätte ihr und ihrem Team bei der Arbeit weitgehend freie Hand gelassen. Auch einer der Gründe, warum die Historikerin, die nach eigenem Bekunden „eigentlich gar nicht in den musealen Bereich wollte“, bis zu ihrer Pensionierung 2012 Chefin an der Sichartstraße blieb.

Dann wurde sie von Christiane Müller abgelöst. Für die studierte Archäologin und Medienwissenschaftlerin war die Begegnung mit dem Industriemuseum Liebe auf den ersten Blick. „Alles findet hier an den Orignalschauplätzen statt. Dazu der Geruch in der Mühle – da habe ich gewusst, ich muss hier unbedingt arbeiten“, erzählt Müller begeistert. Wo sieht sie als Leiterin die großen Aufgaben der Zukunft? „Die Konkurrenz im Freizeitbereich wird größer. Wegen der Dauerausstellung allein kommt keiner“, schätzt sie die Lage ein, trotzdem sieht sie gerade hier noch Entwicklungsmöglichkeiten.

Eine spannende Aufgabe besteht für sie und ihr Team auch darin, der nachkommenden Generation den „Weg zurück in die Vergangenheit“ aufzuzeigen. „Der Großteil unserer Besucher kennt zum Beispiel eine Mühle oder eine Schmiede noch aus eigenem Erleben.“ Aber das ändere sich zunehmend. Junge Leute könnten oft die Verbindung nicht mehr herstellen. Darüber hinaus bekomme das Thema „Konservierung“ immer mehr Bedeutung. Und nicht nur positiv beurteilt Christiane Müller den Interaktions- und Anfasstrend in Museen: Manche Ausstellungsstücke dürfe man eben nicht berühren.

Eine weitere Herausforderung ist das Geld. „Ich möchte nicht jammern, Lauf tut viel für die Kultur“, betont die Museumsleiterin. Trotzdem sei die Einrichtung – wie andere auch – finanziell unter Druck, man müsse ständig schauen, woher man Fördermittel bekomme.

Das Programm für das Jubiläumsjahr, an dem seit rund zwei Jahren gearbeitet wird, steht. So wird am 14. Mai die neue Jubiläumsausstellung „Erfindergeist“ eröffnet, der 25. Geburtstag selbst wird beim Museumsfest am 21. Mai zusammen mit anderen Vereinen der Stadt gefeiert. Weitere Präsentationen und Vorträge runden das Programm ab.

Museums-Pläne gab es schon 1979

Im Schnitt 25 000 Besucher zählt man im Industriemuseum mit seinen 13 voll- und teilzeitbeschäftigten Mitarbeitern jedes Jahr. Vor dem großen Umbau 2007 waren es „nur“ 10 000 Besucher gewesen. Erste Überlegungen zur Errichtung eines Museums gab es in Lauf bereits 1979. 1981 stimmte der Stadtrat zu und übertrug den Altstadtfreunden die ideelle Trägerschaft. 1983 stellten diese die Historikerin Dr. Renate Übelhack (später Kubli) an. Sie veröffentlichte 1986 das Buch „Mühlen und Hammerwerke“. 1992 wurde das Museum offiziell eröffnet. Weiterer Meilenstein war die Eingliederung der Fabrik „Dietz & Pfriem“ im Jahr 2008.

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