Kirchensittenbach: Kläranlage Sittenbachtal wird günstiger

Notbremse gezogen

Derzeit sind die Betonbauarbeiten an der Kläranlage in vollem Gange, vorne das neue Regenüberlaufbecken und hinten das Kombibecken, wo einerseits die Belüftung erfolgen und in einem Nachklärbecken sich der Klärschlamm absetzen wird. Rechts daneben werden noch zwei Klärschlammbehälter entstehen. Der Schlamm kann dann landwirtschaftlich genutzt werden. Foto: E. Bodendörfer2016/11/7533693.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Auf diesen Termin haben viele Hauseigentümer schon lange gewartet. In der Bürgerversammlung in der Kirchensittenbacher Sporthalle kamen nun die Fakten und vor allem Zahlen bezüglich der Erneuerung der Kläranlage Sittenbachtal auf den Tisch. Erfreulich: Die Anlage wird rund eine Million Euro günstiger als erwartet, weil der Gemeinderat rechtzeitig die Notbremse gezogen und sich für eine komplett andere Lösung entschieden hat als ursprünglich geplant.

Bürgermeister Klaus Albrecht erinnerte noch einmal daran, wie dringend die Ertüchtigung der Teichkläranlage aus dem Jahr 1991 sei. Die wasserrechtliche Genehmigung des Sittenbachs durch das Einleiten gesammelter Abwässer sei schon 2010 abgelaufen. Außerdem habe es an der bestehenden Anlage diverse technische Probleme gegeben und auch die Anforderungen seien nicht mehr mit denen von vor 25 Jahren zu vergleichen.

Immer wieder sei in den vergangenen Jahren auch der Anschluss zur Kläranlage Hersbruck als Alternative zur Debatte gestanden. Doch zum einen bräuchten die jetzigen Einleiter, Hersbruck und umliegende Gemeinden, noch Puffervolumen für ihre weitere Entwicklung, hieß es aus dem Hersbrucker Rathaus, und zum anderen wären sehr kostspielige Umbaumaßnahmen sowie eine Druckleitung erforderlich gewesen, so dass der Gemeinde Kirchensittenbach nichts anderes übrig blieb als die eigene Anlage bei Unterkrumbach auf Vordermann zu bringen.

Besonders ärgerlich war allerdings, so Klaus Albrecht, dass ein beauftragtes Ingenieurbüro 2014 von Gesamtkosten für eine sogenannte SBR-Kläranlage in Höhe von 1,77 Millionen Euro ausging, diese Zahlen jedoch im Oktober 2015 nach neueren Berechnungen auf 3,18 Millionen Euro bezifferte – ohne die ebenso dringende Sanierung des Kanalnetzes und ohne ein bei Aspertshofen geplantes Rückhaltebecken.

Unkonventioneller Planer

Albrecht nahm dann Kontakt auf zum niederbayerischen Kläranlagenbauer Horst Eger, von dem er zufällig gehört hatte und der schon zahlreiche Projekte auf unkonventionelle Weise erfolgreich realisiert hat. Dieser errechnete für den Bau einer mechanisch-biologischen Kläranlage mit weitergehender Reinigung sowie Mischwasserbehandlung Gesamtkosten von 1,88 Millionen Euro.

Dazu kommen allerdings noch Kosten für die bereits erfolgten Kanalsanierungen in Kleedorf, in der Stöppacher Straße in Kirchensittenbach, die Reparatur schadhafter Stellen sowie die ebenso erfolgte Verlegung eines Freispiegelkanals zwischen Dietershofen und Morsbrunn. Das Gesamtprojekt beläuft sich demnach auf rund 3,25 Millionen Euro.

Nachdem Horst Eger die zahlreich erschienen Bürger anschaulich über die Funktionsweise der neuen Kläranlage am alten Standort aufgeklärt hatte und in diesem Zusammenhang von einer „einfachen Geschichte“ sprach, stellte Arno Bitterwolf von der gleichnamigen Kommunalberatung aus Greding die Kostenkalkulation vor. Im Sommer waren seine Mitarbeiter vor Ort und hatten die aktuellen Grundstücks- und Geschossflächen ermittelt.

Die Gesamtsumme abzüglich Straßenentwässerungsanteil der Gemeinde (rund 200 000 Euro) wird nun, so wie es der Gemeinderat beschlossen hat, über Beiträge von den Grundeigentümern erhoben. Das gilt allerdings nur für erschlossene, bebaute oder bebaubare Grundstücke. Außerdem gibt es eine Grundstücksflächenbegrenzung bis 2500 Quadratmeter. Was darüber hinausgeht, wird nicht mit herangezogen.

35 Prozent der Bausumme werden über die Grundstücksfläche abgerechnet und 65 Prozent über die Geschossfläche. Soll heißen pro Quadratmeter Grundstücksfläche müssen die Hauseigentümer 1,36 Euro berappen und für die Geschlossfläche 8,32 Euro pro Quadratmeter. Als Beispiel nannte Bitterwolf ein Grundstück von 800 Quadratmetern mit einem Haus, dessen Geschossfläche 300 Quadratmeter beträgt. Dafür wären knapp 3600 Euro fällig. Die tatsächlich anfallenden Kosten hängen dann natürlich davon ab, wie teuer die Maßnahme letztlich wird.

Bitterwolf machte darauf aufmerksam, dass dieser Betrag in drei Raten zu bezahlen sei, 40 Prozent im Frühjahr 2017, 40 Prozent im Herbst 2017 und als Schlussrate 20 Prozent im Frühjahr 2018. Das letzte Wort darüber hat der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung, wenn er eine entsprechende Satzung erlässt.

Planer Horst Eger teilte weiter mit, dass die Bauarbeiten planmäßig vonstatten gingen und einer Fertigstellung im kommenden Jahr nichts im Wege stehe. Und er machte auch deutlich, dass das Abwasser derzeit selbstverständlich nicht ungereinigt in den Sittenbach läuft, die Reinigung erfolgt in einem noch bestehenden Klärbecken, das als Übergangslösung entsprechend umgerüstet wurde.

Ein Bürger wollte wissen, warum die Kosten nicht nach dem Verursacherprinzip, sprich über Gebühren, erhoben würden. Davon konnte Bitterwolf nur abraten, weil in Zukunft noch einiges zu sanieren sei, was sich sicherlich auch noch in den Gebühren niederschlagen werde. Diese würden sich dann übermäßig erhöhen. Bürgermeister Albrecht merkte schließlich noch an: „Es trifft uns alle. Aber es ist eine Anlage für die Zukunft, die mindestens in den nächsten 25 Jahren wieder halten soll.“

N-Land Elke Bodendörfer
Elke Bodendörfer