Beispiele aus dem Alltag

Homeoffice und Pausenzeit: Was gilt als Arbeitsunfall?

Beim Sturz vom Schreibtischstuhl ist die Sache klar, doch wer zahlt, wenn auf dem Weg dorthin etwas passiert? | Foto: Elnur/stock.adobe.com2022/02/Elnur_Arbeitsunfall_AdobeStock_356007212-scaled.jpeg

Handelt es sich bei einem Sturz im Homeoffice um einen Arbeitsunfall? Wie steht es mit dem Unfall vom Heimweg vom Büro? Nur wenn ein Arbeitsweg vorliegt, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung bei einer Verletzung. Experten der ARAG stellen einige Beispiele vor.

Jeder Arbeitnehmer ist bei der Ausübung seiner Tätigkeit zwar nicht vor Unfällen geschützt, aber doch durch die gesetzliche Unfallversicherung gegen deren Folgen abgesichert. Gleiches gilt auch für Schüler in der Schule, Kinder im Kindergarten oder auch ehrenamtliche Mitarbeiter beim Ausüben ihrer Tätigkeit. Wichtig dabei zu beachten ist jedoch, dass nur Unfälle und deren Folgen versichert sind, die auch infolge der Tätigkeitsausübung geschehen. Gleiches gilt für den Arbeitsweg: Er ist laut ARAG Experten grundsätzlich mitversichert, zumindest solange es sich bei ihm um den direkten Weg zur Arbeitsstätte handelt.

Im Home-Office

Der Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden liegt nicht erst seit der Corona-Pandemie voll im Trend. Immer häufiger müssen Richter entscheiden, ob Unfälle zu Hause auch Arbeitsunfälle sein können. So hat sogar ein Versicherungsmakler, der nachts um 1.30 Uhr auf der Kellertreppe gestürzt war, Anspruch darauf, dass sein Sturz als Arbeitsunfall überprüft wird. Die Berufsgenossenschaft hatte zunächst eine Entschädigung abgelehnt. Der Mann hatte daraufhin geklagt und vor dem Bundessozialgericht (BSG) Recht bekommen. Der Unfallschutz könne „nicht schon deshalb verneint werden, weil die Treppe nicht überwiegend dienstlichen Zwecken dient“, heißt es in dem Urteil.

Auch auf die Uhrzeit kommt es nach Auskunft der ARAG Experten nicht unbedingt an. Der Unfall war passiert, als der Makler nach eigenen Angaben nachts ein Softwareupdate auf den Firmenserver aufspielte. Der Server stand im Keller, das Büro des Mannes befand sich im ersten Stock.

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Unfall auf dem Weg ins Homeoffice

Auch, wenn Mitarbeiter auf dem Weg zum Homeoffice verunglücken, muss nach Angaben der ARAG Experten geprüft werden, ob der Arbeitnehmer eine berufliche Tätigkeit „subjektiv ausführen wollte“. Danach müsse geklärt werden, ob die entsprechende Darstellung des Versicherten „durch objektive Tatsachen eine Bestätigung findet“. Hierbei könnten Ort und Zeitpunkt des Unfalls wichtige Indizien sein.

Skiheil – Bein kaputt

Traditionell im März lud der Chef alle Mitarbeiter seiner Firma für fünf Tage in den Schnee nach Österreich zu einem Betriebsausflug ein. Betriebsfremde waren nicht dabei. In der Skifahrergruppe stürzte einer der Mitarbeiter und brach sich dabei Steißbein und Unterschenkel. Für ihn war die Reise vorbei. Als er den Unfall bei seiner Berufsgenossenschaft (BG) meldete, lehnte diese die Anerkennung als Arbeitsunfall jedoch ab, weil ihrer Ansicht nach beim Skifahren private Freizeitinteressen im Vordergrund gestanden hätten.

Doch betriebliche Zwecke

Der Mitarbeiter zog vor Gericht und bekam schließlich im Berufungsverfahren Recht. Da mit den verschiedenen Aktivitäten vor Ort möglichst viele Beschäftigte eingebunden waren – immerhin hatte über die Hälfte der Belegschaft teilgenommen – und die Gruppen sich nach ihren jeweiligen Aktivitäten regelmäßig durchmischt haben, standen eindeutig betriebliche Zwecke wie die Förderung des Gemeinschaftsgedankens und Stärkung des Wir-Gefühls im Vordergrund. Daher sei die Reise eine versicherte betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung und als solche über die BG versichert gewesen.

Doch nicht immer ist ein Skiunfall ein Arbeitsunfall. Lädt eine Firma ihre Kunden beispielsweise zu einer Skireise in die USA ein und ist das Skifahren der einzige Programmpunkt der Reise, ist es bereits fraglich, ob es sich um eine Dienstreise handelt.

Keine Pflicht zur Abfahrt

Auch in einem anderen Fall stand Skifahren als Freizeitaktivität auf dem Rahmenprogramm der Tagung. Die Teilnahme daran war weder verpflichtend noch verbindlich. Daher lehnte die gesetzliche Unfallversicherung eine Kostenübernahme ab, als sich eine der Führungskräfte dabei eine Schulterverletzung zuzog und diese als Arbeitsunfall deklarierte.

ARAG Experten raten Arbeitnehmern in solchen Fällen, den Kontext der Aktivitäten genau zu prüfen und sich gegebenenfalls schriftlich eine verpflichtende Teilnahme bestätigen zu lassenIn der Pause

Snack vs. Shopping-Tour

Nutzt der Arbeitnehmer seine Pause, um sich beim Bäcker um die Ecke einen kleinen Snack oder ein Getränk für die weitere Arbeitszeit zu holen, unterliegt er auf der zurückzulegenden Strecke dem gesetzlichen Unfallschutz. Ein ausgedehnter Großeinkauf, zum Beispiel über zwei Stunden, beendet hingegen den Versicherungsschutz nach Auskunft der ARAG- Experten.

Wer sich nur kurz auf eine Zigarette vor die Tür begibt, ist allerdings nicht geschützt. Rauchen sei im Gegensatz zur Nahrungsaufnahme nicht notwendig, um Arbeitskraft zu erhalten, sondern eine persönliche Entscheidung, die nichts mit der Arbeit zu tun habe, so die Richter. Somit ist ein Unfall in der Raucherpause auch kein Arbeitsunfall. Der Weg zur Kantine wiederum fällt unter den gesetzlichen Unfallschutz – allerdings nur, wenn kein Umweg eingeschlagen wurde. Und: In der Kantine ebenso wie im Restaurant endet der Unfallschutz.

Übrigens: Verrichtet ein Arbeitsuchender in einem Unternehmen einen Probearbeitstag und verletzt sich dabei, ist er gesetzlich als sogenannter „Wie-Beschäftigter“ unfallversichert.

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