Keine weiteren Sirenen nötig

Warnsystem im Landkreis reicht aus

Alles ruhig in Hersbruck und Umgebung. Bereits 2012 hatte es sich ein Storch auf der Sirene auf dem Feuerwehrhaus in Henfenfeld bequem gemacht. Archivfoto: L. Bock2016/01/6947719.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – In Hersbruck und Umgebung gibt es keine Bestrebungen, das bereits vorhandene Netz aus Sirenen auszubauen. Nürnberg dagegen installiert ein neues, flächendeckendes Warnsystem. Diese Installationen sollen die Bevölkerung im Katastrophenfall vor Großbränden, Hochwasser, Angriffen oder ähnlichem warnen.

„Die Ausgangslage ist bei uns eine vollständig andere“, sagt Landratsamtssprecher Rolf List. „In Nürnberg geht es darum, die Bürger im Notfall großflächig schnell warnen zu können.“ Das funktioniert aber nur, wenn viele Menschen auf engem Raum leben. Im Landkreis dagegen übernehmen unter anderem die Feuerwehrsirenen diese Aufgabe. „Die kleineren Gemeinden können zur Not auch per Lautsprecherwagen alarmiert werden“, ergänzt Gerhard Hertlein, Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz am Landratsamt. Auch enge Nachbarschaft und Mundpropaganda spielten eine Rolle. „Hier gibt es eine Vernetzung, die es so in der Großstadt nicht gibt.“

Viele Sirenen wurden nach der Wiedervereinigung und dem Fall des Eisernen Vorhangs abgebaut. In den 1990er Jahren glaubte man daran, dass die Welt nach 40 Jahren Kalter Krieg nun endlich in Frieden leben könnte. Der Bund, der bis dahin für die Sirenen zuständig gewesen war, bot sie den Kommunen zur Übernahme an. Während in Hersbruck die Sirenen vollständig abgebaut wurden, blieben sie in Happurg erhalten.

„Sieben Sirenen gehören zum Warnsystem für das Oberbecken“, so Kreisbrandrat Norbert Thiel. Dieses dient vor allem dazu, die umliegenden Gemeinden im Katastrophenfall zu warnen. „Wir reden hier von ganz anderen zeitlichen Dimensionen“, sagt Gerhard Hertlein. „Wenn ein Damm bräche, sind Sirenen die schnellste Art der Warnung.“ Die Ortschaften im Überschwemmungsbereich des Oberbeckens könnten so rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Momentan ist es aber ungenutzt und leer.

Im Hersbrucker Umland sind fast alle Gemeinden mit Feuerwehrsirenen ausgestattet, nur einige Ortschaften – auch Hersbruck selbst – haben sie abgebaut. „Sie werden hier nicht mehr zur Alarmierung der Feuerwehr gebraucht“, sagt Norbert Thiel. „Das funktioniert elektronisch, unter anderem über Piepser (siehe Zum Thema).“ Die vorhandenen Sirenen können nicht zentral gesteuert werden, sondern nur über die Leitstelle in Nürnberg. Diese nimmt Informationen entgegen, wertet sie aus und koordiniert die jeweiligen Dienste wie Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk. Die Leitstelle Nürnberg ist nicht nur für die Stadt Nürnberg zuständig, sondern auch für Stadt und Landkreis Fürth, Stadt und Landkreis Erlangen sowie den Landkreis Nürnberger Land.

Zwar gebe es die Möglichkeit, vorhandene Installationen umzurüsten, so Norbert Thiel – auch verschiedene Töne für Übungen oder Entwarnung sind möglich –, dies wäre jedoch aufwendig und teuer. „Es müsste durchgerechnet werden, was es genau kostet und es müsste überlegt werden, wer die Kosten trägt.“ Doch das ist nicht so einfach. Zuerst muss geklärt werden, wer für das Warnsystem zuständig ist. Bei Feuerwehrsirenen und normalem Schutz – etwa bei „gefährlichen Betrieben“, wie Munitionsherstellern – ist die jeweilige Gemeinde verantwortlich, für überörtliche Systeme zahlt der Landkreis.

„Es muss auch sichergestellt werden, dass jeder den Alarm in der gleichen Lautstärke hört“, sagt Gerhard Hertlein. „Dazu kommt, dass es ein Unterschied ist, ob Stadt oder Land, weil hier die Geländebeschaffenheit berücksichtigt werden muss.“ Hier müsse man sich Schritt für Schritt herantasten und immer wieder ausprobieren. „Das ist ein sehr umfangreiches Werk. Etwas Konkretes kann man erst sagen, wenn es so weit ist.“
Die rein elektronische Alarmierung hält Norbert Thiel auf Dauer für nicht ausreichend. Zwar gibt es das bundesweit einheitliche Warn- und Informationssystem Katwarn, das SMS verschickt oder per Smartphone-App warnt. Doch nicht alle Landkreise, unter anderem das Nürnberger Land, oder kreisfreien Städte nutzen es. Gerade Menschen ohne Smartphone haben zudem keinen Zugriff darauf. Auch gibt es zu wenig registrierte Benutzer, um die Bevölkerung flächendeckend alarmieren zu können. „Ein mehrfach nutzbares Warnsystem wäre schon sinnvoll“, so Norbert Thiel. „Bisher sind wir jedoch immer sehr gut weggekommen. Es ist in unserer Gegend nie etwas wirklich Schlimmes passiert.“

N-Land Dominik Heinz
Dominik Heinz