Glocken fehlen

Sanierung der Hersbrucker Spitalkirche läuft

Gut gesichert baumelte die Konstruktion aus Holz und
Kupferblech am Haken eines Krans. | Foto: J. Ruppert2021/04/Sp2.jpg

HERSBRUCK – Die Spitalkirche hat eines ihrer Wahrzeichen verloren: den kleinen Glockenturm über dem Querhaus. Zimmerer haben den Aufbau nacheinander nach unten gehievt. Das Geläut des altehrwürdigen Gotteshauses im Herzen Hersbrucks soll spätestens im Sommer 2022 wieder an seinem Platz sein.

Bekanntlich wird die Spitalkirche Sankt Elisabeth in den nächsten beiden Jahren innen und außen aufwendig saniert. Die Kostenschätzung liegt bei über zwei Millionen Euro. Ein Hauptaugenmerk gleich zu Beginn der Arbeiten liegt auf dem verschachtelten Dach. Architektin Katrin Berger aus Happurg, die auf historische Gebäude spezialisiert ist und das Wiederherrichten des Denkmals mit ihren Kollegen eines Fürther Büros leitet, machen vor allem die maroden Fußpunkte der Konstruktion Sorgen.

Erster Schritt der Renovierung war das Entfernen der Ziegel. Eine Plane schützt seitdem das Innere der Spitalkirche. Nun folgte der „Dachreiter“. Dabei handelt es sich um das Türmchen auf dem First. Es besteht aus Holz, ist seitlich offen und dient als Glockenstuhl.

Spezialisten am Dach

Zimmerleute einer Spezialfirma aus Dietfurt lösten zunächst in luftiger Höhe über Hersbruck die Befestigungen des mit Kupferblech ummantelten „Hutes“. Dazu mussten sie in erster Linie den mit dem Dach verbundenen Kaiserstiel – die innere Spitze der Turmkonstruktion – freibekommen.

Das rund 300 Kilogramm schwere Stück wurde schließlich per Kran abgehoben und schwebte sicher neben dem eingerüsteten Langhaus hinunter auf die eigens gesperrte Spitalgasse. Als nächstes kamen die beiden 120 und 180 Kilogramm schweren Glocken an die Reihe. Mehr Schwierigkeiten boten die hölzernen Streben. „Wir müssen erst schauen, wie das Ganze funktioniert“, erklärte einer der Experten.

Reise nach Dietfurt

Alle Teile des Dachreiters werden in die Werkstatt der Zimmerei Krach nach Dietfurt gebracht. Die Firma war schon an etlichen Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude tätig, so zum Beispiel bei der Befreiungshalle Kelheim, am Schloss Nymphenburg und etlichen alten Kirchen.

Das Herrichten des alten Aufsatzes wird dauern, auch wenn die Kupferteile aus dem Jahr 1957 stammen. Eine Rückkehr des Türmchens heuer ist zwar nicht ausgeschlossen. Katrin Berger hält allerdings 2022 für realistischer. In den nächsten Wochen wird ein Folienschutzdach zwischen dem Giebel und dem Chor der Hersbrucker Spitalkirche errichtet. Darunter können die nächsten Arbeiten stattfinden, selbst wenn Petrus noch weitere Wetterkapriolen vorhat.

Die Erneuerung des Daches wird sich laut den Planungen der Architektin bis ins kommende Jahr hinziehen. Das Innere der Spitalkirche ist voraussichtlich erst 2023 an der Reihe. In der Geschichte des Gotteshauses ist dies allerdings nur eine kleine Zeitspanne. Die Ursprünge des Gebäudes liegen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als neben dem Spital eine der heiligen Elisabeth geweihte Kapelle gebaut wurde.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren