Zur Lage am Bahnhof rechts in Hersbruck

„Mutet nach Machtspiel an“

Die Bahn hat den kompletten Schotterplatz am Bahnhof rechts der Pegnitz abgesperrt. Er soll jetzt „winterfest“ und „verkehrssicher“ gemacht werden, obwohl dieser Zustand jahrelang anhielt. Foto: Camin2015/09/P1320213.jpg

HERSBRUCK – Die Fronten zwischen der Deutschen Bahn und der Stadt Hersbruck verhärten sich. Die Bahn bleibt dabei: Die Parkflächen am Bahnhof rechts bleiben abgesperrt, das „wilde Parken“ wird nicht mehr geduldet, bald soll der erneuerte Platz bewirtschaftet werden. Sprich: Bahnkunden werden zur Kasse gebeten. Die Bahn weist der Stadt Hersbruck den schwarzen Peter zu: Die sei als Kommune in der Pflicht, Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister Robert Ilg ist sauer: „Ich habe nicht ein konkretes Angebot von der Bahn erhalten.“ Außerdem geht es ihm gegen den Strich, dass die privatisierte Bahn sich über Steuergelder ihre Infrastruktur erhalten wolle.

Ein Bahnsprecher: „Grundsätzlich sind für die zur Verfügungstellung von Parkplätzen die Kommunen zuständig. Zum Kauf und zur Herrichtung von Parkflächen gewährt der Freistaat dabei Investitionshilfen. Eine Restfinanzierung sowie die Er- und Unterhaltspflicht der Flächen obliegt den Kommunen. Seit Anfang 2014 haben wir die Stadt Hersbruck mehrfach auf diese Pflicht hingewiesen.“ Bürgermeister Ilg hält dagegen: „Ja, diese Sätze kenne ich. Aber die Bahn hat uns nicht einmal einen konkreten, belastbaren Vorschlag mit Zahlen gemacht.“ Seit vielen Jahren werde mit der Bahn diskutiert, jetzt hätten sich alle an einen runden Tisch setzen sollen. Doch die Bahn hat vorher Fakten geschaffen und den Platz abgesperrt. „Ich wollte, dass wir eine Lösung finden, die nicht nur zu Lasten der Kommunen geht.“ Das Argument, andere Kommunen hätten sich auch darauf eingelassen, weist Ilg zurück: „Diese Kommunen haben vor einigen Jahren die Flächen zu einem symbolischen Preis von einem Euro bekommen – wie gesagt: Ich habe bis heute nicht einmal ein Angebot seitens der Bahn.“ Ilg hatte auf den Runden Tisch im November gehofft. „Wenn man es ernst meint, kann man im Hinblick auf einen jahrzehntelangen Missstand noch ein paar Wochen warten, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Was jetzt passiert, mutet nach einem Machtspiel an und nicht nach sachlicher Lösung suchend.“

Die Bahn hat den Termin am 16. November noch nicht gestrichen und würde dort auch dies wiederholen: „Wir sind weiterhin bereit, gegen eine entsprechende Abschlagszahlung der Stadt die dann befestigten Flächen zu überlassen. Auch wenn wir jetzt in Vorleistung gehen, besteht die Bahn nicht auf einer eigenen Bewirtschaftung.“

Eingeschaltet sind – wie in den vergangenen Monaten schon – auch Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel und Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler. Dünkel bat gestern Erwin Huber, den Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Landtag, um Unterstützung, um diesem „Trauerspiel ein Ende zu bereiten“. Die „Nacht- und Nebelaktion“ der Bahn stößt ihm auf, und das kurz vor Schulbeginn, „so kann es nicht gehen“. „Die Bahn muss aus meiner Sicht dafür sorgen, an einem derartigen Standort eine entsprechende Zahl an Kundenparkplätzen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Tausende Kunde der Bahn sind zurecht höchst verärgert.“

Auch Marlene Mortler hat kein Verständnis für das Handeln der Bahn. Es werde der Eindruck vermittelt, „dass einseitig Druck auf die Stadt Hersbruck ausgeübt werden soll“, schrieb sie gestern Klaus-Dieter Josel, dem Konzernbevollmächtigten der DB. „Auch das Ansinnen der DB Immobilien, die Stadt Hersbruck solle künftig den Parkplatz übernehmen und bewirtschaften, halte ich weder für zielführend noch realitätsnah. Denn die Vorhaltung von Kundenparkplätzen fällt zweifelsfrei in das klassische Servicesegment eines Dienstleistungsanbieters, vorliegend der Deutschen Bahn.“ Und letztendlich, so wandte sie sich direkt an Josel, „profitiert ja gerade Ihr Haus und nicht primär die Kommune Hersbruck von genutzten Pendlerparkplätzen“.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren