Sonntag läuft der 1. Franken-Tatort

Heimat – kriminell und im TV

In der Schar der vielen Zaungäste beim Dreh des Franken-Tatorts in der Nürnberger Altstadt letztes Jahr war mit Cornelia Stötzner auch eine Hersbruckerin dabei. Sie hatte den Ausflug bei der HZ-Krimi-Story-Suche gewonnen. Foto: Pitsch2015/04/5_2_1_2_20150411_TATORT.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Sonntagabend, 20.15 Uhr. Endlich ist es soweit. Der Vorspann erscheint: Augen eines Mannes, er rennt weg, die Zielscheibe erscheint, die typische Musik erklingt. Der Tatort fängt an – und es wird in 40 Jahren der erste Franken-Tatort sein, der an diesem Sonntag in der ARD ausgestrahlt wird. Doch was fasziniert die Menschen so an „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ und Co.?

„Ich möchte so gerne wieder Heimat sehen und hören“, schreibt zum Beispiel Christiana Belcher, die in den Vereinigten Staaten wohnt und auf einen Live-Stream am Sonntag hofft, auf der HZ-Facebook-Seite. Heimat, Zuhause – das hört man im Zusammenhang mit Tatort immer wieder. „Zuhause natürlich gemütlich aufm Sofa“ schaut daher auch Anita Mertel die erste Franken-Ausgabe. Schlicht gesagt, das Phänomen „Tatort“ ist Kult. Dazu tragen nicht nur bekannte Schauspieler und Quotenkönige bei oder die natürliche Neugierde des Menschen sowie seine Lust an „Sex & Crime“. Es hängt viel mit dem Begriff der „Heimat“ zusammen: Seit rund 900 Folgen hat sich das Grundmuster der Serie nicht verändert. Gestrickt ist es aus dem bekannten Vorspann, Lokalpatriotismus, Stereotype, deutschem Alltag und zugleich aktuellen Themen, denn von Pädophilie über Rechtsextremismus bis hin zum Afghanistan-Einsatz war schon alles dabei.

Trotz des oft harten, inhaltlichen Tobaks bringt der „Tatort“ Geborgenheit ins Wohnzimmer. Während sich der Zuschauer auf dem heimischen, vertrauten Sofa zur aktuellen Sendung einkuschelt, freut er sich schon auf die nächste: Obwohl als 90-Minuten-Werk in sich abgeschlossen, appelliert der „Tatort“ an das Seriengedächtnis der Zuschauer, die das Format wiedererkennen und sich daher geborgen fühlen. Das liegt auch daran, dass viele Regionen bedient werden und Kommissare auch mal in einem anderen „Tatort“ vorbeischauen – Vernetzung ist das Zauberwort.

So haben bereits die Leipziger mit den Ruhrpott-Kollegen einen Fall gelöst. Die neue Mordkommission Franken um Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel muss sich zunächst alleine beweisen. Ob sie dem Münsteraner Duo Boerne und Thiel den Rang in der Beliebtheitsskala ablaufen kann? Am Sonntag um 21.45 Uhr gibt es dafür vielleicht ein erstes Indiz.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch