30 Minuten mit der HZ

Georg Büttner und seine Leidenschaft für Richard Wagner

Georg Büttner kennt sie alle. Hier ist er mit der Opernsängerin Camilla Nylund zu sehen, die heuer bei den Bayreuther Festspielen die Eva in den „Meistersingern von Nürnberg“ und die Elsa in „Lohengrin“ 2019 sang. | Foto: privat2019/08/Buettner.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Endlich Ferien. Endlich Zeit für sich selbst, für die Familie, für Freunde. Auch wir in der HZ-Redaktion nehmen uns jetzt immer mal wieder eine kleine Auszeit und tun das, was wir am liebsten machen: mit Leuten ins Gespräch kommen und uns ihre Geschichte erzählen lassen. Heute: 30 Minuten mit Georg Büttner aus Hersbruck, der die Bayreuther Festspiele wie seine Westentasche kennt.

Sie sind Wagnerianer durch und durch. Wie viele Aufführungen haben Sie schon auf dem Grünen Hügel in Bayreuth gesehen?
Georg Büttner: 374 Aufführungen. Dazu kommen noch Generalproben, Orchesterplätze sowie TV- und Radioübertragungen. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Aufführung in Bayreuth. Das war 1960 „Siegfried“. Die Karte kostete damals 20 DM. Von da an hat mich Wagner nicht mehr losgelassen.

Viele Privilegien

Es ist alles andere als einfach, an Karten für die Bayreuther Festspiele zu kommen. Wie haben Sie es geschafft, so oft Karten zu ergattern?
Es ist eigentlich gar nicht so schwer. Wer sich intensiv bemüht, bekommt auch eine Karte. Durch meine vielen Besuche und durch langjährige Verbindungen zum Festspielhaus und zur Familie Wagner sowie zu Protagonisten und Mitarbeitern auf dem Grünen Hügel hatte ich ja vielerlei Privilegien.

Sie kannten Wolfgang Wagner persönlich, den jüngsten Enkel des großen Komponisten Richard Wagner. Er wäre heute 100 Jahre alt geworden.
Der Kontakt zu Wolfgang Wagner ist über die Zeit gewachsen. Er leitete ja 57 Jahre lang die Bayreuther Festspiele. Und ich habe ihm immer wieder originelle Geschenke zu den Premieren gemacht, über die er sich sehr gefreut hat. Zu Ehren seines 100. Geburtstags gab es bereits einen festlichen Abend im Richard-Wagner-Museum mit der Eröffnung einer Ausstellung über sein Lebenswerk unter dem Titel „Der Prinzipal“. Die ist übrigens äußerst sehenswert. Und es gab einen Festakt im Festspielhaus. Zu beiden Veranstaltungen war ich eingeladen.

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Was war in Ihren Augen das Besondere an Wolfgang Wagner?
Er war ein wirklicher Prinzipal und ein Allrounder. Ich mochte seine typisch fränkische Art. Als zum Beispiel einmal Plácido Domingo, der mehrmals in Bayreuth zu Gast war, bei einer Generalprobe hereinkam, hat Wolfgang Wagner ganz pragmatisch ausgerufen: „Ja wo setz‘ ma etz den Plácido hin?“ Seit dem Tod von Wolfgang Wagner im Jahr 2010 hat sich in Bayreuth vieles für mich verändert.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen?
Ganz klar der Festakt im Festspielhaus zu Ehren Wolfgang Wagners.

Auf Lebenszeit

Nach den Festspielen ist vor den Festspielen. Werden Sie auch im nächsten Jahr wieder auf dem Grünen Hügel dabei sein?
Ja, zu bestimmten Aufführungen sowie zu den Events im Richard Wagner Museum, wo ich auf Lebenszeit freien Eintritt habe.

Sie haben fast 60 Jahre Festspiele miterlebt. Welche Inszenierungen sind Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?
Da gibt es so viele. Wunderbar war der Parsifal von James Levine 1984. Er hat ihn weihevoll zelebriert. Oder Carlos Kleibers Tristan 1974, sowie Wolfgang Wagners Inszenierung der Meistersinger 1981. Das waren großartige Aufführungen. Sie müssen wissen, wir Wagnerianer warten auf jede Note und auf jede Textzeile. Die modernen Inszenierungen setzen oft auf zu viel Show und das lenkt leider sehr von der eigentlichen Musik ab.

N-Land Katja Bub
Katja Bub