Krankenhaus Hersbruck – Kommentar

Gegen die Landbevölkerung

Das Plakat der Bürgerinitiative aus Hersbruck zur Kundgebung in Nürnberg. Hingehen!2018/04/Plakat_Kundgebung_KrankenhausHersbruck_28042018_4.jpg

Vor einer Woche hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen einen Beschluss gefasst, der eine kritikwürdige Entwicklung im Gesundheitssystem zeigt. Demnach behalten nur 1120 von derzeit 1748 Krankenhäusern ihren Status als Notfallklinik, weil sie folgende Standards erfüllen: eine Station für Innere Medizin, eine Chirurgie und eine Intensivstation sowie kurze Wege für Fachärzte. Wer nicht mithält, dem wird der Geldhahn zugedreht. Das Netz an Notaufnahmen im ganzen Land wird dadurch weitmaschiger, Kliniken weniger lukrativ.

Es ist nachvollziehbar, wenn die Gesundheitspolitik die ständig steigenden Krankenhauskosten durch mehr Effizienz in den Griff bekommen will. Das ist nüchternes klares, wirtschaftliches Denken, orientiert am städtischen Durchschnittsbürger, der mobil ist und in einem Zentralkrankenhaus locker zurechtkommt. Es gibt aber auch noch eine andere Normalität, auf dem Land, zum Beispiel in der Hersbrucker Schweiz.

Der Kirchensittenbacher Arzt Dr. Alfred Schuller macht immer wieder darauf aufmerksam: Der durchschnittliche Patient in der Hersbrucker Schweiz ist Ü 50, eher 60 und darüber, und der findet sich nur schwer zurecht in einer fremden, großstädtischen, stark technisierten Umgebung. Er braucht keine Vollversorgung vor Ort, sondern eine vernünftige regionale, ambulante und auch stationäre Struktur, die gut angebunden ist an Großkliniken und Hightech. So wie bisher. Die Ärzte regeln hier das Mögliche und vermitteln — bei Bedarf — weiter an die Fachleute dort.

Dieses nicht am Idealbild der Bundespolitik, sondern an der Gesamtbevölkerung orientierte System wird in Hersbruck gerade zerstört. Dagegen lohnt es sich zu kämpfen, bei der Demo am Samstag, 28. April, vor dem Heimatministerium in Nürnberg (15 Uhr). Damit den Verantwortlichen — und das sind die Landes- und Bundespolitiker — endlich klar wird, dass sie sich allen Bürgern stellen und erklären müssen. Wer von ihnen bemüht sich denn ernsthaft um Alternativen zum vermeintlich faktischen Zwang?

Beiträge zum Thema:
Krankenhaus Demo am Samstag,
Die Intensivstation ist vom Netz,
„Nicht warten, bis die Hütte schließt“ – über Plan B

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz