Ab 5. Juni am Postgebäude

Ein Kunstautomat für Hersbruck

Die „Köpfe“ des Projekts Kunstomat Hersbruck: Ute Scharrer (l.), Federica Burzi und Karin Plank-Hauter (2.v.r. und rechts). Unterstützt werden sie von Nicolai Abé (2.v.l.) von der Schreinerei Prager. Sie zeigen die beiden Varianten für die Automatenfront – einmal aus Holz und einmal aus Kunstmarmor (vorne). | Foto: M. Gundel2021/05/DSC-2204-scaled.jpg

HERSBRUCK/FÖRRENBACH – „Wir wollen Kunst auch in der jetzigen kulturarmen Zeit sichtbar machen“, sagt Ute Scharrer. Das soll mit kleinen kreativen Werken aus dem „Kunstomaten“ gelingen, der ab 5. Juni in der Hersbrucker Innenstadt hängen wird.

Wem das Motto „Kunstwerke zum Ziehen“ bekannt vorkommt, hat Recht: Auf die Idee kam Ute Scharrer durch den Kulturverein Alfeld, der mit dem „Heima(R)t-Automaten“ bereits einen ausgedienten Zigarettenautomaten in eine Mini-Galerie mit Selbstbedienung verwandelt hat. Scharrer wollte auch Hersbruck mit einem solchen Stück bereichern.

Und so ging sie gemeinsam mit ihrer Schwester Karin Plank-Hauter und Federica Burzi auf die Suche nach Künstlerkollegen, die sich mit selbst gemachten Miniaturkunstwerken beteiligen wollen. „Die Resonanz war durchweg positiv“, freut sich Scharrer. Schließlich sei es nicht selbstverständlich, 40 Unikate zu fertigen, die pro Stück für gerade mal fünf Euro verkauft werden sollen.

Von Tarot bis Glas

Das nämlich sei der übliche Preis, denn natürlich sind die Kunstautomaten in Hersbruck und Alfeld nicht die einzigen in Deutschland. Und obwohl es eine Firma gebe, die diese komplett fertigt und ausliefert, wollte das Team das Projekt selbst in die Hand nehmen und regionale Künstler einbeziehen. So verstecken sich zum Beispiel Tarotkarten aus Holz von Federica Burzi, Glasobjekte von Sylvia Lobenhofer-Albrecht, Grußkarten von Buchbinderin Christine Krammer oder „kleine Welten in der Streichholzschachtel“ von Kollektief.punkt in den Fächern des Automaten. Auch ein Sozialprojekt des Waldorfkindergartens Ellenbach ist dabei.

Natürlich soll auch das Äußere zum Inhalt passen. Für die Front fertigte Scharrer deshalb einen Entwurf im Steampunk-Stil, der das Innenleben des Automaten mit seiner Umgebung vereint: Kleine Kunstwerke sind darauf genauso zu sehen wie das Hersbrucker Wappentier oder das Wassertor. Mit Zahnrädern und Teilen einer „Nostalgiemaschine“, so Scharrer, ergibt alles „eine Mischung aus Maschine und Handwerk“.

Mit Fräsmaschine zur 3D-Optik

Burzis Mann Moritz Pflaum hatte die Idee, das ganze in 3D-Optik umzusetzen. Er tüftelte am Computer und rechnete die verschiedenen Ebenen aus. Damit wurde dann die Fräsmaschine der Schreinerei Prager aus Förrenbach gefüttert. Die arbeitet nach und nach erst grobe, dann feine Schichten aus dem Material heraus. Schreiner Nicolai Abé wie auch Moritz Pflaum machen die Arbeiten komplett ehrenamtlich, wofür das Team besonders dankbar ist, betont Ute Scharrer. Abé war es letztendlich auch, der die Künstler für Kunstmarmor als Material für das Cover begeisterte. „Das sieht einfach super aus“, war der einstimmige Tenor.

Geplant sei, zwei bis drei Mal im Jahr die Kunstwerke zu wechseln. Jeweils vorher soll eine kleine Vernissage stattfinden. Der Verkaufspreis soll zum Großteil den Künstlern zufließen, einen kleinen Teil will das Team für zum Beispiel die Beschaffung der Schachteln behalten.

Weitere Artikel zum Thema


Optimaler Standort

Gestiftet wurde der ausgediente Zigarettenautomat von Familie Kiener, den ehemaligen Inhabern des Tabak Biegel. Finanzielle Unterstützung kommt außerdem vom Wirtschaftsforum, dem Arbeitskreis Citta Slow und der Stadt Hersbruck. Letztere stellt dem Team auch einen für sie optimalen Standort zur Verfügung: neben den Briefkästen an der Außenwand des Postgebäudes und damit direkt gegenüber des Rathauses.

Dort soll der Kunstomat am Samstag, 5. Juni, um 11 Uhr zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt werden – wenn es die Coronasituation zulässt. Auf einem Tisch werden alle Exponate gezeigt und die Kreativen stehen für Fragen zur Verfügung. Die Schirmherrschaft für das Projekt übernimmt das Kunstmuseum Hersbruck.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren