Einweihung

Der Kunstomat in Hersbruck ist da

Hier versteckt sich ein Ozean in der Streichholzschachtel. | Foto: M. Ermer2021/06/IMG_0879.jpg

HERSBRUCK – Er fühle sich an die Sünden früherer Zeiten erinnert, als er mit drei DM am Zigarettenautomaten stand, gibt Robert Ilg zu, als er bei der Einweihung des neuen „Kunstomats“ in Hersbruck die Premiere ziehen darf: Ein kleines Kunstwerk kommt aus der Schachtel – und die Besucher der Eröffnung tun es ihm begeistert nach und ziehen ihrerseits ebenfalls Überraschungen in Miniatur.

Es scheint, als hätte Hersbruck nur darauf gewartet, endlich einmal wieder Kultur erleben zu dürfen. Am Unteren Markt, zwischen Rathaus und Bürgerbüro, hatten sich viele Kunstbegeisterte eingefunden, die unbedingt dabei sein wollten, als Karin Plank-Hauter das neu geschaffene Schmuckstück enthüllte. Mit der aus Kunstmarmor gefrästen Maschine als Deckplatte, bei deren Zeichnung Ute Scharrer Elemente Hersbrucks und Zahnräder vereint hat, erinnert allerdings nur wenig an einen klassischen Zigarettenautomaten.

Plank-Hauter trotzte dann dem herüberwehenden Baulärm der benachbarten Baustelle und gab einen kurzen Einblick in die Entstehung des Kunstomaten, der mit kleinen Werken von zehn regionalen Künstlern gefüllt ist. Die Idee von Ute Scharrer schlug bei Federica Burzi, Moritz Pflaum und ihr selbst gleich ein, denn sie „wollten schon lange mal wieder ein cooles Projekt machen“.

Erlös für Künstler

Ein Platz war schnell gefunden: So hängt der Automat nun im Herzen der Stadt, direkt am Marktplatz. Gefüttert mit Ein- und Zwei-Euro-Stücken, kann sich jeder für einen Einsatz von insgesamt fünf Euro jederzeit und immer zugänglich unter freiem Himmel überraschen lassen und ein kleines Kunstwerk erleben. Der Großteil des Verkaufserlöses geht an die Künstler, einen kleinen Anteil nutzen die Initiatoren, um weitere Schachteln zu erwerben.

So freuten sich auch Nicole Wirl vom Künstler-Duo „kollektief.punkt“, das mit Papierfaltung einer Ozeanwelt, Stadt oder Bergwerk „große Welten in kleine Schächtelchen“ gezaubert hat, und Federica Burzi, die Tarotkarten im Stil von Holz-Spielkarten gestaltet hat, die den „Zieher“ auch zum Nachdenken anregen sollen.

Blaue Bäume

Das Augenmerk und der Dank der Organisatoren galt daneben vor allem den weiteren Künstlern, die nach der langen „kulturarmen“ Zeit nun die Möglichkeit bekommen sollen, endlich wieder ein bisschen mehr in den Fokus zu rücken. Dabei sind neben „kollektief.punkt“ und Federica Burzi außerdem: Gudrun Färber mit genähten Herzen und Perlenstickerei, Monika Gabsteiger „moinart“ mit fotografierten Heimatmotiven auf Magneten, geprägte Motivkarten von Christine Krammer und Ute Planks Porträts auf Minikacheln. Silvia Lobenhöfer-Albrecht wiederum hat Anhänger aus Glas gestaltet, Alena Scharrer bringt heimische Bäume im Blaudruckverfahren auf Papier, das Projekt des Waldorfkindergartens Ellenbach verbindet „Bienchen und Poesie“ und Johanna Meier alias „Soultrack“ hat Acryl-Mix-Drucke im Kleinformat gefertigt.

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Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg lobte schließlich das „sensationell gelungene Exemplar“ des Kunstomats, der trotz seiner Schlichtheit an der Fassade auffalle. Die Idee sei zwar nicht neu, aber man müsse es eben auch machen, meinte er, erfreut über Hersbruck als „Kunstmekka im Nürnberger Land“.

Das liege auch an der tollen Kunstszene in der Stadt, so Ilg. Die wurde mit einer regen Nachfrage an ihrem Automaten bedacht. Welchen Künstler beziehungsweise ob Druck, Fotografie oder Handwerkskunst der „Kunst-Zieher“ möchte, kann er selbst auswählen – und doch erwartet ihn beim Blick in die Schachtel dann eine kleine Überraschung.

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