Tourismusverein Hersbrucker Schweiz

„Grünes Gold“ soll Besucher locken

Das „grüne Gold“ soll künftig Besucher nach Hersbruck locken: Der Tourismusverein plant im September ein „Hopfensiegelfest“. Foto: P. Heckmeier/Fotolia2014/03/5_2_1_2_20140307_HOPFEN.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Ein „Hopfensiegelfest“ soll 2014 Besucher nach Hersbruck locken, das hat der Tourismusverein Hersbrucker Schweiz bei seiner Jahreshauptversammlung verkündet. Die Stadt Hersbruck stellt dem Verein, genau wie im vergangenen Jahr, wieder 10.000 Euro zur Verfügung. Gleichzeitig scheint es hinter den Kulissen zu kriseln.

Vorsitzender Bruno Schmidt macht keinen Hehl daraus: Die Partnerschaft mit den Schotten ist ein schwieriges Thema. Reisen auf die Insel sind nicht billiger geworden, das Interesse der Bürger an der Partnerschaft sinkt, auf schottischer Seite gibt es Probleme mit dem Vereinsnachwuchs. „Horrende Hotelkosten“, so Schmidt, und die Reiseausgaben für den finanziell ohnehin nicht besonders gut ausgestatteten Tourismusverein seien hoch.

Auch Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg ging auf das Problem ein: „Es ärgert mich, wenn der Stadt dann vorgeworfen wird, dass wir angeblich keine Lust mehr haben, die Freundschaft mit den Schotten zu pflegen.“ Partnerschaftspflege sei mehr als nur Reiseorganisation, nämlich vor allem das Aufbauen von Kontakten. Voraussichtlich Ende August soll wieder ein Bus nach „Lossie“ fahren.

Unerwartet laut wurde Vorsitzender Bruno Schmidt wenig später. Er sprach von sich aus ein Gerücht an: Angeblich sollen er und Vereinsgeschäftsführer Dominik Munkert auf Kosten des Vereins die schottische Partnerstadt Lossiemouth besucht haben. „Wir haben unsere Reisen immer selbst bezahlt und was ich hier sage, dazu stehe ich auch“, polterte der Reichenschwander Bürgermeister. Es scheint intern zu kriseln.

Lob gab es von Schmidt für Geschäftsführer Munkert: Er arbeite engagiert und ehrenamtlich für ein „Schmerzensgeld“. Damit spielte der Vorsitzende auf die klammen Kassen des Vereins an. Der bekam 2013 10.000 Euro von der Stadt Hersbruck, genauso viel stellt die Kommune auch heuer wieder aus ihrem Haushalt zur Verfügung. Zum Vergleich: 2012 erhielt der Verein nur 5000 Euro. Das sei ein deutliches Zeichen, dass auch der Stadt etwas daran liege, Besucher in die Gegend zu locken, so Bürgermeister Robert Ilg.

Einen Beitrag dazu könnte das am 7. September geplante „Hopfensiegelfest“ mit Beteiligung der Bürgerbräu und einer Hopfen-Ausstellung leisten. Der „Schäufeleführer“ mit 28 Gaststätten und drei Metzgereien aus der Region ist so erfolgreich, dass nach zwei Jahren alle 20.000 Prospekte vergriffen waren, so „Schäufelekönig“ Waldemar Bogner. Es gibt deshalb eine dritte Auflage mit 12.000 Stück.

180.000 Übernachtungen

Außerdem blieb die Zahl der Gäste, die sich bei Stadt- und Turmführungen im Jahr 2013 die Citta slow zeigen ließen, stabil: Rund 1500 Besucher nahmen an den Rundgängen teil. 2013 entfallen fast die Hälfte der 400.000 Übernachtungen im Landkreis, nämlich 180.000, auf die Hersbrucker Schweiz mit ihren 13 Heimatgemeinden. Allerdings sind darin auch die Übernachtungen in der Psorisol oder der AOK enthalten. Anita Eberhard vom Grünen Baum in Kühnhofen regte an, im kommenden Jahr entsprechend bereinigte Zahlen zur Verfügung zu stellen.

Hans Löhner, der im vergangenen Jahr 17 Sitzbänke in der Stadt repariert und erneuert hat, wird auch heuer wieder für einladende Sitzgelegenheiten sorgen. Er klagte über den Vandalismus in der Stadt: Am Trimm-dich-Pfad seien sogar Bänke aus dem Betonfundament gerissen worden. Schmidt dankte ihm gerade deshalb für seine unermüdliche ehrenamtliche Unterstützung.

Dominik Munkert berichtete, dass der Tourismusverein in vielversprechenden Verhandlungen mit Prager Reisebüros stehe. Die Tschechen hätten großes Interesse daran, Kletter- oder Mountainbike-Touren in der Hersbrucker Schweiz in ihr Programm aufzunehmen.

Das neue Tourismuskonzept des Landkreises beeinflusst vor allem die Planung von Messebesuchen. Der Verein hat dabei nicht mehr so viel Mitspracherecht wie zuvor. Ob und wie der Tourismus heuer zum Beispiel auf der Consumenta vertreten sein wird, sei deshalb noch unklar, so Munkert. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit lokalen Unterstützern, wie Fackelmann Therme, Stadt Hersbruck, Bürgerbräu und Pfeiffer Medienhaus, das den Internetauftritt www.hersbruckerschweiz.de betreut.

Harald Günzrodt, neuer technischer Leiter der Hewa, und Franz Meißner vom N-Ergie-Tochterunternehmen Aqua Opta erläuterten für die Gastronomen im Verein die neue Trinkwasserverordnung und die damit verbundenen strengeren Tests auf Legionellen.

Die Abgabe für Übernachtungen an die Kommune stößt einigen Gastronomen sauer auf. Peter Bauer überbrachte in seiner Funktion als Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Nürnberger Land das Anliegen seiner Kollegen: Obwohl es keine klare vertragliche Regelung gebe, müssten die Gastwirte entweder 50 Cent pro Übernachtung oder zehn Prozent der jährlichen Übernachtungseinnahmen an die Stadt abgeben. „Das ist ganz schön viel für eine kleine Verlinkung auf der Homepage der Stadt“, sagte der Inhaber des Café Bauer. Beim Tourismusverein wäre das Geld seiner Meinung nach besser aufgehoben. „Unfair“ nannte Bürgermeister Ilg diesen Vorwurf, „ich lasse mir nicht sagen, dass die Stadt nichts tut“, konterte er. Hotelbetreiberin Anita Eberhard befürwortete die Abgabe an die Stadt: „Ich würde auch mehr zahlen“, sagte sie. Ilg bot den Gastwirten ein klärendes Gespräch an. Auch der Tourismusverein will sich um eine Vereinbarung bemühen, mit der alle leben können.

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N-Land Melanie Strauß
Melanie Strauß