Bauen – ja oder nein?

Auf dem Grün der Hersbrucker Turnhalleninsel (unten im Vordergrund) soll der Erweiterungsbau der PsoriSol-Klinik entstehen. Foto: J. Ruppert2011/09/5_2_1_2_20110913_PSORISOL.jpg

HERSBRUCK (jr) – Die beabsichtigte Erweiterung der PsoriSol ist nicht überall auf Begeisterung gestoßen. Wie berichtet, soll ein neuer, bis zu 95 Meter langer und zwölf Meter hoher Komplex auf der Hersbrucker Turnhalleninsel die „Raumnot“ der Klinik beseitigen. Mehrere Anlieger haben Einwendungen gegen den Entwurf des Bebauungsplans erhoben. Das Thema steht im Bauausschuss des Stadtrats diesen Donnerstag um 19 Uhr an.

Das Hersbrucker Gesundheitszentrum mit Schwerpunkt „Haut“ gehört zu den führenden Einrichtungen seiner Art in Europa. Allerdings sind die Kapazitätsgrenzen längst erreicht. Und die betuchte Klientel zum Beispiel aus Russland oder den Golfstaaten erwartet etwas mehr Komfort als die doch eher „normal“ eingerichteten Zimmer in den jetzigen Häusern auf der Sartorius-Insel bieten.

Am kommenden Donnerstag steht nun im Bauausschuss des Hersbrucker Stadtrats die nächste Beratung zum Thema PsoriSol-Entwicklung an. Die Maßnahmen, um möglichst rasch „grünes Licht“ für die Errichtung des Riesengebäudes geben zu können, laufen schon seit Monaten.

Stadt und Betreibergesellschaft sehen als einzige Möglichkeit für eine Vergrößerung der PsoriSol nahe dem Hauptstandort eine Fläche in der sogenannten „Lützelau“ hinter der TV 1861 Hersbruck-Halle. Allerdings wird nur eine Fläche Bauland, die übrigen Grundstücke dort sollen Gärten bleiben.

In der Mai-Sitzung hatte das Gremium die Durchführung der Öffentlichkeitsbeteiligung, die bei der Aufstellung eines Bebauungsplans vorgeschrieben ist, beschlossen. Die Eigentümer der Gärten auf der Turnhalleninsel haben diese Form der Mitwirkung rege genutzt und lange Schriftsätze eingereicht — die meist mit Worten wie „Einspruch“ oder „Beschwerde“ beginnen.

Zwei der Anlieger hatten schon bei Bekanntwerden des PsoriSol-Vorhabens Bauvoranfragen für Wohnhäuser auf ihren angrenzenden Grundstücken gestellt, was aber abgelehnt wurde. Sie bemängeln nun die Bevorzugung des Klinikprojekts („beantrage einen gerechten Bebauungsplan“, „begünstigt einen Teil der Grundstückseigentümer auf Kosten anderer Eigentümer“).

Beide und auch andere Nachbarn wollen ferner keine „entschädigungslose Herabstufung“ ihrer Flächen hinnehmen und belegen diese Ansicht mit Normen aus dem Baugesetzbuch. Weitere Kritikpunkte von Anrainern sind die Stellplätze im Norden des neuen Klinikgebäudes samt Zufahrt, das Flachdach für den Komplex und die Wendesituation für Autos, denn die Insel ist eine Sackgasse. Mehrfach erfolgt der Hinweis auf den Hauptabwasserkanal unterhalb der Lützelau.

Außerdem wird eine Verschlechterung der Situation im Falle von Überschwemmungen befürchtet. Die zuständige Behörde hat in dieser Frage die Stadt Hersbruck lediglich auf die Beachtung der „Hochwasserfibel“ hingewiesen— das Schriftstück wird übrigens vom Bundesverkehrsministerium herausgegeben.

Während die meisten Einspruchsführer den Umweltschutz allenfalls pauschal erwähnen, listet eine Eigentümerin, die die Konzeption unverblümt einen „Gefälligkeitsplan“ nennt, ganz konkret auf der Turnhalleninsel lebende gefährdete oder geschützte Tier- und Pflanzenarten auf: Grauspecht, Braunkehlchen, Schneeglöckchen, Erdhummel, Goldene Acht Postillon (ein Schmetterling), Ritterwanze, Blindschleiche und viele mehr. Pikanterweise hat die Hersbrucker Ortsgruppe des Bund Naturschutz „keine grundsätzlichen Einwendungen“ geltend gemacht.

Weiter werden von den Nachbarn formelle Fehler beanstandet, wie zum Beispiel die Aufstellung des Bebauungsplans im beschleunigten Verfahren. Juristisch wichtig ist, ob die Lützelau als Außenbereich oder Innenbereich gilt — oder als „Außenbereich im Innenbereich“, so die Sicht der Stadt.

Ein „Nebenkriegsschauplatz“ in der ganzen Debatte stellt ein etwa 120 Jahre alter Pavillon aus Sandstein und Rosenberger Backsteinen dar. Von dem Rondell steht auf der Flurnummer des PsoriSol-Neubaus — allerdings neben dem geplanten Gebäude — nur mehr eine Ruine. Die Anwohner fordern von dem Klinik-Betreiber den originalgetreuen Wiederaufbau des einstigen Schmuckstücks.

In der Juli-Sitzung des Hersbrucker Bauausschusses war Tagesordnungspunkt „Bebauungsplan Nr. 58 Lützelau/ Turnhalleninsel“ ohne Aussprache vertagt worden, um der Verwaltung und den Mitgliedern Zeit zu geben, sich in die Thematik einzuarbeiten. Bürgermeister Robert Ilg wollte zudem noch Gespräche mit den Beteiligten führen. In der Donnerstagssitzung ist kein Satzungsbeschluss vorgesehen. Offenbar erfolgte eine Planänderung, die eine erneute Durchführung der Öffentlichkeitsbeteiligung nach sich zieht.

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