Flüchtlinge in Happurg

Herausforderung

Stephan Krimm und Thomas Schmidt (rechts) vor den Häusern.2015/08/Unbenannt.jpg

HAPPURG – Die Menschen, die derzeit in großer Zahl vor Krieg, Tod und Elend flüchten, brauchen ein Zuhause. Sie brauchen sichere vier Wände, Intimsphäre, Schutz, Menschenwürde. Das bedeutet für die Gemeinden schnelles Handeln – wie derzeit in Happurg. Am Mittwoch erhielt der Zweite Bürgermeister Thomas Schmidt einen Anruf vom Laufer Landratsamt: Die vier leerstehenden Häuser in der ehemaligen eon-Wasserkraft-Werkssiedlung sind angemietet – und bereits ab Montag nächster Woche könnten sie nach und nach mit insgesamt 140 Flüchtlingen belegt werden. Einige Happurger fühlen sich überfordert, was sich auch in Kommentaren des Facebook-Auftritts der HZ zeigte.

Happurg selbst hat – ohne die Ortsteile – 1744 Einwohner. Im Ort leben bereits 40 Asylbewerber, „ohne Probleme“, wie Thomas Schmidt betont. Das auch dank des Unterstützerkreises, der sich um sie kümmert. Schmidt ist ein zupackender Mensch, den die Fernsehbilder zu den Übergriffen auf ein Flüchtlingsheim im Sächsischen Heidenau gruseln. Er sieht die Weltlage, sieht die Notwendigkeit zu helfen. Wie die Happurger selbst auch: „Die Stimmung hier ist positiv, was Flüchtlinge angeht – es wird gesehen, dass es sich um Menschen in Not handelt, die Hilfsbereitschaft ist enorm.“

Er sieht aber auch wie sein Verwaltungs-Chef Stephan Krimm die Herausforderung für seine Gemeinde. Derzeit ohnehin im personellen Engpass gilt es jetzt, die Bürokratie für 140 neue Bürger zu stemmen. So wissen sie derzeit beispielsweise noch nicht, wie viele Kinder neu hinzukommen werden. Zwar hat die Gemeinde Happurg drei Kindergärten, deren Aufnahmekapazität derzeit noch in Prüfung ist.

Auch was die Auszahlung des Geldes angeht, mit dem sich die Flüchtlinge Essen kaufen können, hat anfangs Sorgenfalten aufgeworfen. Stephan Krimm hat nach einigen Telefonaten eine Lösung gefunden: „Die Auszahlung übernimmt in den ersten Monaten die Kreiskasse. Sie übergibt das Geld dem Sicherheitsdienst, der zahlt es vor Ort den Menschen aus.“ So wird umgangen, dass sich lange Schlangen vor dem Rathaus bilden, außerdem werden Gemeindeangestellte entlastet. Dass die Flüchtlinge zum Einkaufen nur eine Bäckerei und eine Metzgerei vor Ort haben, empfindet Schmidt nicht als Problem: „Wir haben eine sehr gute S-Bahn-Anbindung.“

Den Vorwurf einiger Happurger, die Gemeinde habe zu langsam informiert, weist er von sich. „Am Mittwoch haben wir davon erfahren, am Donnerstag haben wir uns das Gelände mit dem Landratsamt angesehen, am Freitag haben wir es via Pressemitteilung veröffentlicht – es ging nicht schneller.“

Dass die Werkssiedlung ans Landratsamt vermietet wurde, hat also auch ihn überrascht. Gekauft hat die vier großen Wohnhäuser damals Thomas Freiherr von Tucher. Dieser hatte zunächst vor, die vier Gebäude abzureißen, um dort eine Bungalow-Siedlung zu errichten. Das aber scheiterte unter anderem am Widerstand anderer Anwohner, die um ihre ruhige Sackgasse fürchteten.

Die Vermietung der vier Häuser ans Landratsamt wird nicht die einzige Veränderung an diesem Grundstück bleiben. Der Freiherr hat einen Antrag zum Bau einer Villa am See am östlichen Teil des Grundstücks gestellt, der auch zwischenzeitlich genehmigt wurde. Die Häuser werden derzeit renoviert, unter anderem werden alte Badewannen herausgerissen. Zwischen den Handwerkerautos patrouilliert ein Sicherheitsdienst im Auftrag des Landratsamtes rund um die Uhr, auch die Polizei fährt jetzt schon verstärkt Streife – die Brandanschläge von Vorra und die rechtsradikalen Übergriffe auf andere Asylbewerberheime oder fremdenfeindliche Äußerungen im Internet machen dies notwendig.

Die Gemeinde Happurg sieht sich auch deshalb genötigt, zur Informationsveranstaltung am Montag, 31. August, ausschließlich Happurger, bzw. Bewohner der 14 Ortsteile zuzulassen. „Da wir befürchten müssen, dass sich Rechtsradikale unter die Besucher mischen könnten“, erklärt Krimm.

An diesem Montagabend wird ab 19 Uhr in der Aula der Happurger Schule Bürgermeister Bernd Bogner die Diskussionen moderieren. Fragen der Bürger werden von Experten des Landratsamtes Lauf beantwortet. Die Happurger Bürger möchten bitte wegen der Einlasskontrolle ihre Ausweise mitbringen.

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