Verbindungen auch ins Hersbrucker Umland

Helmut Schmidt tot: Weggefährten erinnern sich

Helmut Schmidt mit Herbert Hofmann damals in der Kainsbacher Mühle.2015/11/schmidt_plattmeier1.jpg

HERSBRUCK/HAPPURG – Helmut Schmidt ist gestorben. Die Nachricht vom Tod des Alt-Bundeskanzlers lässt kaum jemanden unberührt. Vor allem nicht die, die ihn einst kennengelernt haben. So wie beispielsweise Hersbrucks Alt-Bürgermeister Wolfgang Plattmeier oder der frühere SPD-Kreisvorsitzende Herbert Hofmann.

Vor über 25 Jahren wurde in Kainsbach die Georg-Kurlbaum-Stiftung gegründet. Als das Ehepaar Georg und Lucie Kurlbaum – er SPD-Abgeordneter für den Wahlkreis Schwabach, sie ebenfalls Bundestagsabgeordnete – die „Gesellschaft für Wirtschaft und Politik“ damals ins Leben riefen, kam der Altkanzler persönlich. Er war Gründungsmitglied und wurde sofort zum Ehrenmitglied ernannt. Der damalige SPD-Kreisvorsitzende Herbert Hofmann erinnert sich: „Das war natürlich sehr aufregend, es war das erste Mal, dass Schmidt bei uns war. In seinem Vortrag bewertete er die Weltwirtschaft und die Anstrengungen, um die Welt friedlich zu machen. Er hatte damals schon große Sorge, wie sich Europa enwickeln wird – er hat etwas pessimistisch in die Zukunft gesehen.“

Hofmann, Vorsitzender der Kurlbaumstiftung, hat Helmut Schmidt einige Male persönlich beim Ehepaar Kurlbaum erlebt. Georg Kurlbaum aus Schwaig trat 1949 in den Bundestag ein, Schmidt folgte 1953. „Die beiden waren eng befreundet. Schmidt hat sich ein wenig an Kurlbaum in seiner Startphase im Bundestag angelehnt.“ Zu viert saßen sie oft in Schwaig zusammen, „er war eine unheimlich starke, beeindruckende Persönlichkeit – auch dominierend im Gespräch.“

Was Hofmann noch heute beeindruckt: Auch wenn Schmidt längst ganz oben war, so hat er sich doch immer für die Politik auf Kreistagsebene – oder darunter – interessiert. Hofmann: „Er wird fehlen. Er war ein Vorbild für die Politik schlechthin.“ Das allerdings wollte Schmidt nie sein: „Das ist eine Rolle, die mir nicht gefällt“, sagte der Hamburger Ehrenbürger unlängst bei der „Langen Nacht der „Zeit“.

Hersbrucks Alt-Bürgermeister Wolfgang Plattmeier war einst persönlicher Referent von Bundesbauminister Dieter Haack (1978-82). „Im Rahmen dieser Aufgabe habe ich Schmidt mehrfach getroffen“, erinnert er sich. Eine Begegnung ist ihm nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Haag durfte mit dem Bundeskanzler nach Berlin fliegen, um dort Hans Jochen Vogel Anfang der 1980er bei seinem Wahlkampf um den Posten des Regierenden Bürgermeisters von Berlin zu unterstützen. An Haags Seite: Wolfgang Plattmeier. „Dann saßen wir vis a vis dem Bundeskanzler gegenüber und nach einem Vorgeplänkel beugte sich Schmidt zu mir und frage: ,Wer bist du denn?’“ Noch ehe Plattmeier aufs Genossen-Du antworten konnte, schaltete sich Haag ein, erklärte, Plattmeier sei sein persönlicher Referent. Schmidt: „Und reden kann er wohl nicht?“ Plattmeier muss heute noch schmunzeln.

Dann erzählte der Hersbrucker dem Kanzler von seinem Studium als Diplom Volkswirt „Und nach einer Minute holte Schmidt Luft und sagte: Dann erzähl ich dir mal was.“ Was dann folgte, sei für ihn „ein Highlight“ gewesen, „eine Vorlesung vom Kanzler“. Schmidt erzählte Plattmeier seine Einschätzung zur damaligen Wirtschaftslage. „So etwas habe ich nie wieder erfahren dürfen“, sagt Plattmeier heute.

Dass der „Macher und Entscheider“, so Plattmeier, auch im Alter versuchte, immer auf dem Laufenden zu bleiben, imponiert ihm. Und dass der „Riesenfundus“ an Wissen durch den Tod von Helmut Schmidt nicht mehr abgefragt werden kann“, bedauert er.

 

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