„Muss erst ein Kind zu Tode kommen?“

Gefährliche Kreuzung: Unterhaidelbachern reicht’s

Eine Anwohnerin aus Unterhaidelbach versucht mit drei Kindern, die unübersichtliche Kreuzung im Ort zu überqueren. Für Maxi (links) und seine Schwester Emilia (rechts) gehört dieses Szenario zu ihrem täglichen Schulweg. Foto: Kappes2015/04/unterhaidelbach_gefaehrliche_kreuzung_mutter_mit_kiindern.jpg

LEINBURG – Die Anwohner im Leinburger Ortsteil Unterhaidelbach haben immer wieder auf die  gefährliche Verkehrssituation im Ort hingewiesen, zuletzt im Sommer 2013. Verbessert hat sich seitdem ihrer Meinung nach fast nichts.

Immer wieder ruft die Mutter ihren Kindern zu, zu warten. Immer wieder blickt sie von rechts nach links die Staatsstraße entlang. Die Kette an Autos und Lkw mag nicht reißen. Bis zu 550 Fahrzeuge fahren nach einer Zählung des Landratsamtes stündlich hier vorbei. Erst nach vielen Minuten gibt die Mutter das Signal: Sie und drei Kinder laufen hastig über die Fahrbahnen.

Diese Strecke ist der tägliche Weg zum Schulbus auf der anderen Ortsseite für den siebenjährigen Maxi. Er traut sich nicht allein über die Fahrbahn, seine Mutter lässt ihn auch gar nicht. Sie hat ebenfalls zu viel Angst, dass dem Erstklässer etwas passieren könnte. Zu schnell rasen für sie die Autos auf der Straße, die den Ort zerteilt. Auch Maxis Schwester Emilia (10) erzählt, dass sie beim Gassigehen lieber auf ihrer Seite des Ortes bleibt. Sie hält sich von der Kreuzung fern. Der Bus für die älteren Schulkinder hält an den Busbuchten an der Staatsstraße, auch hier müssen Jugendliche die Straße überqueren. Dazu kommen Radler, Spaziergänger und Anwohner jeglichen Alters.

Kreuzung kaum beleuchtet

Die Staatsstraße 2240 und die unübersichtliche Kreuzung beeinflussen das Leben der Unterhaidelbacher enorm: Der Verkehr wird stärker, der Ort wächst. Immer mehr Anwohner sind der Gefahr durch immer mehr Fahrzeuge ausgesetzt. „Muss erst ein Kind zu Tode kommen, damit die zuständigen Behörden tätig werden?“, fragte kürzlich eine Unterhaidelbacherin in einem Leserbrief an unsere Zeitung.

Das Tempolimit von 70 km/h ist zwar mittlerweile ausgeweitet worden, doch das genügt den Anwohnern nicht. Derzeit verteilen einige Bürger Handzettel im Ort. Ihre Liste an Mängeln und Forderungen ist lang.

– das Tempolimit von 70 km/h ist den Unterhaidelbachern zu hoch. Sie fordern eine Beschränkung auf 50 km/h. Ein gelbes Ortsschild soll Unterhaidelbach zu einer geschlossenen Ortschaft machen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung soll die Kreuzung sicherer machen und den Lärm durch vorbeifahrende Fahrzeug senken.

– das Überqueren soll durch eine Ampel sicherer werden

– die Bushaltestellen, die sich bislang an der Staatsstraße befinden, sollen in den Ort verlegt werden

– die Kreuzung wird lediglich durch eine Straßenlaterne ausgeleuchtet. Zu wenig für Schulkinder, die im Winter im Dunkel die Straße queren müssen, finden die Anwohner.

„Besonders enttäuscht sind wir von der Gemeinde, die uns nicht ausreichend bei den überörtlichen Behörden unterstützt,“ sagen Eleonore Horny und Brigitte Fürst, Anwohnerinnen und Initiatorinnen der Handzettel.

Pläne für die Kreuzung liegen seit zwei Jahren in der Schublade. Bei einem runden Tisch hatten Anwohner, Bürgermeister Joachim Lang, Vertreter der Polizei, des Landratsamtes und der Staatlichen Bauamts darüber geredet, wie die Kreuzung sicherer werden kann. Die Pläne sehen eine Ampel vor. Doch dafür braucht es mehr Platz – Grund den ein Anwohner nicht verkaufen will. Seitdem stehen die Maßnahmen still.

Bushaltestellen in den Ort verlegen

Auf Nachfrage beim staatlichen Bauamt in Nürnberg heißt es, dass es einen alternativen Plan gibt: Die Bushaltestellen an der Staatsstraße werden in den Ort verlegt. Dann ist auch ohne den Grund des Anwohners genügend Platz für eine Ampelanlage.  „Das ist für uns die beste Variante“, sagt Katja Jäger, Gebietsinspektorin für das Nürnberger Land. Realisierbar wäre das Ganze im Jahr 2016. Das staatliche Bauamt würde die Arbeiten gern mit dem Bau des Radwegs von Winn nach Leinburg zusammenlegen. Auch hier weigert sich der Anwohner, Fläche abzutreten. Doch auch hier ist eine Planung ohne Grunderwerb möglich.

Dass Unterhaidelbach zu einer geschlossenen Ortschaft wird, ist für Jäger unwahrscheinlich. Dazu muss erkennbar sein, dass es sich um einen geschlossenen Ort handelt, etwa durch beidseitge Bebauung entlang der Straße.

Für Leinburgs Bürgermeister Joachim Lang steht hingegen fest: Die Sicherheit der Kinder hat oberste Priorität. Auch er ist von den Planungen überzeugt. Anfang Mai soll das Thema das bei einem Treffen mit dem staatlichen Bauamt noch einmal auf den Tisch gebracht werden. Auf den Anwohner, der sich bislang bei den Planungen quer stellt, will Lang in den nächsten Wochen nochmals zugehen.

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