Autobahnlärm

Fischbacher fordern Tempolimit

Ohne großen Kostenaufwand könnte das Tempolimit umgestzt werden, sagen die Sprecher der Fischbacher Bürgerinitiative. An den Schilderbrücken müsste nur Tempo 80 statt der bisher erlaubten 120 angezeigt werden. | Foto: Blinten2018/06/Fischbach-Tempolimit.jpg

FISCHBACH – Dass die Fischbacher Bürgerinitiative für besseren Lärmschutz an der A 9 Ruhe gibt, seit Minister Joachim Herrmann im Frühjahr vor Ort war, ist ein Gerücht. Die Aktivisten um Wolfgang Duffner und Thomas Hausner kämpfen weiter. Konkret heißt das: Sie schreiben Briefe an den Bundesverkehrsminister, die Bundesumweltministerin, an Abgeordnete und Bürgermeister. Und sie laden regelmäßig zu Info-Veranstaltungen ein, auf denen sie Fischbacher Bürger auf dem Laufenden halten.

Beim aktuellen Stand der Dinge gibt es die gute und die schlechte Nachricht. Gut für die lärmgeplagten Fischbacher ist, dass über eine Strecke von etwa 1,7 Kilometern entlang der A 9 eine zehn Meter hohe Lärmschutzwand gebaut wird. Schlecht aus Fischbacher Sicht: Vor 2026 wird die Wand nicht stehen. So viel Zeit wird vergehen, bis sämtliche planungsrechtlichen Hürden für die Baumaßnahme genommen sind. Enttäuschend für die Bürger in Fischbach, die sich nach dem Ortstermin mit Innenminister Herrmann im Februar so große Hoffnungen gemacht hatten. Dabei hatte Herrmann zugesagt, sich für einen forcierten Ausbau des Zulaufs zum Autobahnkreuz Nürnberg Ost auf vier Spuren stark zu machen. Dieser Ausbau bedingt dann den zusätzlichen Lärmschutz.
„Das Gespräch mit Herrmann war konstruktiv“, betont Duffner deshalb. Seinerzeit waren er und seine Mitstreiter davon ausgegangen, dass Autobahnausbau und Lärmschutzbau parallel erfolgen würden. In einem mehrseitigen Schreiben zwei Monate nach dem Ortstermin in Fischbach erläuterte Herrmann dann allerdings, dass für den Lärmschutz ein eigenes Planfeststellungsverfahren nötig ist. Möglicherweise könnte das ganze auch über ein Bebauungsplanverfahren der Stadt Nürnberg abgewickelt werden. Herrmann hat jedenfalls seine inzwischen zuständige Kollegin Ilse Aigner gebeten, möglichst schnell einen Planungsauftrag zu erteilen.

Hoffnung hat sich zerschlagen

„Unsere Hoffnung auf eine relativ schnelle Lösung hat sich also zerschlagen“, kommentiert Duffner und kann nur auf einen Teilerfolg verweisen, den die BI beim Ortstermin mit Herrmann erreichen konnte. Immerhin hat der Minister nämlich den vorgezogenen achtspurigen Ausbau angestoßen, der die zehn Meter hohe Lärmschutzwand erst bedingt.
Trotzdem: Jetzt noch einmal acht Jahre warten, bis es zu einer deutlichen Verbesserung beim Lärmschutz kommt, das wollen die Fischbacher nicht. Sie machen den Vorschlag, mit einer Geschwindigkeitsreduzierung auf der A 9 im Fischbacher Bereich auf Tempo 80 auch den Lärm deutlich zu reduzieren. Erreichen könnte man das ganze, darauf weisen Duffner und Hausner hin, ohne jeglichen Kostenaufwand. An den bestehenden Schilderbrücken müsste nur Tempo 80 angezeigt werden. Für BI-Sprecher Duffner ist nicht nachvollziehbar, dass die Bürgerinitiative bislang mit ihrem Vorschlag zur Geschwindigkeitsreduzierung überall auf Ablehnung stößt. „Eine mehrmonatige Probephase wäre gut“, sagt er, eine Phase, während der auch die Lärmwerte gemessen werden sollten. Auf anderen Autobahnabschnitten in der Nähe von Wohnbebauung gebe es doch auch Tempo-Limits. Also warum nicht in Fischbach? Eine Tempo-80-Regelung wäre aus Sicht der Bürgerinitiative die perfekte Übergangslösung, bis in einigen Jahren die zehn Meter hohe Lärmschutzwand steht.

Tempo 80 kommt mit Ausbau

Tempo 80 auf der A 9 bei Fischbach kommt freilich sowieso, ab 2019 nämlich, wenn mit dem Ausbau des dortigen Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost begonnen wird. Herrmann versichert den Fischbachern, dass die baustellenbedingte Geschwindigkeitsbegrenzung andauern soll, bis die neuen Zehn-Meter-Lärmschutzwände stehen. Klingt ja gar nicht schlecht, die Fischbacher sind sich aber nicht sicher, wie es am Ende ausgehen wird. Von den örtlichen Politikern jedenfalls sieht sich die BI im Stich gelassen, wobei Duffner und Hausner Innenminister Herrmann ausdrücklich nicht in diese Kritik einbeziehen. Von vielen Seiten habe es Zusagen zur Unterstützung gegeben. Passiert sei aber nichts. „Die nehmen uns nicht ernst“, sagt Hausner.
Dabei gibt es allen Grund, die Klagen der A-9-Anwohner ernst zu nehmen. Seit dem Bau des über 300 Meter bestehenden Lärmschutzes an der Autobahn bei Fischbach Anfang der 80er Jahre hat sich der dortige Pkw- und Lkw-Verkehr fast verdoppelt – von 65 000 Fahrzeugen pro Tag auf heute 110 000 Fahrzeuge. Mehr Autos und mehr Laster bedeuten auch mehr Lärm. Die Grenzwerte für die Belastung stammen aus dem Jahr 1990. „Sie entsprechen aber nicht mehr den neuesten Erkenntnissen über die Auswirkungen von Lärm“, kritisiert Duffner. Es sei einfach nicht zu verstehen, dass bei der deutlichen Verkehrszunahme während der vergangenen Jahre die Grenzwerte laut Autobahndirektion nicht überschritten werden.
Immerhin soll in einem ersten Schritt die bestehende Wand um rund drei Meter auf sechs Meter erhöht werden – für die lärmgeplagten Fischbacher ist das aber nicht mehr als ein Trostpflaster. Die Gesamtkosten für eine 1,7 Kilometer lange Wand entlang der A 9 bei Fischbach liegen irgendwo zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro. Das sei aber vertretbar bei einer Gesamtsumme von 70 Millionen Euro, die der Autobahnausbau kostet, sagt die Bürgerinititive. Weil es ja in erster Linie um die Gesundheit der Menschen gehe.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten