TÜV für zwei Tierheime

Gruppenbild nach dem Rundgang durchs Feuchter Tierheim: (vordere Reihe von links) Ingrid Medritzky, Mitarbeiterin im Tierheim Feucht (Assistentin der Vereinsführung), Marion Friedl, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Bayern, Dr. Caroline Hartmann, Fachreferentin/Tierheimbetreuung des Deutschen Tierschutzbundes, Claudia Schuster, Schatzmeisterin des Tierheims Feucht, (hinten) Martina Hönig, 1. Vorsitzende des Hersbrucker Tierheims, Herbert Sauerer, 1. Vorsitzender des Tierheims Feucht, Ulrike Lang, 2. Vorsitzende des Tierheims Feucht, und Dr. Alois Bollwein, Vertragstierarzt des Tierheims Feucht.2012/05/tierheimzertifizierung_New_1336653721.jpg

FEUCHT/HERSBRUCK – Der hohe Besuch nahm sich viel Zeit und besichtigte das Feuchter und das Hersbrucker Tierheim sehr gründlich: Dr. Caroline Hartmann schaute sich alle Räumlichkeiten an, informierte sich über Arbeitsabläufe, die Qualifikation des Personals und vieles mehr. Der Anlass: Die Leitungen beider Einrichtungen hatten sich um die Qualitätsplakette „Geprüftes Tierheim des Deutschen Tierschutzbundes“ beworben.

Die Veterinärin besucht mit einer Kollegin im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes die über 500 Tierheime in der Bundesrepublik. Hartmann ist vor allem im süddeutschen Raum unterwegs. Diese Besuche sind Bestandteil der seit 2010 laufenden Kampagne „Rettet die Tierheime“, mit der unter anderem auf die finanziell immer schwierigere Lage der Tierschutz-Einrichtungen aufmerksam gemacht werden soll.

Die Expertin prüft vor Ort, wie gut es den Tieren geht, untersucht Tiergesundheit und Hygienestandards sowie die Struktur der Tierheime. Ziel ist es, alle Einrichtungen in Deutschland perspektivisch mit der „Tierheim-Plakette“ auszuzeichnen. Sie belegt, dass hier vorbildlich und professionell gemäß der Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes gearbeitet wird.

„Wir haben ein paar wertvolle Anregungen von ihr bekommen“, stellt Herbert Sauerer fest. Sechs Jahre ist er 1. Vorsitzender des Feuchter Tierheims. „Da wird man irgendwann mal betriebsblind. Daher ist es gut, wenn sich jemand Anderes mal die Abläufe anschaut.“

Das Urteil Hartmanns fiel positiv aus, ein paar Verbesserungsvorschläge hatte sie aber durchaus. So vermisst sie eine Außenvoliere für Vögel und eine separate Krankenstation. „Wir haben einen Bereich, der auch als Quarantäne-Station genutzt wird – aber eben nicht ausschließlich“, informiert Sauerer dazu. Bei der Erweiterung der Einrichtung hatte man aus Kostengründen darauf geachtet, Räume möglichst mehrfach zu nutzen. Für den Kleintierbereich empfahl Hartmann erhöhte Liegemöglichkeiten im den Freiläufen.

Auch diesen Vorschlag wird man intern prüfen, versprach Sauerer. Für Neuerungen muss allerdings ausreichend Platz und Geld vorhanden sein. „Die Krankenstation wäre ein Wunsch von uns allen“, erzählt er. Jedoch muss nicht nur der Bau finanziert werden. Damit verbunden sind auch höhere Betriebskosten, mehr Personal und eine geänderte tierschutzärztliche Betreuung.

Das Feuchter Tierheim besteht seit mehr als 50 Jahren. Lob bekam das Leitungsteam für die Einrichtung des Katzenhauses, die vergangenes Jahr erneuert worden war. Sehr tiergerecht und dabei gut zu desinfizieren, lautete das Urteil der Spezialistin. Sehr positiv bewertete sie die Organisation der Gassigeher. Die ausliegende Versicherungsliste, auf der festgehalten wird, wer mit welchem Hund wann spazieren gegangen ist, hält Hartmann für beispielgebend. Darüber soll in der Zeitschrift des Deutschen Tierschutzbundes berichtet werden.

Erst im Oktober 2008 war das Hersbrucker Tierheim eröffnet worden. Hier beinhaltete der dreieinhalbstündige Rundgang auch das „Sorgenkind“, die Kleintieranlage. Sie musste stillgelegt werden, weil man die Sonneneinstrahlung unterschätzt hatte und der Greifvogelschutz fehlt. Dass hier Handlungsbedarf besteht, war den Verantwortlichen natürlich bewusst. Sie bekamen dazu von der Prüferin viele wertvolle Tipps und Anregungen.

Dies gilt auch für ausklappbare Erhöhungen im Hundebereich, die praktisch und leicht zu reinigen sind. Dr. Hartmann wird hilfreiche Fotos aus anderen Einrichtungen schicken, Martina Hönig, 1. Vorsitzende des Hersbrucker Tierheims, will die Umsetzung mit einem Handwerker besprechen.

Sie hofft mit dieser Prüfung der Einrichtung auch ein Umdenken in der Bevölkerung anzustoßen. „Wir haben keine trostlosen Zwingeranlagen. Bei uns steht das Wohlbefinden der Tiere im Fokus.“ Die Qualitätsplakette soll ein Beleg dafür sein. Die Einstellung, dass man die Hunde, Katzen, Hasen & Co. aus den Tierheimen „retten“ muss, sei veraltet.

Hartmann hat von ihren Besichtigungen in Feucht und Hersbruck gründliche Listen erstellt, die auch die Einrichtungen bekommen. Über einen längeren Zeitraum hinweg wird der Deutsche Tierschutzbund verfolgen, ob und wie die Anregungen umgesetzt werden. Schon in einigen Wochen erwarten Herbert Sauerer und Martina Hönig die Plaketten, denn das Urteil der Expertin fiel für beide Tierheime insgesamt sehr positiv aus.

Die Tierärztin wurde von Marion Friedl (Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern) und Wolfgang Friedl (Präsidiumsmitglied im Landesverband) begleitet. Für das Ehepaar war es in Hersbruck eine Premiere, denn die noch junge Einrichtung kannten beide bis dahin nur von Plänen.

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