Friseure haben wieder geöffnet

Locken down

Einer der ersten auf dem Friseurstuhl: Unser Freier Mitarbeiter Herbert Bauer. | Foto: privat2021/03/Feucht-Bauer-Friseur-online-scaled.jpg

FEUCHT – Noch immer warten Feuchter Friseure auf staatliche Hilfen. Entsprechend groß ist die Erleichterung, endlich öffnen und der gewohnten Arbeit nachgehen zu dürfen.

Seit 6.30 Uhr steht Eugenio Morrone am Montag schon in seinem Friseursalon. 21 Kunden wird er bis spät abends die Haare geschnitten haben. Insgesamt 51 Damen und Herren werden am ersten Tag der Öffnung der Friseure von Antonella, Eugenio und ihrem Team frisiert.

„Eigentlich haben wir montags geschlossen – aber für unsere Kunden legen wir Extraschichten ein“, erzählt mir Antonella. Dass ich drei Jahre lang ihr Klassenlehrer war, hat nichts damit zu tun, dass ich gleich am ersten Tag in der Mittagszeit einen Termin erhalten habe. Ich hatte einfach angerufen, als die Wiederöffnung angekündigt wurde – und Antonella hat in der Reihenfolge der Anrufe zurückgerufen und die Termine vergeben.

„Wir waren elf Wochen ohne Arbeit und von den versprochenen Hilfen ist noch nichts bei uns angekommen“, erklärt sie mir. Sie haben die Zwischenzeit für kleinere Reparatur- und Verschönerungsarbeiten genutzt und sind nun froh, wieder öffnen zu können. „Diese und nächste Woche sind wir schon gut ausgebucht.“ Ob auch weiterhin Extraschichten am Montag nötig sind, will ich wissen. „Schau’n mer mal“, meint Eugenio im besten Fränkisch – im Sinne der Kunden ist das Team dazu bereit. Und ich gebe zu: Noch nie habe ich mich so auf das Klappern der Schere und das Surren der Haarschneidemaschine gefreut. Schulterlang wie vor 40 Jahren sind meine Haare zwar nicht mehr, aber total aus der Form gekommen.

Ein paar Meter weiter herrscht auch bei Olaf Krebs reger Betrieb. Schon vor Wochen erhielt der Friseurmeister eine Mail von einem Kunden, der inbrünstig darum bat, der erste sein zu dürfen, wenn die Corona-Regeln gelockert werden. Dem Mann konnte am Montag geholfen werden. Um 7.30 Uhr saß der erste Kunde bei Mitarbeiterin Daniela und um 8 Uhr der zweite bei Olaf Krebs im Salon. „Ich bin so glücklich, dass ich wieder meine Kunden sehe, mit meinem Team zusammenarbeiten und die Menschen glücklich machen kann“, sagt der Friseur. Ihm gehe das Herz auf, wenn sich Frauen und Männer nach dem Friseurbesuch wohlfühlen und wieder gerne in den Spiegel schauen.

Filmen statt färben

Die 75 Tage Lockdown, die hinter Olaf Krebs, Julia Göring-Krebs und ihren Teams liegen, waren hart. Keine Kunden, kein Einkommen, keine Perspektive. „Wir haben aber nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern versucht, das Beste daraus zu machen“, erinnern sich die Friseurmeister. Das Beste, das möglich war, war den Kontakt zu den Mitarbeitern zu halten, die sich in Kurzarbeit befanden, und das Interesse am Job zu befeuern. „Wir haben angefangen Videos zu produzieren und uns per Videokonferenz über Schnitttechniken, Frühjahrstends und Pflegeprodukte ausgetauscht.“ Das lief so gut, dass sie zusammen auch auf einer bundesweiten Plattform für Friseure als Trainer mitarbeiteten.


40 Prozent weniger Umsatz

Die Erfolge konnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Existenzangst für viele, die selbstständig arbeiten, ein ständiger Begleiter im Lockdown war. „Wir hatten Glück und stießen bei unseren Banken auf viel Verständnis“, sagt Olaf Krebs. Wären sie alleine auf die Hilfen der Bundesregierung angewiesen gewesen, dann hätte sie wahrscheinlich schon längst der Mut verlassen. Von den viel zitierten Unterstützungen ist bis heute nichts angekommen. Die beiden Unternehmer beziffern den Umsatzverlust im Jahr 2020 auf rund 40 Prozent. Auch für 2021 sei von mindestens 37 Prozent auszugehen, da ja nur 8,5 Wertschöpfungsmonate für zwölf Lohnzahlungsmonate zu Verfügung stehen. Das sei mit dem Verkauf von Pflegeprodukten über Click & Collect nicht aufzufangen.

Nein, lebensnotwendig ist der Gang zum Friseur nicht, aber dass er nun wieder möglich ist, gehört zu einem lebenswerten Leben – und für die Friseure ist die Öffnung existentiell. „Einen dritten Lockdown würden wir nicht überstehen“, sind sich Antonella und Eugenio einig. Das sieht auch die Kundin so, die mit mir gerade im Salon ist und fügt hinzu: „Die Beschränkungen dauern mittlerweile zu lang – was soll denn beim Friseur groß im Sinne von Ansteckung passieren?“

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