Innenminister und LBT-Präsident schlossen Sicherheitspartnerschaft

Lkw-Fahrer sollen die Polizei unterstützen

LBT-Präsident Hans Wormser (Mitte) und Innenminister Herrmann (r.) unterzeichneten den Vertrag zur Sicherheitspartnerschaft, links Polizeivizepräsident Roman Fertinger. | Foto: Blinten2016/11/Sicherheitspartnerschaft_fb.jpg

FEUCHT – Eigentlich ist es ja eine Selbstverständlichkeit, dass Lkw-Fahrer sofort die Polizei alarmieren, wenn sie beobachten, dass auf Raststätten oder Parkplätzen Straftaten begangen werden. In der Vergangenheit konnten durch Hinweise von Fernfahrern wiederholt Täter dingfest gemacht werden, vor wenigen Tagen erst eine Planenschlitzer-Bande, die in ganz Süddeutschland die Abdeckungen von Sattelschleppern aufgeschnitten und die Auflieger dann ausgeräumt hatte (wir berichteten). Der Landesverband der Bayerischen Transport und Logistikunternehmen (LBT) will aber noch enger mit der Polizei zusammenarbeiten.LBT-Präsident Hans Wormser und Innenminister Joachim Herrmann haben in Feucht eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Anlass für die neue Sicherheitspartnerschaft, erläuterte Wormser, waren für seinen Verband die Anschläge von Paris und die Terror-Attacke von Nizza, wo der Täter einen Lkw als Waffe benutzte. „Sicherheit geht uns alle an“, so Wormser. „Wir wollen unsere Fahrer sensibilisieren, umgehend Auffälligkeiten an die Polizei zu melden.“

Infos bei Fahndungen

Gefahrenabwehr ist ein Stichwort bei der neuen Sicherheitspartnerschaft zwischen Polizei und Transportgewerbe, die ab sofort regelmäßig Informationen zur Sicherheitslage austauschen. Lkw-Fahrer werden beispielsweise umgehend informiert, wenn aktuelle Öffentlichkeitsfahndungen laufen. Dazu richten Polizei und LBT jetzt eine zentrale Informations- und Ansprechstelle ein.

Dass die Fahrer ab sofort als Hobby-Polizisten eingesetzt werden, weist Herrmann zurück. Es gehe der Polizei in erster Linie um Hinweise zur Aufklärung von Straftaten. „Darauf sind wir dringend angewiesen“, betonte Polizeivizepräsident Roman Fertinger. Tatsächlich können über 90 Prozent aller Kriminalfälle nur durch Tipps aus der Bevölkerung geklärt werden. Deshalb Wormsers Schluss: Sein Verband wolle keine Fahrer als Hilfssheriffs, sondern Sicherheit und Ordnung. Für die Fahrer, das betonte der Verbandspräsident, stehe bei der Beobachtung und Meldung von Straftaten die eigene Sicherheit im Vordergrund: „Niemand soll sich im Rahmen unserer gemeinsamen Aktion zum Helden oder auch nur zu einer Hilfsperson der Polizei machen.“

Die Sicherheit wird nach Überzeugung Herrmanns durch die neue Zusammenarbeit von Polizei und Transportunternehmen gestärkt. Bayern ist ein wichtiges Transitland in Europa, das von vielen reisenden Straftätern durchquert wird. Fernfahrer sind auf Autobahnen unterwegs, machen Beobachtungen an Rastanlagen und Autohöfen ebenso wie in Industriegebieten und an Umschlagterminals. Hinweise auf Verdächtige können dabei ausschlaggebend für polizeilichen Erfolg sein, so Herrmann. Hoheitliche Aufgaben wie die Festnahme von Straftätern sollen dabei natürlich der Polizei vorbehalten bleiben.

Weil Transportunternehmen immer wieder von Dieben und Pannenschlitzern geschädigt werden, berät die Polizei die LBT-Unternehmen in Sachen Sicherheitsprävention. „Vor allem geht es uns darum, wie sich Transportunternehmer und Fahrer am besten vor Kriminellen schützen.“ Allein in Mittelfranken registrierte die Polizei in diesem Jahr bereits 133 Fälle von aufgeschlitzten Lkw-Planen und Diebstählen von Ladung.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten