Bannwaldbündnis reagiert erleichtert

FEUCHT – Große Freude beim Bannwaldbündnis Feucht-Wendelstein und beim Bund Naturschutz: Die so genannte Südanbindung zum Gewerbegebiet Nürnberg-Feucht-Wendelstein (GNF) durch den Reichswald ist wohl Geschichte. Sie hätte acht Hektar Wald auf Wendelsteiner und Feuchter Gebiet gekostet und den Wald mit einer umzäunten Trasse durchschnitten.

Wie berichtet hat der Verbandsausschuss des GNF beschlossen, die Südanbindung „derzeit nicht weiter zu verfolgen“. Vor wenigen Tagen hatte der Bund Naturschutz in einer Liste des Staatlichen Bauamtes Nürnberg über Reichswald-Eingriffe in den letzten zwanzig Jahren entdeckt, dass das Landratsamt Nürnberger Land angegeben hatte: „Südanbindung GFNW an Zollhausstraße (St 2225) – nicht genehmigungsfähig“. Die Liste hatte das Staatliche Bauamt im Planfeststellungsverfahren zur Nordspange am Flughafen Nürnberg vorlegen müssen.

„Ich bin sehr glücklich, dass diese Planung nun vom Tisch ist. Wir haben mit dem geplanten Gewerbegebiet Moserbrücke bei Feucht, dem Ausbau der Staatsstraße Feucht-Penzenhofen und dem geplanten Lkw-Parkplatz an der A 6 bei Moosbach noch genug Reichswald-Eingriffe am Hals, die wir verhindern wollen“, so Eckhard Schulz, Sprecher des Bannwaldbündnisses und Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Feucht.

Stefan Pieger, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Wendelstein und ebenfalls Sprecher des Bannwaldbündnisses, jubelt: „Endlich haben wir es auch schwarz auf weiß. Wir wussten, dass die Regierung von Mittelfranken schon länger davon Abstand genommen hatte, nun hat sich offenbar die Vernunft auch beim Zweckverband durchgesetzt. Schön wäre es, wenn sich auch der Gemeinderat von Wendelstein davon verabschieden würde. Die Trasse war und ist unnötig, das Gewerbegebiet hat ja bereits einen Autobahnanschluss. Wendelstein bleibt damit von steigendem Durchgangsverkehr verschont.“

„Dieses war der erste Streich“, gibt sich Heide Frobel, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land, optimistisch, auch weitere Eingriffe im Reichswald zu verhindern.

Bernd Michel von Regionalgruppe des Landesbundes für Vogelschutz Nürnberg/Fürth/Erlangen: „Der Nürnberger Reichswald ist als europäisches Vogelschutzgebiet zum Beispiel wegen seiner Specht-Vorkommen geschützt. Eingriffe wie die Südanbindung müssten gut begründet und alternativlos sein, sonst sind sie nicht genehmigungsfähig. Das wurde hier offenbar erkannt.“

Signal für Bannwaldschutz

„Der Bürgereinsatz war erfolgreich. Das Aus für die Südanbindung zum Gewerbegebiet Nürnberg-Feucht-Wendelstein ist ein gutes Signal für den Bannwaldschutz und motiviert die Bürgerinitiativen und uns auch für die Auseinandersetzungen wie um die Nordspange zum Flughafen oder die Südumfahrung Buckenhof-Uttenreuth-Weiher“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN.

Mit der geplanten Südanbindung sollte das bestehende interkommunale Gewerbegebiet Nürnberg-Feucht-Wendelstein eine zweite Autobahnanbindung zur A73 bekommen. Sie hätte mitten durch den Sebalder Reichswald geführt und ihn ein weiteres Mal zerschnitten. Hintergrund war der Wunsch der Spedition Dachser nach günstigeren Bedingungen für ihre Logistik und der Wunsch des Marktes Wendelstein nach einer direkt von Wendelstein zum Gewerbegebiet führenden Straße. Ein Verkehrsgutachter hatte nachgewiesen, dass kein Bedarf für diese Verbindung besteht, sie im GNF sogar für mehr Verkehr sorgen würde.

Da die Trasse durch das Gebiet der ehemaligen Muna Feucht geführt hätte, hätte die Straße auf gesamter Länge links und rechts eingezäunt werden müssen. Etwa acht Hektar hätten dafür gerodet werden müssen.

Seit Ende 2008 hatte sich Widerstand gegen die Planung geregt. Am 23. April 2009 wurde das Bannwaldbündniss Feucht gegründet, dem neben Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz auch der Verein Zeidelmuseum Feucht, die Freie Kindergruppe und eine Reihe Privatpersonen beitraten. Nachdem sich auch in Wendelstein Widerstand regte, wurde das Bündnis als Bannwaldbündnis Feucht-Wendelstein erweitert.

In der Vergangenheit hatte das Bannwaldbündnis Listen mit 938 Unterschriften gegen das Gewerbegebiet Moserbrücke und die Südanbindung an den Bürgermeister von Feucht, Konrad Rupprecht, den Bürgermeister von Wendelstein, Werner Langhans, den Regierungspräsidenten Dr. Thomas Bauer in Ansbach und den Landrat des Landkreises Nürnberger Land, Armin Kroder, überreicht und appelliert, die Reichswaldeingriffe nicht weiterzuverfolgen.

Die Bedrohung des Reichswaldes war seit den 70er Jahren nicht mehr so groß wie heute. Viele Projekte sind hoch umstritten, Umweltverbände und Bürgerinitiativen haben Alternativen vorgeschlagen. Dies betrifft unter anderem den Ausbau der Staatsstraße Feucht-Penzenhofen (Alternative: geringere Ausbaustandards), den sechsspurigen Ausbau der A6 (Alternative: Ausbau der Bahn) und Sandabbau auf diversen Flächen nach der derzeit laufenden Fortschreibung des Regionalplans Industrieregion Mittelfranken (Alternative: Baustoffrecycling). db

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