Tag des offenen Denkmals

Altes Haus, gepflegte Falten

Oben die jahrhundertealte Balken-Bohlendecke, seitlich das Fachwerkgebälk, und am Tisch ein Teil der Familie Wenzel mit Klaus-Dieter, Kirsten und der elfjährigen Jule. | Foto: Gisa Spandler2019/09/Feucht-Schlossbauernhof3.jpg

FEUCHT – Die jahrzehntelange Restaurierung des Schlossbauernhofs an der Pfinzingstraße neigt sich dem Ende entgegen. Am Sonntag präsentiert Familie Wenzel das Ergebnis der Öffentlichkeit.

Großzügige Räumlichkeiten, Licht, ein paradiesischer Garten: Der Schlossbauernhof überzeugt mit einem umwerfenden Wohnambiente. Ein Objekt, das seinesgleichen sucht, nicht nur in Feucht.

In mehr als zwei Jahrzehnten haben es die Besitzer, Kirsten und Klaus-Dieter Wenzel, seines Zeichens Architekt und visionärer Restaurator mit umfangreichen handwerklichen Talenten, runderneuert.

Mit viel Fingerspitzengefühl wurde auch im Innenbereich – hier die Wohnung von Kirsten Wenzels Mutter – das Fachwerk freigelegt und in den Originalfarben Gelb und Grau eingelassen. Foto: Gisa Spandler2019/09/Feucht-Schlossbauernhof2.jpg

Am Tag des Offenen Denkmals, 8. September, wird auch die Entstehungs- und Renovierungsgeschichte des charmanten alt-neuen Mehrfamilienhauses neben dem Oberth-Museum im Zentrum der Besichtigungen stehen. Der ehemalige Bürgermeister und Gemeinderat Hannes Schönfelder hat bei zahlreichen historischen Spaziergängen durch Feucht immer wieder den alten Versorgungsbauernhof und Großviehstall angesteuert und dann das Wort an den Hausherrn übergeben, der die Aktivitäten vor Ort erläuterte. Das wird auch am Sonntag so sein. Die Führung beginnt um 14 Uhr am Reichswaldparkplatz, von wo man zunächst zum Pfinzingschloss geht und gegen 14.30 Uhr im benachbarten Schlossbauernhof eintrifft.

Warten auf die Zuschüsse

1993 hatte die Familie das alte Anwesen erworben, das im Jahr 1603 erbaut wurde. Zehn Jahre nach dem Kauf, also 2003 und damit zum 400-jährigen Bestehen, sollte es fertig restauriert sein. Doch die Zuschüsse ließen auf sich warten. Klaus-Peter Wenzels Erklärung: „Der Mensch denkt – Gott lenkt. Leider saniert er nicht die Häuser und die Zuschüsse vergibt er auch nicht… Mal waren die Kosten zu hoch oder es gab Wichtigeres. Oder man hatte bei der Denkmalpflege einfach kein Geld.“

Und so ergab es sich, dass die Bewilligung erst diskutiert wurde, als man mit den Arbeiten eigentlich schon fertig sein wollte. Ab 2003 flossen die Fördergelder der Behörde sowie der Städtebauförderung und der Marktgemeinde. 2004 konnte dann die große Sanierung stattfinden.

Neuer Glanz: der über 400 Jahre alte Schlossbauernhof. Foto: Gisa Spandler2019/09/Feucht-Schlossbauernhof1.jpg

Neben fundamentalen Herausforderungen stießen die Wenzels immer wieder auf  inakzeptable Bausünden. Etliche Fenster sowie der Haupteingang an der Pfinzingstraße waren einfach zugemauert, die Treppe entfernt worden. Der Vorbesitzer, ein Maurer, hatte sämtliche Wände und Decken verputzt oder mit Heraklit verkleidet. Das musste wieder abgeschlagen werden – in Eigenleistung.

Ein wichtiges Stichwort beim Renovierungsprojekt der Wenzels. Der 69-jährige Architekt hat immer wieder selber zu Kelle oder Meißel gegriffen, um die Kosten in Schach zu halten. So hat ihm zum Beispiel ein Steinmetz die Grundbegriffe für die Bearbeitung des Sandsteins beigebracht, Wenzel hat die Arbeiten dann selbst ausgeführt.

Auch der Garten ist den Wenzels gelungen. Foto: Gisa Spandler2019/09/Feucht-Schlossbauernhof4.jpg

Nun ist der alte Bauernhof wieder ein Schmuckstückchen, das Fachwerk in der Wohnung von Kirsten Wenzels Mutter erstrahlt in den Originalfarben Grau und Gelb, Licht fällt in die Zimmer und Dielen, eine geschmackvolle Inneneinrichtung und stimmiges Gartenambiente vervollkommnen das einladende Wohnerlebnis.

Geschmackvolle Kombination

Moderne Elemente werden mit den überlieferten äußerst geschmackvoll kombiniert, aber dem Haus wird auch seine Würde als über 400-jähriges Gebäude gelassen. „Es hat sein Alter, die Falten sind erlaubt“, drückt es Kirsten Wenzel aus.

Eine interaktive Karte zum Tag des offenen Denkmals gibt es bei uns hier.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler