Engelthaler soll Erhaltungsmaßnahmen durchführen

Denkmalschutzauflagen contra Streuschupfe in Oedenberg

Die Streuschupfe in Oedenberg sorgt für heiße Diskussionen zwischen Eigentümer und Denkmalschutzbehörde. Foto: S. Camin2016/06/7207796.jpeg

OEDENBERG / ENGELTHAL– Auf den Bericht über einen möglichen Abriss der Harnbachmühle hat sich Werner Munker bei der HZ gemeldet. Der Engelthaler ist selbst Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes in Lauf-Oedenberg, nur darf er seine Streuschupfe laut der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Nürnberger Land nicht abreißen, sondern muss sogenannte Erhaltungsmaßnahmen durchführen lassen. Und die kosten Geld. Viel Geld. In Munkers Augen wird hier mit zweierlei Maß gemessen; was anderswo möglich ist, wird ihm versagt. Zeit, bei den Beteiligten nachzufragen.

Sein Elternhaus in Oedenberg steht seit Jahren leer, eines Tages will Werner Munker das 1896 errichtete Gebäude wieder bewohnbar machen lassen. Bevor es allerdings soweit ist, hat er direkt daneben angebaut. Hier zieht demnächst eine seiner Töchter ein. Doch Munker drückt der Schuh woanders, nämlich ein paar Meter weiter: Im Rahmen der Anbaugenehmigung sei einer der Mitarbeiter von der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt vor Ort gewesen und auf ein weiteres Gebäude auf dem großen Grundstück aufmerksam geworden: die Streuschupfe aus dem Jahr 1882 mit Fachwerk – eine Scheune mit 5,80 mal 8,40 Meter Grundfläche, in der früher die Einstreu für Kühe gelagert worden ist. Laut Baubehörde müsse er das Gebäude erhalten, was kostspielig sei. Und was mit dem Gebäude anfangen, bei dem die Deckenhöhe im ersten Stock und vor allem im Dachgeschoss sehr niedrig ist?

Eines steht auf jeden Fall fest: Die Streuschupfe ist marode, die Schäden sind schon von außen zu sehen: ein großer Spalt zwischen Mauerwerk und Balken auf der einen Seite, zahlreiche morsche Holzbalken, ein desolates Dach, durch das es seit Jahren reinregnet, auf der anderen. „Jeder einzelne Fachwerkbalken müsste untersucht werden, ob er noch hält; marode müssten einzeln ersetzt werden“, weiß Munker inzwischen. Nach Rücksprache mit einem Maurer- und einem Zimmerermeister ist er resigniert: „Jeder Handwerker rät mir dringend davon ab, mir so etwas anzutun.“ Er ergänzt: „Als Bauherr lasse ich da keinen hoch aufs Dach, das ist viel zu gefährlich!“

Denkmalschutz bekannt
Wolfgang Werthner von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Nürnberger Land sieht das anders: „Dafür gibt es Fachfirmen, die sich damit auskennen.“ Und überhaupt stehe die Streuschupfe – wie übrigens auch das Hauptgebäude – bereits seit Jahren unter Denkmalschutz und sei nicht bei einer Begehung „zufällig“ entdeckt worden. Das bestätigt auch Alexandra Beck vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München, der zuständigen Fachbehörde, während die Untere Denkmalschutzbehörde für den Vollzug zuständig ist: Seit wann genau das Bauernhaus und die Streuschupfe in der bayerischen Denkmalliste stehen, kann sie nicht mehr nachvollziehen, spätestens jedoch seit 1980.

Zurück zu Werthner. Er betont, dass die Untere Denkmalschutzbehörde nicht von Munker fordert, die Streuschupfe instand zu setzen, sondern ausschließlich den aktuellen Status Quo zu erhalten. Dazu gehöre dringend, das Dach neu einzudecken oder zumindest Bitumenwellplatten zu verlegen, um das Gebäude trocken zu halten. „Und die öffentliche Hand unterstützt auch derartige Sanierungen“, betont er. In welcher Höhe, kann er allerdings nicht sagen.

Abriss der Mühle erlaubt
Und was hat es nun mit der Harnbachmühle auf sich, wird da mit zweierlei Maß gemessen? „Eine statische Voruntersuchung vor sieben Jahren hat ergeben, dass die Gebäude auf dem Gelände der Harnbachmühle nicht mehr instandsetzungsfähig sind“, erklärt Werthner. Der Bebauungsplan erlaubt hier einen Abriss und einen Neubau.

Sollte Munker nicht die Notmaßnahmen durchführen lassen, droht ihm ein Zwangsgeld. Die Frist verstreicht Ende Juni. Das letzte Mittel, so Werthner, ist die sogenannte Ersatzvornahme. Hier würde der Landkreis den Auftrag für die Reparaturen vergeben und bezahlen und sich dann das Geld vom Eigentümer zurückholen. Sollte dies nicht gelingen, gäbe es einen Eintrag ins Grundbuch.

Munkers Lichtblick: Das Freilandmuseum in Bad Windsheim interessiert sich für die Streuschupfe. Nur zu gerne würde er das Gebäude dem Museum schenken, dann wäre er quasi alle Sorgen auf einmal los und müsste sich um nichts kümmern: Abbau, Transport nach Bad Windsheim und Wiederaufbau inklusive Kosten würde das Museum übernehmen. Doch das ist laut Herbert May, Leiter des Freilandmuseums, noch lange nicht entschieden: „Aus bauhistorischen Aspekten ist Oedenberg generell und insbesondere diese Streuschupfe eine Perle – aber wir sind aktuell mit Baumaßnahmen eingedeckt“, zögert er. Die Logistik sei gar nicht mal das große Problem. Die Wände würden einzeln an den Ecken aufgesägt beziehungsweise „entzapft“ und dann zusammen mit der Decke auf einem Autokran transportiert werden. Abbau und Transport kämen auf rund 30 000 Euro, wobei der teurere Aufbau hier noch nicht einkalkuliert ist.

Was ist denn nun das Besondere an dieser Streuschupfe? „Innen hängen Rundhölzer von der Decke – bevor das Fachwerk von der Feuchtigkeit angegriffen wird, saugen die Rundhölzer diese auf.“ Jetzt kommt May ins Schwärmen: „Es handelt sich um ein Multifunktionshaus, auch Hofhaus genannt, das neben dem Einstreuraum auch einen Schweine- beziehungsweise Hühnerstall und im Dachgeschoss den Trockenplatz für Hopfen bietet. Und es ist ein außergewöhnliches Bauwerk mit sehr großen hofseitigen Öffnungen; so einen Typ habe ich noch nie gesehen.“ Dann wird er wieder pragmatisch: „Erst müssen wir aktuelle Bauvorhaben erledigen. Wenn, dann nehmen wir die Schupfe in drei bis vier Jahren.“

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