Reisebericht

Ein Franke auf Flusskreuzfahrt durch die Niederlande

Bei einer abendlichen Grachtenfahrt in Amsterdam bewundert Autor Vinzenz R. Dorn die herausgeputzten Fassaden, auch wenn nicht alle gerade stehen. | Foto: Dorn2022/08/Bildschirmfoto-2022-08-30-um-15.44.12.png

NIEDERLANDE/ REISEBERICHT – Autor Vinzenz Dorn war auf Flusskreuzfahrt am Rhein, Ijssel und Ijsselmeer durch die Niederlande unterwegs. Wie das so war, berichtet er hier:

Flusskreuzfahrten verbinden einige Vorteile miteinander: Im schwimmenden Hotel werden die Gäste rundum versorgt, die Kabine und das Gepäck reisen mit, bei den Landgängen lassen sich Städte, Dörfer und Sehenswürdigkeiten bequem erkunden und während der Fahrt zieht die Landschaft gemütlich an einem vorbei, während man auf dem Sonnendeck (wenn es nicht gerade regnet oder der Aufenthalt wegen niedriger Brücken untersagt ist) einen Drink genießt, liest oder sich vom anstrengenden Vier-Gang-Mittagessen ausruht.

Besser als Busfahren

Das alles klingt nach Luxus, und das ist es in gewisser Weise auch, doch es ist in Relation zu Busrundreisen nicht exorbitant teurer und bietet eben mehr Bequemlichkeit. Dazu kommt, dass man normalerweise bei Flusskreuzfahrten keine Angst vor Seekrankheit zu haben braucht und die Schiffe sind viel kleiner als Ozeanriesen und damit dem Auge gefälliger.

All diese Vorteile haben meine Frau und mich bewogen, zusammen mit einem befreundeten Ehepaar eine zehntägige Reise auf der „Rheinprinzessin“ zu buchen und ab Köln in und durch die Niederlande zu schippern, zwei Abstecher nach Ostfriesland inklusive.

Die Niederlande im Überblick

Die Niederlande sind Deutschlands nordwestlicher Nachbar: Das Land ist etwa so groß wie Niedersachsen, hat aber so viele Einwohner wie Nordrhein-Westfalen. Deswegen weist der Staat mit 423 Einwohner pro Quadratkilometer mit die höchste Bevölkerungsdichte in Europa auf. Hauptstadt der Niederlande ist Amsterdam, die Regierung jedoch sitzt in Den Haag. In Deutschland wird für die Niederlande „Holland“ synonym gebraucht; aber das umfasst nur die beiden Provinzen Noord-Holland und Zuid-Holland.

Eine der vielen Grachten in Giethoorn. / Foto: Dorn2022/08/a483403205i0019_max1024x.jpeg

Ein flaches Land

Die Landschaft ist überwiegend flach; die Hälfte des Landes liegt weniger als einen Meter über ein Viertel gar unterhalb des Meeresspiegels. Flevoland zum Beispiel wurde vollständig der Zuider-See durch Deiche abgerungen und liegt etwa fünf Meter unter dem Meeresspiegel. Das Ijsselmeer, nur vier bis fünf Meter tief, bedeckt nun den größten Teil der ehemaligen Zuider-See. Der Rhein teilt das Land in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Weitere wichtige Flüsse sind Maas, Schelde und Ijssel.

Das Wassertor von 1613 in Sneek. / Foto: Dorn2022/08/a483403205i0024_max1024x.jpeg

Generell fiel uns bei unseren Streifzügen durch die niederländischen Städte die abwechslungsreiche Architektur auf, die von Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert – meist Kirchen oder Rathäuser – bis zu modernen Bauten der Gegenwart reicht. Die schmucken, meist schmalen Häuser in den Altstädten, viele davon aus der Gründer- oder Jugendstilzeit, harmonieren prächtig mit dem üppigen Grün der kleinen Gärten und größeren Parks.

Selbst große Wohnanlagen zeigen durch vielfältige gestalterische Elemente mehr Individualität als die Zweckbauten hierzulande (die es in den Niederlanden natürlich auch gibt). Zusammen mit den Kanälen, den Grachten und Häfen sowie dem üppigen Pflanzenwuchs wirken die Städte überschaubarer, aufgelockerter und angenehmer fürs Auge.

Erster Halt: Rotterdam

Den ersten Halt hatten wir in Rotterdam. Eine Hafenrundfahrt durch den größten europäischen und zweitgrößten Hafen der Welt zeigte die Dimensionen, wo sich neun Hafengebiete über viele Kilometer aneinanderreihen. 30 000 Hochsee- und 110 000 Binnenschiffe schlagen jährlich 350 Millionen Tonnen Güter um. Immer noch beeindruckt von den riesigen Containerschiffen, spazierten wir im Anschluss an den Kubus-Häusern, die wie viele auf Kante gestellte Würfel wirken, zur bunten Markthalle, bevor die „Rheinprinzessin“ uns am Abend im idyllischen Silberstädtchen Schoonhoven zu einer kurzen Besichtigungsrunde entließ.

Quirliges Leben

Der nächste Morgen begrüßte uns in Amsterdam, der Hauptstadt der Niederlande, wo wir kurz vor dem pulsierenden Zentrum ankerten. Wir ließen uns durch die Altstadt treiben, genossen die kleinen Bürger- und großen Patrizierhäuser, die Grachten und das quirlige Leben. Deutlicher als in Rotterdam hieß es in den meist engen Straßen, auf die Radfahrer aufzupassen. Eine entspannte abendliche Grachtenfahrt vermittelte uns die Stadt aus einer anderen, tieferliegenden Perspektive, unterstützt durch humorvolle Erläuterungen der Reiseleiterin.

Weitere Stationen waren Lelystad, das erst 1967 im Rahmen der Eindeichung der Zuider-See entstanden war, wo wir den Nachbau des niederländischen Ostindienfahrers „Batavia“ bewundern konnten, und ein verregneter und dennoch entspannter Spaziergang durch das Städtchen Lemmer.

Kein Durchkommen an der Schleuse

Der folgende Tag brachte eine Überraschung und unsere Reiseplanung durcheinander: Niederländische Bauern hatten eine Schleuse besetzt; da war kein Durchkommen mehr. Immer mehr Schiffe stauten sich auf beiden Seiten, und es schien, als würde die Weiterreise buchstäblich ins Wasser fallen. Doch unser Kapitän trieb ein Busunternehmen auf, das uns statt mit dem Schiff über die Straße nach Groningen brachte. Die Universitätsstadt bietet mit der Martinikirche, dem Rathaus und dem Großen Markt ein lebendiges Zentrum mit vielen weiteren interessanten Bauwerken.

Zwei Stunden rückwärts

Am Morgen darauf hieß es für den Kapitän besonders aufmerksam sein: Zwei Stunden musste er das Schiff rückwärts bewegen, bis eine Stelle erreicht war, an der es drehen konnte. Flüssig erreichten wir daraufhin Sneek mit dem größten Yachthafen der Niederlande und einem wunderschönen Wassertor von 1613. Von Sneek aus – umgeplant auf den Bus, was auch klappte – besichtigten wir an diesem und dem folgenden Tag bei Ausflügen ins deutsche Ostfriesland zunächst die Stadt Leer.

Wer wollte, konnte an einer ostfriesischen Teezeremonie teilnehmen; wir streiften lieber durch die engen Gassen und schauten uns die hübschen Häuser und die teilweise noch mittelalterlichen Gebäude an. Der Folgetag führte uns nach Papenburg, wo in der Meyer-Werft große Kreuzfahrtschiffe gebaut werden.

Über das Ijsselmeer

Kreuzten wir die letzten Tage der Reise nach Enkhuisen mit dem malerischen Wehrturm „Drommedarius“ und dem Waaghaus, weiter nach Giethoorn, dem „Spreewald Hollands ohne Gurken“, und dann über Kampen, Deventer und Zutphen zurück nach Köln.

Insgesamt eine angenehme Reise, insbesondere, wenn man das sanfte Dahingleiten auf dem Wasser mag, mit üppiger Verpflegung und abwechslungsreichen Besichtigungen.

Autor: Vinzenz R. Dorn

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