Laut Staatsregierung darf auf Bolzplätzen eigentlich wieder trainiert werden

Die Kommunen spielen nicht mit

Das Gras ist frisch gemäht, die Tornetze intakt: Die Laufer Bolzplätze im Pegnitzgrund laden scheinbar zum spielen ein. Doch die Stadt Lauf teilt mit, dass alle öffentlichen Bolzplätze weiterhin gesperrt sind, selbst wenn sich dort keine Absperrbänder oder HInweisschilder finden. | Foto: Kirchmayer2020/06/Bolzplatze-Lauf-Pegnitzgrund-1-Juni-2020-Corona-kir.jpg

LAUF/ RÖTHENBACH – In der Bundesliga rollt der Ball wieder, Amateurvereine dürfen zumindest unter Auflagen wieder trainieren. Der Breitensport Fußball macht vorsichtige Schritte zurück in die neue Normalität im Corona-Sommer 2020. Doch wie sieht es für alle Freizeitkicker aus, die nach monatelanger Zwangspause einfach einmal mit Freunden gegen das runde Leder treten wollen? Da wird es schnell kompliziert.

Das Landratsamt Nürnberger Land verweist auf die Staatsregierung. Das Ministerium für Gesundheit und Pflege beantwortet eine Anfrage der Pegnitz-Zeitung so: „Öffentliche Bolzplätze und offene Streetball-Courts dürfen bereits jetzt genutzt werden – aber nur nach den Regeln, die auch sonst für die Ausübung von Sport in der frischen Luft im öffentlichen Raum und in Freiluft-Sportstätten gelten (§ 9 Abs. 2 der 5. BayIfSMV), das heißt vor allem unter Beachtung des Mindestabstands und kontaktfrei.“

Passen ja, Zweikampf nein

In der fünften Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 29. Mai steht, dass der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden muss, der Kontaktsport Fußball also nur kontaktlos gespielt werden darf. Möglich wäre demnach auch auf Bolzplätzen Lauf-, Pass- und Schuss­training, ein Spiel mit zwei Mannschaften aber nicht. Und zwar diese Woche mit maximal fünf Personen, ab nächster Woche mit bis zu 20.

Das Gesundheitsministerium bestätigt, dass auch Amateure außerhalb von Vereinen Bolzplätze nutzen dürfen. So genau steht das im Text der Verordnung nicht.

Ball desinfizieren?

Beim Lesen stößt man schnell auf Artikel 2, Absatz 5: „Konsequente Einhaltung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei gemeinsamer Nutzung von Sportgeräten“. Muss der Fußball also regelmäßig desinfiziert werden? Die Frage gibt das Gesundheits- ans Innenministerium weiter, das für Sport zuständig ist. Beantwortet wird sie nicht.

Das Innenministerium teilt dafür ebenfalls mit: „Ab 8. Juni (…) darf der Outdoor-Trainingsbetrieb – kontaktfrei – für alle Sportarten in Gruppen von bis zu 20 Personen wieder starten, sofern die Abstandsregeln eingehalten werden. Das heißt: Zweikämpfe/Spiele im Bereich Fußball, Basketball, Volleyball oder Streetball sind weiterhin nicht möglich, da nicht kontaktlos. Möglich ist ab 8. Juni das kontaktfreie Trainieren, auch mit Berührung des Balls.“

Bolzplätze bleiben gesperrt

Immerhin etwas, könnte man meinen, Passtraining, Ball hochhalten, Lattenschießen. Wenn da nur die Kommunen mitspielen würden. Die Stadt Lauf hat die Nutzung aller öffentlichen Bolzplätze auch in der kommenden Woche untersagt – anders als bei anderen Sporteinrichtungen im Freien.

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Rund 15 Bolzplätze gibt es in der Kreisstadt inklusive den Ortsteilen, an vielen seien Hinweisschilder angebracht, heißt es seitens der Stadt auf Nachfrage. Das Verbot gelte aber auch dort, wo bisher noch nichts darauf hinweist, etwa bei den drei Plätzen im Pegnitzgrund. Kurioserweise wurde gerade dort erst kürzlich das Gras gemäht, die Tornetze sind angebracht, nichts deutet auf ein Verbot hin.

Beim Bolzen ertappt

Auch in Röthenbach sind die Bolzplätze nach wie vor gesperrt. Erst neulich, berichtet Bürgermeister Klaus Hacker, habe er beim Joggen eine Gruppe Jugendlicher sozusagen auf frischer Tat ertappt. „Die hatten Pech, dass ich gerade vorbeikam“, sagt er. Die Nachwuchsfußballer mussten den Platz verlassen.

Hacker verweist darauf, dass es zumindest aus seiner Sicht bisher keine Anweisung der Staatsregierung für Bolzplätze gegeben habe, anders als bei der Öffnung der Spielplätze am 6. Mai. Im Gegenteil: Als die Spielplätze wieder geöffnet wurden, nahm die Regierung Bolzplätze ausdrücklich aus. Deshalb halte Röthenbach an der Sperrung fest, sagt Hauptamtsleiter Stephan Ertl. Das betrifft aktuell drei Plätze: in Haimendorf, im Stadtteil Seespitze und im Pegnitzgrund an der Kläranlage.


Vereine dürfen, Privatleute nicht

Ab nächster Woche lässt die Kommune dort allerdings „Vereinssport mit einer vorherigen Nutzungsvereinbarung“ zu, wie Ertl sagt. Eine entsprechende Vereinbarung hat die Stadt schon mit dem Türkischen Sportverein geschlossen, „aber da kann sich theoretisch auch die Feuerwehr anmelden“.

Die Vereine verpflichten sich, bestimmte ­Hygienestandards einzuhalten. Dazu gehören – auch beim Fußballtraining – der Mindestabstand und die Anwendung von Desinfektionsmittel. „Vor allem geht es aber um die Nachverfolgbarkeit“, sagt Hauptamtsleiter Ertl. Der jeweilige Vereinsvertreter habe die Daten der Sportler, so könne das Gesundheits­amt im Infektionsfall alle Kontakte nachvollziehen.

Lohnt es sich für ausgefuchste Sportfreunde, die in Röthenbach trainieren wollen, kurzfristig selbst einen Verein zu gründen? Vielleicht ist es sinnvoller, bis kommende Woche zu warten. Darauf, dass die Staatsregierung sich etwas Neues einfallen lässt, auch zum Thema Sport. Denn die fünfte Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gilt nur bis Sonntag, 14. Juni.

Autoren: Andreas Kirchmayer, Andreas Sichelstiel

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