Kommunen gehen auf Nummer sicher

Bolzen verboten

Auch in Feucht geht man auf Nummer sicher. Der Bolzplatz an der Wiesenstraße war zumindest bis Montag noch gesperrt. | Foto: Daniel Frasch2020/06/Feucht-Bolzplatz-gesperrt-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Kommunen im Landkreis lassen ihre Plätze vorläufig geschlossen. Das Gesundheitsministerium würde zwar
eine Öffnung unter Umständen erlauben, aber genügend Kontrolle ist kaum zu gewährleisten.

Die Spielplätze in Bayern sind seit ein paar Wochen wieder geöffnet und werden rege genutzt. Mit den Bolzplätzen allerdings sieht es anders aus. Hier sind die Vorgaben aus München auch nicht ganz so eindeutig. Der heimische CSU-Landtagsabgeordnete Norbert Dünkel hat daher im Gesundheitsministerium vor ein paar Tagen nachgehakt. Aus dem Büro von Ministerin Melanie Huml erhielt er daraufhin die Antwort: Die Anti-Covid-19-Auflagen des Freistaats, genauer gesagt, die fünfte Fassung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, böten „keine rechtliche Grundlage für eine generelle Schließung von Bolzplätzen“, so das Ministerium.

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Ist es also gar nicht berechtigt, die Bolzplätze geschlossen zu halten, wie es zum Beispiel die Stadt Altdorf, die Gemeinde Burgthann und auch die Marktgemeinde Feucht tun? Altdorfs stellvertretender Bauhofleiter Torsten Rosenau bestätigt, dass zum gestrigen Stand die fünf Plätze im Stadtgebiet und den Außenorten Altdorfs nicht genutzt werden dürfen. „Die Bolzplätze sind derzeit geschlossen, da Kontaktsportarten noch nicht gestattet sind“, so Rosenau. Ähnlich äußert sich auch der Geschäftsleiter im Burgthanner Rathaus, Johannes Strobel, der ebenfalls die jüngste Infektionsschutzverordnung für nicht ganz eindeutig hält und auf eine klare Stellungnahme hofft. Die Bolzplätze im Burgthanner Schwarzachgrund, in Rübleinshof und auf der Dörlbacher Au sind daher aktuell geschlossen.

Das Tor am Bolzplatz in der Wiesenstraße ist verwaist. Foto: Daniel Frasch2020/06/Feucht-Bolzplatz-Tor-Pfuetze-scaled.jpg

Desinfizieren nach dem Kopfball

Und auch in der Marktgemeinde Feucht will man kein Risiko eingehen, teilt Jessica Graf vom Hauptamt mit. Die Bolzplätze bleiben erstmal zu. Hintergrund sind zum einen natürlich die schwer kontrollierbaren Menschenansammlungen und zudem die Vorgabe, dass bei Ballspielen der Ball nur mit dem Fuß berührt werden dürfte. Wird er mit anderen Körperteilen angenommen – Hand, Kopf, Brust – müsste er jedes Mal im Anschluss desinfiziert werden. Und das ist kaum praktikabel.
Solche Flächen wie Bolzplätze, meint zwar das Gesundheitsministerium, dürften „grundsätzlich genutzt“ werden, sofern die Vorgaben der Verordnung eingehalten würden. Körperkontakt sei verboten, doch Lauf-, Pass- oder Schusstraining erlaubt.

Furcht vor der Betreiberhaftung

Auch in Lauf findet man, dass es sich das Ministerium mit dieser Regelung etwas zu einfach macht, so Bürgermeister Thomas Lang. Die Aussagen seien zwar korrekt, aber trotzdem werde auch Lauf die Bolzplätze noch nicht freigeben. „Wenn wir den Platz aufmachen“, sagt Lang, „dann müssen wir sicherstellen, dass kein Kontaktspiel stattfindet – und das ist nicht möglich“. Die Kommune fürchtet die sogenannte Betreiberhaftung. Dieser Argumentation zufolge könnte sie in die Verantwortung genommen werden, wenn es zu einer Covid-19-Erkrankung infolge eines illegalen Spiels kommt. Und so sieht man das wohl auch in Altdorf, Feucht und Burgthann. In Röthenbach an der Pegnitz bedient sich allerdings die Stadtspitze einer Art Krücke: Die Plätze können zwar benutzt werden, aber nur von Vereinen, die zuvor eine Nutzungsvereinbarung unterzeichnet haben. Für Privatleute gibt auch Röthenbach keine Freigabe.

Eine solche Vereinbarung wird in ähnlicher Form bayernweit von Kommunen genutzt. Die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, teilt das Gesundheitsministerium dazu nüchtern mit, „enthält im Übrigen auch weder eine Beschränkung auf Vereine noch eine Altersbeschränkung“.
Den Schwarzen Peter haben also die Kommunen. Viele hoffen nun auf die nächste Kabinettssitzung in München, in der es möglicherweise eine Klarstellung zum Thema Nutzung der Spiel- und Bolzplätze gibt.

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