Ein Dorfladen für Moosbach

Den Laden im Dorf lassen

Jörg Kotzur (links) und Michael Marks (rechts) machen sich seit 2014 für das Projekt Dorfladen stark. | Foto: Antonia Kourtides2021/09/Moosbach-Dorfladen-Richtfest-scaled.jpg

Moosbach – Sieben Jahre nach der ersten Idee nimmt der Dorfladen in Moosbach langsam Gestalt an. Ende Mai soll er eröffnen. Gesellschafter werden weiterhin gesucht.

In Moosbach befindet sich gerade ein Haus im Bau. Doch es ist nicht irgendein Haus. Hier entsteht ein Dorfladen und geförderter Wohnraum. Bürgermeister Jörg Kotzur freut sich beim Richtfest gleich doppelt. Als Bürgermeister über die sechs barrierefreien, geförderten Wohnungen und als ehemaliger Projektleiter des Dorfladens über dessen baldige Eröffnung.

„Für mich ist das eine Herzenssache, weil ich von Anfang an dabei war“, sagt Kotzur. 2014 entstand aus der Moosbacher Ortsmarketing-Gruppe das Projekt Dorfladen. Es sollte ein „Ort der Begegnung“ entstehen, damit „Moosbach kein Schlafdorf wird.“ Denn Einkaufsmöglichkeiten verschwanden über die Jahre.

Kotzur erinnert sich an seine Kindheit im Ort: „Hier gab es damals einen Metzger, einen Bäcker, einen Blumenladen und eine Post- und Bankfiliale.“ Und heute? Heute gibt es nur noch einen Friseur. Kotzur fügt lachend hinzu: „Wir haben nichts zu essen, aber schöne Frisuren.“ Mit dem Dorfladen soll sich das im kommenden Jahr ändern.


Michael Marks, einer der Geschäftsführer des Dorfladens, erinnert sich in seiner Rede an den Spatenstich vor etwa einem Jahr. „Etwas verloren und ohne Publikum“ sei es gewesen. „Heute steht hier ein imposantes, zweistöckiges Gebäude, und in weniger als einem Jahr werden hier die ersten Mieter einziehen und die ersten Kunden im Dorfladen einkaufen“, sagt er.

Von Bürgern für Bürger


Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum lobt der Stellvertretende Landrat Robert Ilg. Gerade wegen der Nähe zu Nürnberg sei das für den Landkreis eine große Herausforderung, und hier in Moosbach habe man bereits einen Anfang gemacht. „Gelungen, gut konzipiert mit einer vernünftigen Finanzierungsstruktur“ sei das Konzept des Dorfladens und der darüber liegenden Wohnungen. Die geplanten Gesamtkosten von rund 2,6 Millionen Euro konnten auch mit knapp einer Million Euro Fördermitteln unterstützt werden. Weitere 1,1 Millionen Euro erhielten sie von der Regierung Mittelfranken als zinsvergünstigtes Darlehen.
Es solle eine Projekt „von den Bürgern für die Bürger werden“, erzählt Gabriele Fischer, die neben Marks derzeit die Geschäftsführung übernimmt. Bisher könne man in Moosbach nicht mal schnell den Kindern ein Eis kaufen. Mit dem Dorfladen kämen so „Kleinigkeiten, die das Leben versüßen“. Das Sortiment soll seinen Schwerpunkt auf regionalen Produkten haben. Bei dem Projekt gehe es aber nicht nur um die Nahversorgung. Mit dem geplanten Café soll ein sozialer Treffpunkt entstehen und die Dorfgemeinschaft gestärkt werden.

Weitere Teilhaber gesucht


Die Finanzierung des Eigenkapitals läuft über die 2018 gegründete Unternehmergesellschaft. Inzwischen sind fast 100 Gesellschafter beteiligt. Trotzdem muss das Eigenkapital noch erhöht werden. Für sie war es in den vergangenen Monaten schwierig, weitere Gesellschafter anzuwerben. Informationsveranstaltungen, um für das Projekt zu werben, waren lange nicht möglich. Ab 250 Euro kann man als stiller Teilhaber mit einsteigen, und das ist jederzeit möglich, auch nach der Eröffnung. Beide hoffen, dass sich jetzt weitere Interessenten melden.


Laut Fischer steht und fällt das Ganze mit dem richtigen Personal. Das müsse einer der Gründe sein, warum die Moosbacher gerne in den Laden kämen. Für kleine Gespräche über alles, was so passiert. Vor allem an den Geschäftsführer sind die Erwartungen hoch. Bis zur Eröffnung übernehmen Marks und Fischer diesen Posten noch ehrenamtlich. Danach soll dann ein Festangestellter Herr des Ladens werden. „Der muss den Laden dann schmeißen“, sagt Fischer.
Gerade sind sie und Marks noch auf der Suche nach einem passenden Kandidaten. „Wir brauchen keinen Gewinn und können unser Personal anständig bezahlen. Das ist uns sehr wichtig“, erklärt Fischer. Trotzdem sei es schwierig, die Stellen zu besetzen.


Bei der Planung und Umsetzung des Ladens unterstützt Wolfgang Gröll von der Vereinigung der Bürger und Dorfläden in Deutschland den Gesellschafterrat. Er hat schon eine Vielzahl anderer Dorfläden bei der Planung und Umsetzung begleitet. Mit seiner Erfahrung berät er die Verantwortlichen über Preise, Produkte und Lieferanten. Mit ihm haben sie schon Bäckereien und Metzgereien besucht. Auch wurden Hochrechnungen und eine Machbarkeitsstudie erstellt. Die Preise im Dorfladen sollen mit denen in Supermärkten vergleichbar sein.
Ob der Dorfladen eine Zukunft hat, liegt in der Hand der Moosbacher. Es liegt an ihnen, dort einzukaufen, sich zu treffen, zu quatschen und dem Laden so Leben zu verleihen.

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