Live und über Beamer

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BURGTHANN – Sie haben es wieder geschafft, die Veranstalter vom Jazz- und Kulturverein: Trotz heftiger Schauer zum Auftakt, die das Sound Orchester Burgthann zwangen, von der Open Air Bühne in den Rittersaal auszuweichen, wurde das dreitägige Festival ein Erfolg.

Nachdem man sich bereits am Samstag darauf geeinigt hatte, dass die Bands, die auf eine Musikanlage angewiesen sind, überdacht auftreten würden, ließen sich die Musikbewegten während der langen Trockenphasen nicht von ihren Bierbänken im Freien vertreiben. Man entdeckte sogar Vorteile: Während es bei voller Lautstärke im Saal das Live-Erlebnis und heftig was auf die Ohren gab, konnte man sich im Burghof bei gedämpfter Musik und frischer Luft besser unterhalten als bei der ordentlichen Beschallung direkt vor der Bühne, die übrigens einige bei manchen Auftritten für etwas übertrieben hielten. Am Samstagabend kamen diejenigen, die „Argile“ lieber nicht hautnah erleben wollten, außerdem in den Genuss, die Musiker auf einem großen Beamer im Hof mitzuerleben. Dorthin wanderten übrigens auch einige ab, die das Weltmusik-Erlebnis etwas zu undefiniert und dahinplätschernd empfanden, ohne Höhepunkte und ein wenig unlustig. Andere jedoch waren von der Oberton-Orgie begeistert und vor allem von den afrikanischen Tänzern, die auch was fürs Auge darstellten.

Wirklich open air gings dann am Sonntag beim Jazz-Frühschoppen zu: Da gab es die routinierten New Orleans Rhythm Boys (plus Dame, die sich sehr gut auf das Banjo und die Bass-Trommel verstand) zu Kaffee, Bier, Wein und Weißwürsten, Feinem aus der griechischen Küche und allerlei weiterer Schmankerl. Mit dem Megaphon und auch einem Susaphon sowie launigen Ansagen erzeugten die gesetzten Herrschaften nach ihrem Einzug auf das Burggelände im Stile einer Marching Band für New-Orleans-Stimmung. Mit den Klassikern „Down by the Riverside“, „Bei mir biste scheen“ oder „O when the saints“ zogen sie zum Abschluss wieder durch die Zuhörer-Reihen und schreckten sogar vor einem Abstecher ins Damenklo nicht zurück, als sie sich verabschiedeten.

Bestens kam auch in diesem Jahr wieder der Spaßmacher Yannick Monot. Sein zauberhafter französischer Akzent bei den Ansagen und die kleinen Anekdötchen, die er mit der Moderation verband, gefielen beinahe genauso wie die interessante Mischung aus Folk und Rock. Stilsicherer Zydeco und Cajun, ein ungewöhnlicher Instrumenten-Mix und bestens aufgelegte Musiker, darunter ein Drummer, der in jeder Hardrockband seinen Platz hätte und ein Gitarrist, der sich auf kernigen Blues versteht. Monot selber ist wohl der Erfinder des Rock-Akkordeons, das sich bestens mit der Fiddle vereinbaren lässt und dem Sonntagsnachmittagspublikum so gut gefällt, dass es die Meister des stampfenden Sounds nur nach mehreren Zugaben von der Bühne lässt.

„Doppelfisch“ nennen Insider die Formation der beiden Fischbachers, die mit komplizierten und abwechslungsreichen Eigenkompositionen und Standards für den eigentlichen Jazz bei „Jazz in der Burg“ sorgen. Coole, rockig-rotzige, funkige Grooves, knallhart und sauber gespielt, weisen die vier Musiker aus Deutschland, Österreich und den USA als Profis im besten Sinne aus. Hier wechselt zurückgenommener Traum-Jazz mit intelligenten Kompositionen und rhythmisch interesante Nummern mit exakten Breaks. Verantwortlich dafür ist Drummer Ulf Stricker, der schon gleich zu Beginn in einigen Rhythmus-dominierten Nummern zeigt, was ein Schlagzeug ist (das diese Demonstration unerwarteter Weise unbeschadet übersteht).

N-Land Gisa Spandler
GISA SPANDLER