Eppelein-Darsteller über Lampenfieber und Lieblingssätze

„Ich springe oft direkt vom Pferd ins Kostüm“

Achim Schwarzkopf steht als ehrlicher Strauchdieb Eppelein seit 2005 auf der Bühne. | Foto: Spandler2017/07/eppelein-schwarzkopf-neu.jpg

Alle drei Jahre finden auf der Burgthanner Burg die Eppelein-Festspiele statt. Dieses Wochenende geht die diesjährige Saison in ihre Endphase. Zur letzten Vorstellung am Sonntag wird auch die Schirmherrin, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, noch einmal zu Gast sein. Wir sprachen mit Achim Schwarzkopf über Lieblingssätze, Lampenfieber und die Aktualität der Raubritterlegende.

Seit 2005, seit der Geburtsstunde der Burgfestspiele, spielen Sie die Hauptfigur Eppelein von Gailingen. Was ist dieser Eppelein für ein Typ?

Achim Schwarzkopf: Wir bezeichnen Eppelein als asozialen Volkshelden, asozial in einer asozialen Welt. In unserer Inszenierung ist er jemand, der sich auflehnt, weil er findet, dass es in der Welt zu ungerecht zugeht. Gegen diese Ungerechtigkeit geht Eppelein vor und versucht den Armen zu helfen. Einer seiner Sätze lautet zum Beispiel: „Seit Adam sind alle Menschen miteinander verwandt, nur die Erbschaft ist ungleich verteilt worden.“

Und wie viel Eppelein steckt in Achim Schwarzkopf?

Schwarzkopf: Es steckt schon auch was von diesem Eppelein in mir. Im echten Leben besitze ich eine Reitschule. Auch dort soll es gerecht zugehen. Gerecht, in dem Sinne, dass jeder zu seinem Recht kommt. Kinder zum Beispiel dürfen bei uns Kinder bleiben und auch mal rumschreien.

Welche Szene spielen Sie am liebsten?

Schwarzkopf: „Ach leckt mich doch alle am Arsch!“, antwortet Eppelein den überheblichen Patriziern, als sie den zum Tode Verurteilten nach seinen letzten Worten fragen. Das ist mein Lieblingssatz, der übrigens Geschichte gemacht hat. Eppeleins Urururenkelin heiratete später Götz von Berlichingen, dem Goethe die Worte „er kann mich im Arsche lecken“ zuschrieb. Meine Lieblingsszene ist die, in der ich als Eppelein Agnes den Brautkuss raube.

Bevor Sie 2005 in Burgthann Ihre Karriere als Eppelein begannen, spielten Sie in Altdorf den Wallenstein. Haben Sie überhaupt noch Lampenfieber?

Schwarzkopf:

Nein, nie. Nur Herzklopfen. Aber erst zehn Sekunden, bevor ich auftrete. Ich stehe ja schon seitdem ich 16 bin auf der Bühne. Zur Schauspielerei bin ich durch meinen Vater gekommen. Der spielte 1972 in Rothenburg ob der Tauber in „Wallensteins Lager“. Kurz vor der Premiere fiel der Darsteller, der den Soldatenjungen spielte, aus und der Regisseur fragte mich, ob ich einspringe. Seitdem hatte ich einige Hauptrollen. Heute springe ich oft direkt vom Pferd ins Kostüm und fahre zum Auftritt nach Altdorf.

Am Sonntag, zur letzten Vorstellung der Saison, wird die Schirmherrin der Festspiele, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, noch einmal zu Gast sein. Welches Anliegen würden Sie als Eppelein, der sich für die kleinen Leute stark macht, Barbara Stamm mit nach München geben? Wofür würde er sich heute einsetzen?

Schwarzkopf:

Als verarmter Raubritter kämpfte Eppelein von Gailingen für mehr Gerechtigkeit. Heute sind die Zeiten ganz andere. Vieles hat sich geändert. Aber auch heute, in unserer reichen Gesellschaft ist Armut noch ein großes Thema. Ich würde Barbara Stamm den Kampf gegen Armut als Anliegen an die Politik mitgeben.

Interview: Julia Hornung

Karten für die Vorstellungen am Freitag und Samstag gibt es unter der Tickethotline 09183 40123, im Rathaus Burgthann in Zimmer 5 und in der Burg jeweils vor den Aufführungen von 18.30 bis 19.45 Uhr. Die Vorstellung am Sonntag ist ausverkauft. Samstag um 17 Uhr wird im Rahmenprogramm nochmals die Eppelein-Kantate von Lorenz Winter aufgeführt. Hier ist der Eintritt frei.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung