Freiluft-Jazz in der Burgthanner Burg

BURGTHANN – Das dreitägige Open-Air-Festival der Burgthanner Jazzer im alten Hof der Burg Burgthann steht wieder vor der Tür und es ist den Managern dieses außergewöhnlichen Vereins wieder gelungen, neun hochkarätige Formationen zu engagieren, die vom 1. bis 3. Juli dafür sorgen werden, dass die Ruine bebt.

 Die zahlreichen Besucher sitzen im Burghof unter aufgespannten Fallschirmen, die sich leicht im Wind bewegen und als Schattenspender dienen. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im überdachten Rittersaal statt.
Zu sehr zivilen Preisen werden Speisen und Getränke angeboten, der Stimmung muss man nicht auf die Sprünge helfen, die von Anfang an gut, was nicht nur am besonders reizvollen Ambiente liegt – wo gibt es schließlich einen charismatischeren Veranstaltungsort als auf der alten Burg –, sondern auch an dem ausgewogenen Programm. Denn die Verantwortlichen des Jazz- und Kulturvereins zeigen nicht nur ein Herz für puristische Jazzfreunde, sondern auch für die Liebhaber von Swing, Bigband-Sound, Blues, Funk, Weltmusik und andere stilistische musikalische Spielarten.

 Wie immer beginnt das Festival mit modernem Spitzenjazz aus Tschechien, und wie schon oft wird der Ausnahmemusiker Milan Svoboda mit seinem Quartett auf die heißen Musiktage in Burgthann einstimmen. Am Freitag, 1. Juli, erlebt man die vier Musiker aus Prag ab 20.30 Uhr im großen Burgkeller. Milan Svoboda absolvierte das Prager Konservatorium in der Orgelklasse, studierte Musik an der Prager Charles Universität, Komposition an der Prager Musikakademie und im Berklee College of Music in Boston. 1974 gründete er sein erstes Jazz-Orchester, die Prager Big Band, die sich selbst einen Namen in der Geschichte des Tschechischen und Europäischen Jazz machte. Er leitete die gemeinsame „Tschechisch-Polnische Big Band”, die aus den besten Solisten beider Nationen bestand. Danach gründete er das junge, kreative Jazz-Orchester „Contraband” und ein eigenes Quartett.

Den Freiluftauftakt im Hof macht traditionsgemäß das örtliche Soundorchester am Samstag, 2. Juli, um 15 Uhr. Unter der Leitung von Eddie Feil bekommen die Zuhörer Bigband-Sound vom Feinsten auf die Ohren. 1998 startete die Band mit 16 jungen Musikern ihre Karriere und hat seitdem ihr Repertoire stetig ausgebaut und ihr Niveau gesteigert. Mittlerweile ist sie auf über 100 Musiker angewachsen.

Die FunkAholics spielen ab 16.30 Uhr Old-School Funk und rockigen Soul mit einer leckeren Prise Jazz. Sie liefern energiegeladene Musik zum Grooven und Abtanzen. Ihre besonderen Kennzeichen sind drei hervorragende Sängerinnen mit langjähriger Band- und Bühnenerfahrung in den unterschiedlichsten Bands.
Für einen bluesigen Einschlag sorgen dann die fünf Musiker der Gruppe Van Bluus, auch sie teils Lokalmatadoren mit einem Sänger aus dem Burgthanner Ortsteil Unterferrieden. Sie sind in der Szene längst keine Unbekannten mehr. Die Band existiert seit 1981. Obwohl die Besetzung viele Male gewechselt hat, ist der Stil gleich geblieben: mitreißende, blues-orientierte Musik mit Rock- und Jazz-Einflüssen. Der Höhepunkt ihrer Laufbahn war die Zusammenarbeit – live und im Studio – mit der britischen Rock-Legende Kevin Coyne. Zu hören gibt es ab 18.30 Uhr Cover-Versionen von bekannten und weniger bekannten Blues-Titeln, aber immer mit eigener Note, garniert mit ein paar Eigenkompositionen. Zum Repertoire gehören unter anderem Stücke von Gary Moore, Eric Clapton, The Commitments, Jeff Healey, Stevie Ray Vaughan, B.B. King, Popa Chubby, Elvis Costello.

Den Abschluss am Samstag bildet die Masha Bijlsma Band gegen 20.30 Uhr. Die Jazzer um die holländische Sängerin Masha Bijlsma verfügen über eine große Stil- und Ausdrucksweise, charakteristisch für die Sängerin ist ihre bluesige Klangfarbe und die üppige Sinnlichkeit in der Stimme. Gesangliche Klasse, Beständigkeit, Individualität vereint sie wie nur wenige Jazz-Sängerinnen weißer Hautfarbe. Neben gelegentlichen Ausflügen in das Melodiöse der Chanson- und Popwelt bilden Jazzstandards und eigene Kompositionen den Großteil ihres Repertoires, zu dem unter anderem Nat Adderleys guter alter „Work song“, Coltranes „Africa“ oder Monks „Suddenly“gehören.

Dixie-Start in den Sonntag

Am Sonntag, 3. Juli, stimmt ab 11 Uhr das Collegium Dixicum die Besucher bei Weißwurst und Brezen mit einem Dixiefrühschoppen auf das Tagesprogramm ein. Trotz des akademisch klingenden Namens ist dieKapelle kein Kammermusik-Kränzchen, sondern eine Jazzband, die bereits seit Jahrzehnten im bayerischen Raum, und hier vor allem in Mittelfranken, aktiv ist. Die Bandmitglieder sind alles Musiker mit langjähriger Jazz-Erfahrung, die sich als „knallharte Kämpfer für einen heißen, swingenden Jazz“ verstehen. Ob Dixieland, Swing, Blues oder Mundart-Jazz, überall ist die Band mit ihren ausgefallenen Arrangements zu Hause.

Anschließend gegen 14.30 Uhr führt das Stefan Grasse Quartett die Zuhörer an die Strände und Bars Südamerikas. Der Gitarrist und Bandleader Grasse hat sich seit vielen Jahren einen hervorragenden Ruf in der deutschen Musikszene erspielt. Frisch und nuancenreich erklingen die Bossa Novas der Copacabana, die Tangos der Bars von Buenos Aires, die Boleros der Altstadt Havannas, die Valse Musettes der Pariser Cafés und die andalusisch inspirierten Flamencorhythmen. Selten bekommt man so intensiv und so phantasievoll arrangiert diese Musik von beiden Seiten des Atlantiks dargeboten. 

Justyn Tyme sorgt ab 14.30 Uhr mit Instrumenten wie Berimbau, Kalimba, Udu und „Dreampipe“ für neue Töne. Die Musiker verbinden europäische und afrikoamerikanische Musikstile zu ihrer eigenen Form der Weltmusik. Justyn Tyme wurde 1991 in München gegründet und hat seither mehr als 300 Konzerte gegeben. In Projekten arbeitete die Band mit Musikern verschiedener Stilrichtungen zusammen, so mit afrikanischen Trommlern oder mit akustischer Gitarre, Cello und Akkordeon, um zu Lernen und neue Sounds zu entdecken. Die Vielfalt an Klängen und Rhythmen, der Raum für Improvisation sind das musikalische Programm.

Den Abschluss des Festivals bildet in diesem Jahr One Step Closer. Die fünf Musiker haben sich dem Funk & Soul der 70er und 80er Jahre verschrieben. Sie übernehmen heuer die Aufgabe, die Besucher und Helfer zum traditionellen Abschlusstanz zu animieren. One step closer bietet ein Programm, das unweigerlich in die Beine geht: Songs von Stevie Wonder, Commodores, Cameo, Roachford, Jamiroquai und vielen anderen Billboard-Chartbreakern ergeben zusammen mit alten Soul Klassikern wie Otis Redding und Marvin Gaye eine unentrinnbar tanzbare Nacht abseits von Mainstream und Top-40-Attitüden.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler