Glänzende Festspiel-Premiere am Samstagabend in der Burgruine

Eppelein-Erfolgs-Story wird weitergeschrieben

Eppelein weiß sich zur Wehr zu setzen – hier gegen einen betrügerischen Geldwechsler, der es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt. | Foto: Gisa Spandler2017/07/eppelein1.jpg

BURGTHANN – Wenn selbst der Regisseur bekennt, dass er mit der Aufführung „absolut perfekt zufrieden“ war, die Darsteller bei den imaginären Vorhängen strahlen und das Publikum nicht mehr aufhören mag zu applaudieren, dann darf man eine Vorstellung als gelungen bezeichnen. So wie die Premiere am Samstagabend, als die Eppelein-Festspiele mit einer teilweisen Neuinszenierung in der Burgthanner Burg in die fünfte Runde unter Spielleiter Helmut Buchner gingen. Falls sich dieses Niveau halten lässt – zu toppen ist es ohnehin nicht mehr – wird die Erfolgsstory des Festspiels heuer weitergeschrieben. Doch Bühnenkünstler sind eine abergläubische Spezies und noch sechs Aufführungen stehen bevor… Das Wetter ist halt ein Wackelkandidat.

Fast vollbesetzt war die neue Tribüne, die ein wenig verkleinert werden musste wegen der Umverlegung einzelner Szenen aufgrund der neuen Brandschutztreppe. Der Spielort Balkon wurde eingeschränkt und die Szenen darunter mussten an anderer Stelle im Hof stattfinden, doch Spielleiter Buchner nahm die Herausforderungen an und entdeckte charmante Lösungen. Landrat Armin Kroder fand gar, die Neuinszenierung sei eine Verbesserung. Er und zuvor Bürgermeister Heinz Meyer lobten das Engagement der Beteiligten auf humorvolle Weise und Meyer dankte insbesondere der Fördergemeinschaft Burg Burgthann, die als Veranstalter im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

Als kleine optische Rahmenhandlung hat man den Strauchdieb Eppelein zu Beginn und am Ende auf den Balkon verbannt, wo er jeweils die lauteren Motive für sein Vorgehen benennt und sich der Vorwürfe, ein einfacher Raubritter zu sein, erwehrt. Das Bänkelsänger-Duo und das traditionelle Mittelalter-Ensemble Collegium Patriciorum unter der Leitung von Bernd Fellmann erläuterten die Szenen und setzten passende musikalische Akzente.

Besonders engagiert

An vielen kleinen Details ließe sich dokumentieren, dass die große Mimentruppe ein besonders engagiertes Völkchen ist, dessen Leistung weit über die einer Laienschauspielgruppe hinausweist. Dass die tragenden Rollen, allen voran natürlich die schillernde Hauptfigur des Eppelein (Achim Schwarzkopf) und seine Agnes (Sandra Thaller) in ihren Parts aufgehen, ist seit je so, dass aber auch die Schauspieler jeder noch so kleinen stummen Rolle zu jedem Moment hundertprozentig präsent auf der Bühne sind, ist auffällig und macht – zusammen mit dem einzigartigen, perfekten Ambiente – das ganze Eppelein-Unterfangen so stimmig und rund.

Natürlich liegt dieser Eindruck auch an der gründlichen Arbeit des Regisseurs Buchner, seines Assisenten Robert Schuster und seiner Inspizientin Sigrid Gilgert. Ebenso an der Konzeption des Stücks durch den Autor Werner Müller, der die tragikomische Komponente der 17 Aufzüge in fast jeder Szene zum Ausdruck bringt. So steht in der ersten Hälfte des Schauspiels mehr der Schelm Eppelein mit seinen Streichen im Vordergrund (nach wie vor Highlights: das Wunder mit dem Bettelmönch, die Episode mit dem Geldwechsler und der dreifache Eppelein), während in den letzten Szenen eher die sozial-kritische Komponente und schließlich Eppeleins persönliche Tragik zum Tragen kommen.

Natürlich kommen auch etliche lokale Anspielungen nicht zu kurz, etwa wenn Landrat Kroder erwähnt wird, und selbstverständlich wird immer wieder auf die Örtlichkeit Bezug genommen, was beim Publikum besonders gut ankommt. Die Sticheleien, die die Stadt Nürnberg zum Ziel haben, haben ihren Ursprung natürlich in den historischen Gegebenheiten, denn die Unsympathen in diesem Stück sind eben nicht die Strauchdiebe und Raubritter, sondern die hochnäsigen Nürnberger Patrizier, die den Bauern ihr letztes bisschen Geld aus der Tasche ziehen.

Nürnberger verspottet

Kein Wunder, dass sich das Gefrotzel und der Spott gegen die nahe Stadt richtet, so dass auch am Ende der Amtmann von Burgthann beruhigt, als man ihn warnt, er solle den gefangenen Eppelein nicht entwischen lassen: „Keine Angst, uns entkommt er nicht, wir sind ja keine Nürnberger.“ Und ganz konkret wird dies vom Protagonisten in seinen letzten Worten angesprochen, als er in beinahe verklärender Weise vom Balkon noch einmal auf seine Rolle als gutherziger fränkischer Robin Hood verweist: „Und so müsst ihre mich im Gedächtnis behalten, besonders hier auf der Burg Thann, wo ich meine letzte Nacht verbracht habe.“

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