SPD lud zur Diskussionsrunde mit Christian Nürnberger

Braucht Moosbach einen Dorfladen?

Inge Jabs, Klaus Pfund, Christian Nürnberger und Gerlinde Kotzur (von rechts) leiteten die Diskussion um einen Dorfladen in Moosbach. Foto: Degenhardt2013/08/dorfladen_moosbach.jpg

MOOSBACH – Mit einer Diskussionsrunde wollte die SPD das Projekt Dorfladen in Moosbach anstoßen. Christian Nürnberger ergriff Partei für das Vorhaben. Doch es wurden auch einige kritische Stimmen laut.

Das evangelische Gemeindehaus in Moosbach platzte aus allen Nähten. Viele Bürger, Mitglieder der SPD und Vertreter der Bürgerinitiative gegen den Bau einer geplanten PWC-Anlage waren gekommen, um Christian Nürnberger, SPD-Direktkandidat für den Bundestag, bei seinen Ausführungen zu lauschen und mitzudiskutieren über das Projekt Dorfladen.

Der gebürtige Schönfelder zeigte sich dann auch gleich sehr engagiert. „Lasst uns sofort den Dorfladen gründen!“, eröffnete er seine Rede für einen Laden im Herzen Moosbachs. Positive Beispiele gibt es in der näheren Umgebung. Um das den Bürgern zu zeigen, war Klaus Pfund, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft des Dorfladens in Schönberg, zu Gast. Seit einem Jahr funktioniert dort das Konzept. Nürnberger hält einen Dorfladen für notwendig, denn wenn es keine Einkaufsmöglichkeit am Ort gäbe, würden die jungen Leute abwandern und der Ort aussterben. „Man muss dafür sorgen, dass wieder Leben reinkommt“, so der SPDler. Eine Genossenschaft hält er für die einzig richtige Finanzierungs- und Organisationsform, denn „sie will nicht aus Geld mehr Geld machen, sondern Probleme lösen.“ Die Bürger müssten anfangen, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln.

Nürnberger gab auch gleich einige Tipps, wie ein solches Konzept zum Erfolg werden kann. „In Schönberg kann man Produkte aus der Region kaufen.“ Zur Untermalung erzählte er, dass er kürzlich im Discounter Flusskrebse gekauft hat. Auf der Verpackung war ein Nordseekutter abgebildet, das Kleingedruckte hat jedoch offenbart: Die Tiere stammen aus China. „Das Skandalöse ist, dass die Politik das nicht verbietet, sondern den Betrug legalisiert“, klagte er an. Es sei wichtig, dass das Geld in der Region bleibe. „Die regionale Wirtschaft ist ein Gegenmittel zum internationalen Finanzkapitalismus“, ließ der SPDler verlauten.

Klaus Pfund legte das Konzept, auf dem der Schönberger Dorfladen basiert, dar. Von Anfang an nahm er den Anwesenden alle Illusionen: „Es kostet Sie einige Mühe und Sie werden manchmal darüber verzweifeln.“ Ein Dorfladen müsse überparteilich entstehen. Er legte den Moosbachern ans Herz, sich einen Berater zu suchen, der eine Marktumfrage erstellt. Erst dann sei klar, ob ein Dorfladen überhaupt realisierbar sei. Außerdem gab er Tipps und Tricks, wie man einem kleinen Supermarkt ein Alleinstellungsmerkmal verpasst. Schnell wurde jedoch klar, dass solche Anregungen in Moosbach noch lange nicht Thema sind, denn die Veranstaltung sollte lediglich ausloten, wie es um das Interesse der Moosbacher an einer Grundversorgung im Ort bestellt ist.

Deshalb entbrannte sogleich eine hitzige Diskussion. Größter Kritiker der Idee Dorfladen war Gudbrand Schöning. Er erinnerte an den Laden, den es einmal in Moosbach gegeben hat. „Die Tante-Emma-Läden sind tot, weil der Wettbewerb sie verdrängt“, sagte er. Schon einmal hat das Konzept nicht funktioniert, denn die Leute hätten in Moosbach nur das gekauft, was sie woanders vergessen hatten. Schöning warf viele Fragen auf, darunter welche Kundschaft man generieren könne, ob diese ausreiche und welcher Umsatz realistisch sei. Er bat darum, diese zu bedenken. Seine Kritik stieß auf Unmut bei den Anwesenden. Auch SPD-Mitglied Ralf Kempa lehnte die Idee ab: „Wenn man Räumlichkeiten pachten muss, ist das ganze sowieso eine Totgeburt.“

„Das soll ja nur ein Anstoß sein, die Bürger entscheiden letztendlich“, meinte Inge Jabs von der SPD Feucht. Eine junge Mutter ergriff Partei für die Idee. Sie sei mit ihrer Familie erst kürzlich nach Moosbach gezogen und ihre Kinder hätten geweint, als der Bäcker dicht gemacht habe, weil sie keine Semmeln mehr holen konnten. Der Großteil der Anwesenden sprach sich für einen Dorfladen aus. Thomas Otto aus Burgthann kann sich bei 1300 Einwohnern in Moosbach nicht vorstellen, dass er irgendwann pleite gehe. Ernst Bergmann, Spitzenkandidat der SPD bei der Landtagswahl nahm die Kommune in die Pflicht. „Am Anfang steht die Notwendigkeit. Die Bedarfserhebung muss die Kommune leisten.“ Ferner gab Jabs zu bedenken, dass das einzig sinnvolle Finanzierungsmodell eine Genossenschaft sei.

Nach einer gut einstündigen Diskussion sind noch viele Fragen ungeklärt. Gibt es überhaupt passende Räumlichkeiten? Wie viele Menschen werden das Angebot nutzen? Welche Produkten kann man anbieten, um die Kundschaft zu binden? „Man braucht jemanden, der eine Idee entwickelt und sich dafür sehr engagiert“, sagte Pfund anfangs. In der Moosbacher Runde meldete sich keiner, um diesen Part zu übernehmen. Ohne Ehrenamtliche sei das Projekt jedoch nicht zu stemmen.

Große Fortschritte ergab das Treffen also nicht. Um am Ende der Veranstaltung doch Ergebnisse vorweisen zu können, gab es eine Abstimmung . Fast alle Anwesenden waren für den Dorfladen – nur Schöning enthielt sich. Letztendlich hängt die Verwirklichung jedoch von den Moosbachern ab.

N-Land Luisa Degenhardt
Luisa Degenhardt