AWO-Standort Mimberg

„Als Pflegeeinrichtung erhalten“

Der Gesetzgeber fordert ein hohes Niveau für Pflegeinrichtungen, so dass die Verantwortlichen des Rudolf Scharrer Heims mittelfristig nachlegen müssen. | Foto: Gisa Spandler2019/10/Mimberg-Awo3.jpg

MIMBERG – Die Senioren-Einrichtung Rudolf Scharrer der AWO in der Burgthanner Straße in Mimberg ist in die Jahre gekommen. Mittelfristig muss sich etwas ändern, damit die hohen Standards, die der Gesetzgeber vorgibt, eingehalten werden, ist man sich in Vorstand und Präsidium klar.

Im Augenblick befinden sich die Verantwortlichen im Entscheidungsprozess, ob und welche Gebäude saniert werden können und was mit den weiteren Flächen des AWO-Grundstücks geschehen soll, die sich insgesamt auf 11000 Quadratmeter ausdehnen und für das Heim längst nicht alle gebraucht werden. Das weitere Vorgehen kann nur in enger Abstimmung mit der Gemeinde Burgthann stattfinden.

Bereits Ende August hatte sich der Kreisverband mit der Bitte an den Burgthanner Gemeinderat gewandt, den Flächennutzungsplan zu ändern, so dass auf den Grundstücksflächen, die für den Erhalt beziehungsweise einen Ersatzneubau des Heims nicht nötig sind, eine weitere Nutzung möglich wird. Denn im Plan ist das Areal als Sondergebiet für Gebäude ausgewiesen, die sozialen Zwecken dienen.

Sollte man sich bei der Arbeiterwohlfahrt dazu entschließen, den Weg frei zu machen für normale Wohnbebauung, dann müsste das Gelände in ein Allgemeines Wohngebiet umgewidmet werden. Was tatsächlich mit den Flächen einmal geschehen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch offen, betonen Christian Fügl, der Vorstandsvoritzende des Kreisverbands, und Manfred Neugebauer, Vorsitzender des Präsidiums der Nürnberger Land-AWO.

In der Gemeinderatssitzung war das den Bürgervertretern offensichtlich nicht so klar, denn damals forderten sie mehr Info-Material zu den Plänen der Organisation. Mittlerweile ist man in Gesprächen und hat Kenntnis davon, dass Wohnbebauung bei den Vorstellungen der AWO eine wichtige Rolle spielt.

Gravierender zeitlicher Druck

Der Gesetzgeber schreibt ein neues höheres Niveau für Pflegeeinrichtungen vor, und das Mimberger Heim – wie zahlreiche andere Einrichtungen – muss diese Vorgaben mittelfristig umsetzen. Zwar gibt es keinen gravierenden zeitlichen Druck, weil das Landratsamt noch Ausnahmegenehmigungen ausstellt, doch existieren Übergangsfristen für die Betreiber und die Notwendigkeit, sich um die Zukunft des Standortes Gedanken zu machen. Hier werden Fügl und Neugebauer deutlich: „Wir wollen den Standort Mimberg als Pflegeeinrichtung erhalten.“

Nachgebessert werden muss im Bereich Barrierefreiheit, generell sind größere Räume gefragt, bemängelt wurde auch die Form der Treppen in den Gebäuden und die Nachfrage nach Einzelzimmern steigt und kann nicht mehr befriedigt werden. Wer die drei Bestandsgebäude kennt, sieht es ohnehin: Eines ist so gut wie stillgelegt, ein weiteres ist ebenfalls nicht mehr wirtschaftlich zu erhalten, lediglich beim dritten ist es sinnvoll, eine Sanierung vorzunehmen. Die logische Konsequenz ist ein zusätzlicher Ersatzneubau, um einen wirtschaftlichen Betrieb mit insgesamt 80 bis 100 Einheiten zu ermöglichen.

Fügl weiß, dass das Bekenntnis zum Mimberger Standort auch ein Angebot an die Gemeinde ist, die freilich erst die Voraussetzungen für das weitere Prozedere schaffen muss. Daher der Antrag, einen Teil der Flächen in ein Allgemeines Wohngebiet umzuwandeln, da die derzeit bestehende Gesamtfläche nicht mehr in ihrer Gesamtheit für eine Pflegeeinrichtung benötigt wird. Der Gemeinde ging das alle zu schnell. Als bekannt wurde, dass sich bereits ein Architekt mit der Bebauung dieser Flächen beschäftigt hat, noch bevor die rechtlichen Grundlagen dazu geschaffen waren, kam das gar nicht gut an.

Gedankenspiele des Planers

Bei der AWO rudert man deshalb zurück und betont, dass es sich bei den Plänen, die seit geraumer Zeit im Foyer des Heims aushängen, nur um völlig unverbindliche Gedankenspiele eines Planers handelt. Der hatte versucht, möglichst viel Wohnraum zu generieren und unter anderem 24 Reihenhäuser entworfen. Das Aushängen im Heim sei in erster Linie für das Personal gedacht gewesen, dem signalisiert werden sollte, dass man sich um die Zukunft Gedanken macht.

Eine teils negative Reaktion auf die Skizze gab es nicht nur im Burgthanner Rathaus, wo Bürgermeister Heinz Meyer darauf hinweist, dass man schließlich erst planen kann, wenn ein Bebauungsplan aufgestellt ist, der im übrigen auch die umliegenden Bestandsgrundstücke erfasst, sondern auch im AWO-Präsidium, wo manche die angedachte Bauweise für zu dicht halten. Dies spiele aber keine Rolle, da es sich ja keineswegs um ein offizielles Papier handelt, findet Manfred Neugebauer. Zwar wünsche man sich Wohnbebauung, was man auch dem Bürgermeister mitteilte, aber in welcher Form die realisiert wird – ob als betreutes Wohnen oder als Mitarbeiterunterkünfte – ist nach wie vor offen.

Blick in die Zukunft

Wichtig ist den AWO-Funktionären, dass keineswegs geplant ist, alles zu veräußern, den Standort dicht zu machen, möglichst viel Geld aus dem Verkauf mitzunehmen und das in ein anderes Projekt außerhalb der Kommune zu stecken. Denn es ist auch in Burgthann bekannt, dass der Kreisverband in Berg eine große Einrichtung plant. Neugebauer ist optimistisch, was den weiteren Verlauf der Verhandlungen angeht. „Was in der Gemeindratssitzung angeregt wurde, sollte der Start für weitere Gespräche sein, mit der Verwaltung, den Fraktionen und den Anliegern“, blickt er in die Zukunft.

Bürgermeister Meyer spricht von einer Bauleitplanung als nächstem Schritt, nachdem die AWO der Verwaltung nun ein Wunsch-Konzept mit Wohnbebauung unterbreitet hat, also eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans für den Bereich. Ganz wichtig ist ihm, dass auch berücksichtigt wird, dass Anlieger der AWO-Grundstücke dort Flächen haben und größer bauen wollen. In diesem Sinne hat der Gemeinderat bereits einen Beschluss gefasst: „Wir werden uns mit einem Fachmann darum kümmern, das gesamte Gebiet aufzuplanen.“ Und auch er hält wie die Herren Fügl und Neugebauer fest: „Ich lege großen Wert auf ein Seniorenheim in zeitgemäßer Form.“

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler