Nach schwerem Unfall in den USA endlich zu Hause

Welcome home, Katharina

Monatelang war Katharina Preu in den USA im Krankenhaus, immer wieder musste sie sich Operationen unterziehen. Jetzt ist die 28-jährige Altdorferin zurück in der Heimat. | Foto: privat2021/02/Altdorf-Katharina-Preu-Rueckkehr.jpg

ALTDORF. Vier Monate nach ihrem schweren Motorradunfall in den USA ist die Altdorferin Katharina Preu wieder zuhause. Das Nürnberger Flugunternehmen FAI hat den Rücktransport durchgeführt. Jetzt sucht die Familie nach einer geeigneten Reha-Stelle.

Die emotionale Achterbahnfahrt der Familie Preu aus Altdorf hat ein Ende: Vier Monate nach ihrem folgenschweren Motorradunfall in den Vereinigten Staaten von Amerika ist Tochter Katharina zurück in Deutschland. Am 10. Oktober 2020 war Preu, die seit vielen Jahren in den USA lebt und dort ein Studium zur Krankenschwester absolviert, in den Canyons nahe Utahs Hauptstadt Salt Lake City auf dem Heimweg gestürzt.

Ein Auto hatte die Fahrspur gewechselt, beim Versuch zu bremsen kam Katharina Preu von der Spur ab, stürzte und zog sich trotz Helms schwerste Kopfverletzungen zu. Rund 45 Minuten später wurde die bewusstlose Altdorferin bereits in den Operationssaal gebracht – es sollte nicht die einzige Operation in den folgenden Monaten bleiben.

Immer wieder mussten die Ärzte in der Folge die 28-Jährige operieren: Um den Hirndruck zu mindern, wurde ein Stück des Schädelknochens entfernt, die Ärzte legten sie für einige Tage in ein künstliches Koma. Die Hirndrainage wurde durch einen sogenannten Shunt ersetzt, der helfen sollte, den Hirndruck auf einen Normalwert zu reduzieren. Darüber hinaus wurde ein Luftröhrenschnitt gesetzt und ein Nahrungsschlauch durch die Bauchwand gelegt. „Die Ärzte sagen, dass wir sehr viel Zeit und Geduld brauchen und uns nicht von den ständigen Höhen und Tiefen beunruhigen lassen sollen“, teilte die Familie damals mit.

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Crowdfunding für Ambulanzflug

Doch nicht nur der Gesundheitszustand ließ einen Rücktransport lange Zeit nicht zu, auch die Finanzierung eines Ambulanzfluges gestaltete sich zu Beginn äußerst schwierig. Da sie aufgrund ihres jahrelangen Aufenthalts in den USA über keine Krankenversicherung in Deutschland verfügt, gab es keinen Träger, der die Kosten zwischen 70 000 und 100 000 Euro übernehmen konnte. Also starteten die Preus eine Spendenaktion: Auf einer Onlineplattform schilderten sie Katharinas Schicksal und richteten ein Spendenkonto ein – mit großem Erfolg: Innerhalb kurzer Zeit waren bereits über 50 000 Euro zusammen und die Hürden für den Ambulanzflug deutlich kleiner.

Nachdem sich dann auch noch das Nürnberger Flugunternehmen FAI einschaltete und Unterstützung anbot, schien die Odyssee der Familie endlich ein Ende zu haben. „Unser ursprüngliches Angebot war auf eine kleinere Maschine, einen Learjet 60, bezogen. Als Entgegenkommen haben wir der Familie Preu aber ein kostenloses Upgrade auf eine größere Maschine, die Challenger 604, angeboten“, bestätigte Martin Muehlmeyer, Vorstand des operativen Geschäfts bei FAI, Ende Dezember.

Doch erneut war es der schlechte Gesundheitszustand, der einen Rücktransport verhinderte. „Wir sind einmal pro Woche in den USA und sagen der Familie Preu immer Bescheid, wenn wir wieder vor Ort sind. Bislang hat ihr medizinischer Zustand einen Transport allerdings verhindert“, beschrieb Muehlmeyer die Situation.

Seit Donnerstag in Nürnberg

Vergangene Woche dann die erlösende Nachricht der Ärzte: Katharinas Gesundheitszustand ist soweit stabil, einem Rücktransport nach Deutschland steht nichts mehr im Weg. „FAI hat dann kurzfristig versucht, uns einen Flug zu organisieren. Am Montag haben wir die Nachricht erhalten, dass eine Maschine aus Nürnberg in die USA fliegt und sie am Mittwoch nach Hause bringen kann“, blickt Bruder Julius Preu auf die vergangenen, ereignisreichen Tage zurück.

Seit Donnerstag hat Katharina Preu nun also wieder deutschen Boden unter den Füßen, aktuell befindet sie sich im Klinikum Nürnberg. „Jetzt sind wir dabei, eine geeignte Reha-Stelle für sie zu finden, damit die Behandlung so schnell wie möglich fortgesetzt werden kann“, erklärt ihr Bruder.

Weiterhin an ihrer Seite ist nach wie vor Mutter Frederike. Sie verbrachte einen Großteil der Zeit vor Ort in den USA und begleitete ihre Tochter im Flugzeug zurück in die Heimat. „Die beiden wurden Corona-bedingt erst einmal isoliert, obwohl ein negativer Test vorliegt. Aber das ist ganz normal“, weiß Julius Preu, der es kaum erwarten kann, seine Schwester wieder in die Arme nehmen zu können.

Dank an Unterstützer

Noch einmal nutzt der in Österreich lebende Bruder die Möglichkeit, sich im Namen der gesamten Familie bei allen Unterstützern der Rückholaktion zu bedanken. „Ein herzliches Dankeschön für die ganzen Spenden, für die Menschen, die uns geholfen, unterstützt und den Weg etwas einfacher gemacht haben. Für die lieben und tröstenden Worte und Gesten, die wir in den letzten Monaten bekommen haben.“ Verläuft die Quarantäne problemlos, ist die Altdorfer Familie schon bald wieder vereint.

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