Wirte begrüßen EU-Vorschlag

Wasser für den König

Solange es nicht überhand nimmt, gibt Restaurant-Betreiberin Jaqueline Bellmann gern kostenlos Leitungswasser an ihre Gäste aus. | Foto: Magdalena Gray2020/01/Feucht-Bellmann-Leitungswasser-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Europäische Union arbeitet an einer neuen Trinkwasserrichtlinie, die unter anderem Gastronomen empfiehlt, Leitungswasser kostenlos an Gäste auszuschenken. Gastwirte im Landkreis sehen dem gelassen entgegen.

Ein kostenloses Glas Leitungswasser zum Café, zum Wein, zum Schnitzel – für die meisten Gastronomen im südlichen Nürnberger Land ist das eine Selbstverständlichkeit. Gelassen sehen sie einer derzeit im EU-Parlament diskutierten Richtlinie entgegen. Ziel der Parlamentarier ist es, Menschen damit den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu erleichtern und gleichzeitig die Verwendung von Kunststoff-Trinkflaschen zu verringern. Ein wichtiger Bestandteil ist die Forderung, Mitgliedsstaaten sollen „die Bereitstellung von Trinkwasser in Restaurants und Kantinen kostenlos oder gegen eine geringe Servicegebühr fördern“.

Sollen wohlgemerkt, nicht müssen. Deutschlandweit hat dies trotzdem zu Aufruhr in der Gastronomie geführt. In den Tagesthemen, verschiedenen Zeitungen und Internetportalen machen sich verärgerte Gastwirte Luft. Von „fatalen Auswirkungen“ ist die Rede. Manche sprechen gar von einem Tabubruch. Betriebs- und Wartungskosten müssten abgedeckt, Bedienungen bezahlt werden. Was kommt als nächstes? Kostenloser Espresso? Und überhaupt, kostenlos sei nur Regenwasser.

Fränkische Gelassenheit

Hans-Peter Bauer, Gastwirt und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), ist anderer Meinung. Ein kostenloses Glas Wasser zum Essen findet er unproblematisch. „Wenn einer zu Bier und Schäuferla noch was extra für den Durst braucht, ist das doch kein Thema“, erklärt er.

„Es kommt immer auf die Menge an. Wenn ein ganzer Tisch nur Leitungswasser trinkt und sonst nichts konsumiert, ist das vielleicht etwas anderes.“ Ein solches Szenario kann er sich aber schwer vorstellen. Die Befürchtung, viele Gäste könnten nur noch Leitungswasser bestellen, hält er für übertrieben.

Ähnlich sehen das auch die Gastronomen im südlichen Landkreis. „Wir haben schon immer kostenloses Wasser zum Kaffee ausgegeben. Das ist selbstverständlich“, sagt Werner Krasser, Inhaber des Altdorfer Cafés Riedner. Doris Rupprecht vom Rummelsberger Café schließt sich dieser Meinung an. „Es darf natürlich nicht überhand nehmen, dass jemand ständig kommt und nur Leitungswasser bestellt“, sagt sie. „Aber wenn der Gast noch Wasser zu Kaffee und Kuchen dazu möchte, geben wir es gern dazu.“ Im Sport Bavaria ist freies Wasser ebenfalls Gang und Gäbe. „Wir haben immer eine Kanne mit frischem Wasser und einige Gläser an der Bar stehen. Da kann sich jeder bedienen, wie er möchte“, sagt Rima Aquel.

„Der Gast ist König“

Auch aus Wirtschaften und Restaurants kommen gastfreundliche Signale für Durstige. „Der Gast ist König, klar kriegt er das“, erklärt Barbara Thorak vom Gasthaus Zur Linde in Winkelhaid. „Auch wenn jemand mal nur Leitungswasser möchte, ist das völlig okay.“ Trotz dieser Einstellung verkauft sie viel Mineralwasser, sowohl mit als auch ohne Kohlensäure. Vor Umsatzeinbußen fürchtet sie sich daher nicht.

Die Geschäftsleiterin der Feuchter Pizzeria Il Pomodore, Jaqueline Bellmann, berichtet Ähnliches. Das Restaurant kühlt das Leitungswasser sogar extra für seine Gäste und macht dennoch kein schlechtes Geschäft mit Mineralwasser, besonders im Sommer. „Die meisten Gäste bestellen eine Flasche zum Wein dazu“, sagt Bellmann.

Zum Thema Leitungswasser findet sie: „Wir sehen es nicht ganz so gern, aber wenn jemand danach fragt, ziehen wir selbstverständlich kein Gesicht.“ Die geplante EU-Richtlinie unterstützt sie: „Ich finde das schon richtig und wichtig ist. Es gehört zum guten Service dazu.“

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray