Grundschule Altdorf drängt auf Lockerungen

Masken weg, Klassenarbeit?

Als erstes sollten die Grundschüler auf Masken verzichten dürfen. Schließlich kommen Raumluftfilter zum Einsatz, man sitzt nur in halber Klassenstärke zusammen und Trennwände schützen zusätzlich, findet Schulleiterin Carola Stöhr. | Foto: Foto: Christian Schwier/stock.adobe.com2021/03/Altdorf-Grundschule-Adobe-Stock.jpeg

ALTDORF – Grundschule und Stadt warten noch immer auf eine Antwort aus München. Bereits Mitte Januar hatte man gebeten, bei vertretbaren Inzidenzzahlen
wegen umfangreicher Infektionsschutzmaßnahmen wieder in den Präsenzunterricht wechseln zu dürfen, vielleicht als Pilotversuch.

Seit über einer Woche befinden sich die Grundschüler in Bayern wieder im Wechselunterricht nach der wochenlangen Corona-Zwangspause. Ausgenommen sind jene, die in Hotspots leben, deren Inzidenzwert über 100 liegt.

Richtig fröhlich über diese Entscheidung des Kultusministeriums sind aber nur wenige. In Altdorf hatte man gehofft, wieder in einen dauerhaften Präsenzunterricht zurückkehren zu dürfen. Schließlich bietet diese Grundschule besondere Voraussetzungen in puncto Infektionsschutz. Daher hatte man sich Mitte Januar schon an das Ministerium mit der Bitte gewandt, möglichst einen dauerhaften Unterricht in der Schule zu gewähren.

Rektorin Carola Stöhr hat mit Unterstützung von Bürgermeister Martin Tabor einen Brandbrief an das Kultusministerium und das Gesundheitsamt in Lauf geschrieben und darin sowohl die Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckungen erläutert als auch ihre Motivation, den Kindern wieder Stabilität und Normalität zu bieten.

Von Lüfter bis Spucktest

Unterschiedlicher Infektionsschutz in den diversen Grundschulen müsse ja auch zu unterschiedlichen Möglichkeiten hinsichtlich der Öffnungspraxis führen, meint der Bürgermeister. Man könne doch nicht alle Einrichtungen über einen Kamm scheren. Kann man doch, findet wohl das Kultusministerium, für das es offensichtlich egal ist, ob eine Schule lediglich die fundamentalen Hygiene- und Abstandsregeln praktiziert, oder – wie die Schule an der Hagenhausener Straße – alle Register zieht, darunter mobile Raumluftfilter, Plexiglastrennwände und nun auch die kürzlich eingeführten, unterdessen aber kurzfristig ausgesetzten Spucktests, die zweimal in der Woche durchgeführt worden waren und auch bereits eine Infektion anzeigten.

Doch nicht einmal eine Bestätigung über den Eingang ihres Appells in München hat Stöhr erhalten, geschweige denn eine Antwort zur Sache. Dass da der Unmut steigt, ist verständlich. Schließlich hat man für die Filter einige Tausend Euro investiert, sowohl von Seiten der Stadt als auch von Großspendern.

„Ich verzweifle als Mutter“

Die Eltern sehen keine Licht am Ende des Tunnels. „Ich verzweifle als Mutter, die sieht, wie Kinder immer mehr Struktur verlieren, in sich gekehrt sind, traurig sind, da ihr Alltag gefühlt nur noch von Corona gesteuert ist“, schreibt uns eine dreifache Mutter, die wohl für viele andere spricht. Gleichzeitig macht sie sich Gedanken, wie der Stoff, vor allem in den wichtigen vierten Klassen, komplett vermittelt werden kann. Doch alle Planspiele und eine noch so gute Ausstattung helfen nicht, wenn das Plazet aus München nicht kommt. Und das ließ und lässt auf sich warten.

„Die ducken sich alle weg“, teilt auch Grundschulrektorin Carola Stöhr diesen Eindruck. Nachdem sie auf ihren Brief keine Antwort aus dem Kultusministerium erhalten hatte, wandte sie sich an den heimischen Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel (CSU) mit der Bitte um Unterstützung und Weitergabe ihres Anliegens im Hause.

Am 4. Februar leitete der die Anfrage weiter an Kultusstaatssekretärin Anna Stolz (Freie Wähler) mit der Bitte um „Prüfung und Stellungnahme“. Offensichtlich ist man aber vier Wochen später immer noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen, ebenso wenig im Gesundheitsamt in Lauf – bisher gibt es keinerlei Reaktionen. Während man von der Stadtspitze in Altdorf jede Unterstützung bekommt (Stöhr: „eine hervorragende Kooperation“), halten sich Gesundheits- und Schulamt zurück. Man habe hier keine Entscheidungsbefugnis, sei der Standpunkt der Behörden, so Stöhr.

Proben ohne Maske?

Resignation macht sich dennoch in der Grundschule nicht breit, wenn auch die aktuelle Situation viel Energie kostet. Die Schulleiterin wünscht sich als erstes, dass die Schüler im Wechselunterricht wenigstens die Masken abnehmen dürfen. „Wir haben mobile Raumluftfilter, Trennwände und sitzen nur in der halben Klasse zusammen, und nun sollen die Schüler Proben schreiben mit Masken“, echauffiert sie sich. Und auch das größere Ziel, einen dauerhaften Präsenzunterricht wieder aufnehmen zu dürfen, hat sie noch nicht aufgegeben. Sie setzt weiterhin auf die gute Ausstattung in den Klassenzimmern und hofft auf die ausstehende wohlwollende Entscheidung der Zuständigen – und natürlich auf stabil niedrige Inzidenzzahlen.

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