Pfarrerin und Arzt über Arbeit in Tansania

Im Advent kam der ersehnte Regen

Abschluss des Seminars über Anbaumethoden: Die Teilnehmer, darunter auch Pfarrerin Kronenberg (Mitte) erhalten ihre Zertifikate. | Foto: privat2019/12/Altdorf-Kronenberg1.jpg

HERSBRUCK – Seit März 2019 arbeiten Ursula Kronenberg und ihr Mann Werner in Tansania als Entwicklungshelfer. Die Pfarrerin, die lange in Artelshofen und Altdorf tätig war, und der früher am Hersbrucker Krankenhaus tätige Chirurg sind für die Organisation „Mission Eine Welt“ im Einsatz, eine Einrichtung der Bayerischen Landeskirche. Die Kronenbergs leben im Distrikt Njombe, im südlichen Hochland Tansanias. In einem Rundbrief an Freunde und Bekannte berichten sie von ihrer Arbeit in Ostafrika. Diesen Brief veröffentlichen wir in Auszügen:

„Es war am Abend des 28. Novembers, als Werner und ich geschützt auf unserer überdachten Terrasse saßen und wir über die Heftigkeit des ersten lang erwarteten Regens staunten. Aus der vertrockneten Erde sprießt jetzt zartes Grün. Alle Pflanzen und Bäume scheinen den Turbogang einzulegen. Dazu kommen Tausende von Insekten aus der Erde. Am Tag und besonders in der Nacht ist der Geräuschpegel enorm. Wir können nur staunen. Gestern Abend waren wir fest überzeugt, dass die Grillen, Käfer und andere Krabbler eine Band gegründet hatten, denn das Zirpen und Summen klang richtig rhythmisch.

So ist unsere Adventszeit hier eine ganz besondere. Einige wenige Kiefernzweige, die ich letztes Wochenende bei einem Besuch in Mufindi in den Bergen mitnahm, und vier rote Kerzen erinnern uns täglich daran, dass es Advent ist und wir mit großen Schritten auf Weihnachten zugehen. Was ist in den letzten Monaten passiert?

Chefarzt plötzlich tot

In Ilembula ist am 30. September Chefarzt Dr. Reuben Lulandala an einem plötzlichen Herztod verstorben, mit nur 50 Jahren. Wir vermissen ihn sehr. Das Krankenhaus hatte mit ihm eine umsichtige und erfahrene Leitung. Er hat sich auch sehr um uns gekümmert, war besorgt um unser Wohlergehen und hat sich darum bemüht, dass wir uns hier gut und schnell einleben. Er wurde uns in den letzten Monaten zu einem guten Freund.

Viele Unfälle sind zu versorgen, insbesondere Motorradunfälle. Die unfallchirurgische Ausrüstung ist nach wie vor sehr unzureichend. Nur zufällig findet man passende Platten oder Schrauben. Zusammen mit seinem tansanischen Kollegen Dr. Koshuma hat Werner schon mehrere Oberschenkel verplattet. Aber es bleibt jedes Mal ein Abenteuer, die Versorgung mit dem Fixateur extern. Urologisch zu arbeiten gehört auch zu seinen Aufgaben. So hat die Zahl der Prostataoperationen deutlich zugenommen. Seit Anfang Oktober gibt es einen neuen Arzt im Team: Dr. Shaha. Er kommt frisch von der Uni.

In Ilembula und Matema bauen wir zurzeit neue Operationssäle. Auch das ist eine große Herausforderung.

Beliebter Bischof

Am 13. Oktober wurde der neu gewählte Bischof Dr. Georg M. Fihavango in Njombe in sein Amt eingeführt. Alle tansanischen Bischöfe und viele ausländische Würdenträger und Mitarbeitende waren anwesend. Die Hoffnung vieler Christen aus der Süddiözese liegt nun auf seinen Schultern. Er ist sehr beliebt, weil er dem Kirchenvolk sehr zugewandt ist, die Nöte und Bedürfnisse sieht und offen ist für Projekte, die der Entwicklung Einzelner und der Kirchengemeinden innovativ dienlich sind. Er hat ein schweres Erbe angetreten.

Bischof Dr. Fihavango hat grünes Licht gegeben: Kuimarisha Maisha ya Sharika – Stärken des Gemeindelebens, Gemeindeaufbau und Gemeindeberatung in der Süddiözese. 43 Gemeindemitglieder ließen sich intensiv auf unser Konzept ein. Wir bekamen einen guten Eindruck von der Gemeinde und eine Idee davon, was dort an Meinungen, Wünschen und Fragen im Vordergrund steht. Für meinen Kollegen und mich war es ein sehr guter Einstieg in unsere gemeinsame Arbeit.

Zwei lange Gottesdienste

„Du kommst aus Deutschland, dem Land der Reformation und Martin Luthers, du predigst am Reformationstag!“, das war die deutliche Ansage unseres Dekans Pfarrer Mexon Mung’ongo. Der erste Gottesdienst beginnt sonntags um 7 Uhr und dauert zweieinhalb Stunden. Um 10 Uhr beginnt der zweite Gottesdienst, der schon mal drei Stunden dauert. Ein gutes Pensum für die, die ihn gestalten. Dafür gibt es Tee und Mandazi (Krapfen) zur Stärkung und ein Mittagessen zum Abschluss.

Diesen Sommer lernten wir viele neue und interessante Menschen hier in Ilembula kennen. Margarete und Mike Kern aus unserer alten Kirchengemeinde in Altdorf waren zu Besuch. Auch meine Kollegin aus Schwarzenbruck, Pfarrerin Susanne Munzert, mit Familie war da.
Dann gab es noch viele finnische und schwedische Ärzte, Schwesternschülerinnen, Pfleger, Sozialarbeiterinnen und Hebammen, die für ein paar Wochen hier im Hospital mithalfen. Zu unserer großen Freude wohnt unsere Tochter Hanna das nächste halbe Jahr „ganz nah“ bei uns, so dass uns nur 700 und nicht mehr 7000 Kilometer trennen. Sie studiert seit Oktober für ein Semester in Daressalam.“

Wer die Arbeit der Kronenbergs unterstützen möchte, kann dies über folgendes Spendenkonto tun: Empfänger: Mission Eine Welt Bank: Evangelische Bank IBAN: DE12 5206 0410 0001 0111 11 BIC: GENODEF1EK1 Verwendungszweck: Arbeitsbereich Gemeindeberatung (Ursula Kronenberg) oder Arbeitsbereich Chirurgie (Dr. Werner Kronenberg)

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