Streit um Namen für neuen Altdorfer Park

Habemus Namen

Rosenau heißt der Stadtpark auf dem Graffiti-Areal nun offiziell. Eröffnen will ihn Bürgermeister Martin Tabor im Mai. Foto: Christian Geist2021/03/Altdorf-Graffiti-Rosenau-scaled.jpg

ALTDORF – Nicht zum ersten Mal hat das Graffiti-Areal den Altdorfer Stadtrat bewegt. Doch dass am Ende einer intensiven Diskussion ein halbes Dutzend Stadtratsmitglieder den Saal verlässt und die Abstimmung verweigert, das hat es noch nicht gegeben. Nicht als Bäume, Kino und Kneipe auf dem Spiel standen. Nicht als der Kauf des Grundstücks diskutiert wurde. Und auch nicht, als über der Gestaltung des neuen Stadtparks gebrütet wurde. Die Namensgebung aber nahmen Michaela Tabor (SPD), Zweiter Bürgermeister Horst Topp (Grüne) und dessen gesamte Fraktion zum Anlass für eine Protestaktion, für die ihnen Bürgermeister Martin Tabor (SPD) möglicherweise noch ein Ordnungsgeld aufbrummen will.

Mehr als 160 Vorschläge aus der Bevölkerung waren Anfang des Jahres bei der Stadtverwaltung eingegangen. Dann setzte sich ein Gremium mit Vertretern der Fraktionen, der Altstadtfreunde, der BI Graffiti-Areal und der Verwaltung zusammen und wählte fünf Favoriten, mit Rosenau an erster Stelle (wir berichteten). Außerdem sicherten die Altstadtfreunde zu, auf einer Informationstafel das Graffiti zu würdigen.

Grüne üben Grundsatzkritik

In der Sitzung am Montag stellten die Grünen diesen Prozess der Namensfindung nun grundlegend in Frage. Horst Topp merkte an, dass 60 der eingegangenen Vorschläge einen Bezug zum Graffiti hergestellt hätten, nur 50 einen zur Rosenau. Dann verlangte er nach einer „echten Bürgerbeteiligung“ und beantragte, die Entscheidung durch eine zweite Befragung der Bevölkerung herbeizuführen. Mit Kopfschütteln reagierte Bürgermeister Martin Tabor auf diese Forderung seines Stellvertreters. Schließlich hätten die Grünen sich seit Beginn des Namensfindungsprozesses nie kritisch zum Vorgehen geäußert. „Aber jetzt ist man mit dem Ergebnis nicht zufrieden und wir sollen so lange abstimmen, bis es den Grünen passt?“, hielt er Topp entgegen und appellierte an dessen Demokratieverständnis. Den nächsten Schritt auf der Eskalationsleiter machte dann ausgerechnet Tabors Parteikollegin und Schwester Michaela. Zunächst teilte sie gegen CSU und FW/UNA aus, die für ihre Pläne eines Senioren-Luxusdomizils mit dem Bürgerentscheid im September 2017 einen politischen Denkzettel erhalten hätten. Das Graffiti-Gebäude bezeichnete sie als „Dorn im Auge der CSU“, dessen Abriss unter Vorgabe eines angeblichen Zeitdrucks bei der Vergabe von Fördermitteln herbeigeführt worden sei. Schlussendlich ging sie noch einen Schritt weiter als Topp und forderte einen Bürgerentscheid, um dem Park seinen Namen zu geben. Und sollte nicht zumindest der Antrag der Grünen angenommen werden, werde sie den Raum verlassen und an der Abstimmung nicht teilnehmen.


Eckstein verteidigt Jury-Vorauswahl

Dass die Geschichte des Graffiti an diesem Abend noch einmal aufgerollt wird, konnte Bernd Eckstein (CSU) nicht nachvollziehen. Auch er habe in seiner Jugend Zeit in Kneipe und Kino verbracht. „Aber die kulturhistorische Bedeutung ist auf eine kurze Periode beschränkt, die Rosenau war für die Altstadt über Jahrzehnte prägend“, verteidigte er den an Platz 1 gesetzten Vorschlag der Jury.
Einige mitunter emotional vorgetragene Wortbeiträge später stimmte der Stadtrat schließlich über Topps Antrag ab, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen und noch keinen Namen festzulegen. Da dieser deutlich durchfiel, verließen Michaela Tabor und alle fünf Stadtratsmitglieder der Grünen den Raum, was Martin Tabor als „fragwürdig“ und „so nicht in Ordnung“ bezeichnete. Ob er dem Stadtrat vorschlagen wird, den Sechs ein Ordnungsgeld aufzuerlegen? Da ist sich Tabor am Tag danach noch unschlüssig. Schließlich sei Wut ein schlechter Berater. Mit 9:7 stimmte der dezimierte Stadtrat letztlich für Rosenau. Nicht ausgeschlossen aber, dass am Ende Karin Völkl (SPD) Recht behält. Im allgemeinen Stimmengewirr fasste sie zusammen: „Eigentlich ist es völlig wurscht, wie wir es nennen. Die Altdorfer nennen es sowieso, wie sie wollen.“

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