Ergebnis der Bürgerbeteiligung

Graffiti-Park wird abgespeckt

Drei Varianten, eine Lösung: Die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer entschied sich für die abgespeckte Variante 1 (Mitte) ohne Blumenbeete, Rutsche und zentralen Pavillon. | Foto: WLG Wollborn LandschaftsArchitekten2019/05/Altdorf-Praesentation-Stadtpark.jpg

ALTDORF – Der Altdorfer Stadtpark auf dem ehemaligen Graffiti-Grundstück wird nicht überfrachtet mit Elementen, die das Gelände zergliedern, die nicht zueinander passen und darüber hinaus von vielen Bürgern gar nicht gewünscht werden. Das ist das Ergebnis der zweiten Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung.

Wellenrutsche und Pavillon?

Braucht man eine 20.000 Euro teure Wellenrutsche im Stadtpark? Oder einen zentral positionierten Pavillon? Und warum sollen Blühbeete quer durch die Rasenfläche angelegt werden? Außerdem: Ist der Platz für verschiedene Kunstobjekte wirklich nötig? An alledem äußerten die Altdorfer jetzt Zweifel, wohl wissend, dass in der ersten Bürgerversammlung zur Stadtparkplanung den Landschaftsarchitekten diese Vorschläge präsentiert wurden.

Martin Tabor äußerte deshalb Fundamentalkritik: „Wir hätten vorher entscheiden müssen, in welche Richtung es geht, uns fehlt ein Gesamtkonzept.“ Bernd Distler von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Graffiti kritisiert die Pläne der Landschaftsarchitekten Jürgen Wollborn und Veronika Stokklauser heftig: Völlig überladen seien die, gegenüber der ursprünglichen Planung sei nach der ersten Bürgerbeteiligung nichts verbessert worden. „Das ist einfallslos“, stellte Distler fest. Außerdem würden die Planer „gewalttätig“ mit dem Gelände umgehen.

Ähnliche Kritik auch von Johannes Kalbus, der sich darüber ärgert, dass die Planer „die Ecken nicht weggebracht“ haben und „unsinnige Stufen“ ins Gelände einfügen wollten, ein Steilpass für Christian Lamprecht: „Für mich sieht das wie ein Fußballplatz aus.“

Stimmung drohte zu kippen

Apropos Fußballplatz: Das Grundstück, auf dem der neue Altdorfer Park entstehen soll, ist nur 3000 Quadratmeter groß, das ist nicht einmal die halbe Fläche eines Fußballfelds. Werner Merkel sieht deshalb die große Gefahr, dass mit der Berücksichtigung zu vieler Wünsche das kleine Areal überfrachtet wird. Womit Merkel die allgemeine Stimmung in der Versammlung wiedergab, eine Stimmung, die nach einstündiger Diskussion zu kippen drohte.

Als Bürgermeister Erich Odörfer nachfragte, ob man denn jetzt alle von den Planern präsentierten Versionen ablehnen wolle, sah es für einen Moment so aus, als ob es gerade darauf hinaus laufen würde. Alles auf Anfang also? Das wäre der worst case für Planer und Stadt. Jürgen Wollborn wandte sich deshalb mit einem eindringlichen Appell an die Versammlung,  einfach noch einmal genau auf seine Pläne, vor allem den ursprünglichen Vorschlag zu schauen. Der wurde als Diskussionsgrundlage für den Stadtrat und für die Bürgerbeteiligung konzipiert, eine weite Rasenfläche, ringsum Sitzgelegenheiten, ein mit Bäumen gestalteter Eingangsbereich. „Minimalistisch“ nannte Wollborn diesen Ansatz, mit dem er in den Stadtentwicklungsausschuss ging und dort auf Zustimmung stieß, ganz im Gegensatz zur ersten Bürgerversammlung, die den Plan ablehnte.

Applaus für den Planer

„Altdorf hat aber keine große Grünfläche in der Innenstadt“, betonte der Planer. Dass jetzt der Vorwurf kommt, der kleine Park werde mit zu vielen Elementen überfrachtet, kann Wollborn durchaus nachvollziehen. Er verweist aber darauf, dass sein Büro damit auf die Altdorfer Vorschläge und Wünsche eingegangen sei. „Altdorf hat eine schöne Innenstadt, aber hier ist wenig Natur“, schloss er und erhielt für seinen kurzen Vortrag Applaus.

Am Ende stand ein Kompromissvorschlag, der aus den Reihen der Versammlung formuliert wurde: Man wird auf quer laufende Blumenrabatten ebenso verzichten wie auf einen zentral positionierten kleinen Pavillon. Und auch die teure Wellenrutsche fliegt aus dem Plan heraus. Damit ist man recht nah an der ursprünglich von Wollborn vorgelegten minimalistischen Planung.

Die Teilnehmer der Versammlung konnten schließlich mit Klebe-Markern zu erkennen geben, welche Planungsvariante sie bevorzugten. Eine große Mehrheit entschied sich für die abgespeckte Planungsvariante ohne Pavillon, Rutsche und Blumenbeete, die Minderheit für den ursprünglichen Plan Wollborns.

Freistaat beteiligt sich

Der würde rund 560.000 Euro kosten. Wie viel die Realisierung der von den Altdorfern bevorzugten Planungsvariante kostet, ist noch offen. Mit Pavillon, Beeten und Rutsche lägen die Kosten bei 710.000 Euro. 80 Prozent der Kosten würde der Freistaat für den Bau des Parks übernehmen, wenn die minimalistische Planung Wollborns realisiert würde. Wie hoch die Zuschüsse bei der Realisierung der Planungsvariante 1 ausfallen werden, ist noch offen. Gefährdet werden könnten sie nur, wenn im Rahmen der Bauarbeiten Flächen auf dem ehemaligen Graffiti-Grundstück versiegelt würden.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten