Flächenfraß bleibt das größte Problem

Die Kreisgruppen des BN setzten sich auch für heimische Tierarten ein, so im Nürnberger Land für den Feuersalamander.2012/02/feuersalamanderbn_New_1330439402.jpg

NÜRNBERGER LAND – Der Bund Naturschutz zieht Bilanz für Mittelfranken. Dabei kommt eine ganze Menge großer und kleiner Erfolge für Natur und Landschaft zutage. Dass der hohe Flächenverbrauch aber nach wie vor zu den Sorgenthemen in Mittelfranken gehört – trotz Bevölkerungsrückganges und einzelner Erfolge -, trübt das positive Ergebnis. Zu den Projekten im Nürnberger Land, die auf Kritik des BN stoßen, gehören das geplante Gewerbegebiet „Moserbrücke“ des Marktes Feucht, die PWC-Anlage an der A 6 bei Moosbach, der Ausbau der Staatsstraße Feucht-Penzenhofen und eine Nordtangente in Altdorf.

Zu den größten Erfolgen 2011 zählt der BN, dass der Atomausstieg endlich vorankommt. Alle mittelfränkischen Kreisgruppen hatten nach der Katastrophe von Fukushima, oft zusammen mit anderen Initiativen, zahlreiche, sehr fantasievolle Mahnwachen bis in den Sommer organisiert und dabei großen Zulauf erlebt. Die Diskussionen um Bürgerwindanlagen in ganz Mittelfranken zeigen, dass die Bürger verstanden hätten: Windkraft sei die effektivste Form der alternativen Stromerzeugung. Zum Beispiel mit der Bürgerinitiative „Landkreiswind“ im Nürnberger Land unterstützt der BN die Debatte.

Eine Reihe großer Landschaftseingriffe wurde Ende 2011 endgültig ad acta gelegt, darunter die seit Jahren mit vielen Aktionen bekämpfte Südspange zum Gewerbegebiet Nürnberg-Feucht-Wendelstein im Reichswald.

Die größten Baustellen bleiben einige geplanten Eingriffe in diese „grüne Lunge“ der Metropolregion, darunter das geplante Gewerbegebiet „Moserbrücke“, der geplante Ausbau der A6 südlich von Nürnberg unter anderem mit der PWC-Anlage bei Moosbach oder der Ausbau der Staatsstraße Feucht-Penzenhofen.

Dringend gegensteuern

443 Pläne und Projekte, zumeist Eingriffe in das europäische Vogelschutzgebiet Nürnberger Reichswald, wurden seit den 90er Jahren bereits durchgeführt oder sind geplant, wie eine unvollständige Liste aus dem Planungsverfahren zur Nordspange 2011 offenbarte. „Dass im Bannwald, immerhin die höchste Schutzkategorie im Wald und im europäischen Vogelschutzgebiet, permanent Eingriffe stattfinden, widerspricht nicht nur den Zielen des bayerischen Landtages, sondern auch denen des Europaparlaments. Hier muss dringend gegengesteuert werden“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN.

Im Jahr 2010 betrug der tägliche Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke 20,8 Hektar, eine Steigerung um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2009: 16,4 Hektar). Bayern ist damit weiterhin Spitzenreiter unter den alten Bundesländern beim Flächenverbrauch, informiert der BN in einer Pressemitteilung.

„Der hohe Flächenfraß ist und bleibt das größte Umweltproblem in Bayern. Ministerpräsident Seehofer ist gefordert, hier zu handeln. Während sich alljährlich Minister wie Joachim Herrmann oder Markus Söder für mehr Bodenschutz aussprechen, steigt der Flächenverbrauch an und unser Land verschwindet immer mehr unter Asphalt und Beton. Wir wollen endlich Taten sehen, damit auch in Zukunft in Bayern noch gesunde Nahrungsmittel erzeugt und Natur erlebt werden kann“, so Mergner.

Die mittelfränkischen Kreisgruppen des BN haben 2011 wieder mit zahlreichen Aktivitäten zum Erhalt der schönsten Landschaften Mittelfrankens und der heimischen Tier- und Pflanzenarten beigetragen, so im Nürnberger Land mit dem Projekt „Feuersalamander“ zusammen mit dem Naturschutzzentrum Wengleinpark.

2012 will sich der BN in Mittelfranken schwerpunktmäßig für die Energiewende, vor allem das Energiesparen und den Ausbau der Windkraft, und für die Verkehrswende einsetzen, weg vom Ausbau von Flughäfen und Straßen, hin zu Klimaschutz und Flächensparen. Daneben wird der BN seine Aktivitäten für eine bäuerliche, gentechnikfreie und ökologische Landwirtschaft verstärken. Ziel bleibe, dass weiter kein einziger Acker in Mittelfranken mit gentechnisch verändertem Saatgut bestellt und auch bei den Futtermitteln Gentechnikfreiheit erreicht werde.

Leider halte die Regierung von Mittelfranken trotz Bevölkerungsstagnation an zahlreichen Infrastrukturplanungen fest. Im Nürnberger Land kämpft die Kreisgruppe gegen eine Nordtangente Altdorf. Erfreulich ist die BN-Entwicklung: Mit 26.500 Mitgliedern und Förderern Ende 2011 wurde der Bestand um 2,7 Prozent gegenüber Ende 2010 gesteigert.

Der BN ist mittlerweile ein Verein, der in der Mitte der Gesellschaft verankert ist und großen Zuspruch erhält. Beleg dafür ist die Auszeichnung für Lorenz Graf aus Feucht: Der langjährige Aktive im Nürnberger Land und auf BUND-Ebene erhielt 2011 das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement.

N-Land Der Bote
Der Bote