Der „Kolonialwarenladen“ der Familie Eberhard macht zum Jahresende dicht

Eismannsberger Institution schließt die Pforten

Bis Jahresende soll möglichst viel raus aus dem aktuell noch gut bestückten Laden von Ruth und Werner Eberhard. Die kleine Norah freut sich schon, wenn Oma und Opa mehr Zeit für sie haben. | Foto: Spandler2016/11/eismannsberg-eberhard1.jpg

EISMANNSBERG – Weit über 100 Jahre war der kleine Dorfladen ein Familienbetrieb. Werner Eberhards Großvater hatte schon den 350-Seelen-Ort mit dem Nötigsten des täglichen Bedarfs versorgt, ebenso sein Vater, und er selbst stand nach einer Lehre bei Feinkost Müller in Altdorf zusammen mit seiner Frau Ruth bereits vor 45 Jahren hinter dem Tresen. Mehrmals hat man das Ladengeschäft erweitert, entsprechend auch sein Sortiment. Doch am 31. Dezember werden die Türen zugeschlossen – für immer.

Die Gründe sind mannigfaltig. Mit 64 (Ruth) und 69 (Werner) hat man nicht mehr das Alter für einen großen Investitionsrundumschlag, wenn keine Nachfolger für den Betrieb in Sicht sind. Einige der Kühlgeräte im Laden müssten demnächst nämlich durch modernere ersetzt werden. Die vier Kinder haben aber alle andere Berufe gewählt und sollen die auch ausüben, findet das Ehepaar.

Dazu kommen noch gesundheitliche Probleme der beiden, die tagaus – tagein für ihre Kundschaft da waren. Seit Werner Eberhard vor 17 Jahren eine Gehirnblutung nur knapp überlebte, leitete die gelernte Bürokauffrau Ruth den gut sortierten und ansprechend eingerichteten Gemischtwarenladen weitgehend allein – keine einfach Aufgabe. Ein Lebensmittelgeschäft zu führen bedeutet mehr als nur die Kasse zu bedienen. Doch damals das Geschäft zu schließen, kam für sie trotz der schweren Zeit nicht in Frage, weil sie mit „Herzblut“ an dem Laden hing. Nach langer Genesungszeit ging es schließlich auch ihrem Mann wieder besser und er konnte seine Arbeitskraft wieder teilweise mit einbringen. Da sie durch eine Unternehmensentscheidung der Post ihre kleine Agentur 2008 schließen musste und daher die Einnahmen wegbrachen, baute sie sich ein zweites Standbein auf: frühmorgens und mittags fährt sie mit dem Kleinbus Schulkinder für die Firma Schulze und Schmidt in die Förderschule Altdorf. Als die Doppel- und Dreifachbelastungen zu groß wurden – sie musste schließlich auch noch ihren Mann zu Reha-Maßnahmen fahren und wollte sich um die Familie kümmern – entschied sie vor zwei Jahren, den kleinen Traditionsladen nur noch halbtags zu öffnen.

Geändertes Einkaufsverhalten

Ein weiterer Grund ist natürlich auch das Einkaufsverhalten, das sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Die Familien sind mobiler geworden, auch die Mütter in den Familien sind oft berufstätig und machen ihre Besorgungen auf dem Weg von oder zur Arbeit im Supermarkt. Da gehen die Umsätze zwangsläufig zurück. Es spricht für die beiden Geschäftsleute, dass sie auch dafür ein gewisses Verständnis aufbringen. „Die Zeiten haben sich geändert, wir nehmen das Kunden, die sich immer seltener bei uns sehen lassen, in keiner Weise übel.“ Im Ort hat es sich mittlerweile schon herumgesprochen, dass die Eberhards nur noch ein paar Wochen geöffnet haben. Von den Stammkunden wird dieser Schritt natürlich sehr bedauert. Im Dorfladen – klein wie er ist – gab es eben alles: Lebensmittel aller Art, frisches Obst und Gemüse, Schreibwaren, Getränke, Feinkost, früher auch Textilien und sogar Benzin, denn damals war auch noch eine Tankstelle angegliedert. Nur frisches Brot gab es nicht, denn damit versorgt eine Eismannsberger Bäckerei den Ortsteil, und man wollte sich schließlich nicht gegenseitig die Kundschaft wegnehmen. So wie die Kunden diesen Schritt bedauern, so hat auch das Ehepaar Eberhard gemischte Gefühle angesichts der Geschäftsaufgabe: „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ verabschieden sie sich. Ihre treuen Kunden, die Gespräche werden ihnen fehlen, das wissen sie heute schon. „Aber wir wollen einen anständigen Abgang machen“, versichert Ruth Eberhard. Dazu gehört auch ein Räumungsverkauf, der in wenigen Wochen beginnt, denn die Ware muss ja raus.

Auch wenn ihnen die täglichen Begegnungen mit den Dorfbewohnern im Laden abgehen werden, so ist ihnen nicht bang, dass es ihnen in Zukunft langweilig wird: Die fünf Enkel freuen sich darauf, dass Oma und Opa bald mehr Zeit haben werden, vor allem die eineinhalbjährige Norah wird die Eberhards ganz bestimmt auf Trab halten.

 

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler