Auf dem Weg zum Kamel in Damaskus

Das „altdorf-amman-rallye-team“ das heute in Oberstaufen zu der abenteuerlichen Tour startet.2011/04/rallyenasch_New_1304082003.jpg

Wenn heute um 7 Uhr auf der Startrampe vor dem Kurhaus in Oberstaufen Peter Scholl-Latour den Startschuss zur 6. Allgäu-Orient Rallye, einem der letzen automobilen Abenteuer dieser Welt, gibt, dann wird es auch für das Team mit der Startnummer 64 ernst. In den letzten Wochen und Monaten hat sich das „altdorf-amman-rallye-team“ akribisch vorbereitet. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Erich Odörfer ist man guter Dinge. Begleitet wird man von vielen guten Wünschen aus der Wallensteinstadt, dass alle das Ziel erreichen und nach dem Abenteuer wieder gesund zurückkehren – vielleicht als Kamel-Besitzer, denn ein solches wartet auf das Siegerteam.

ALTDORF – Am Anfang war die Allgäu-Orient-Rallye eine „Schnapsidee“ die von vielen als nicht realisierbar oder als einmalige „Schnitzeljagd“ belächelt wurde. Zwischenzeitlich hat sich die Allgäu-Orient zur größten Rallye der Welt gemausert. Dies sowohl was Teilnehmerzahl als auch zurückgelegten Kilometer anbelangt.

Die Idee ein Altdorfer Team zu bilden, hatten an einem verregneten Sonntag im März 2010 Tommy Reichert, Volker Sturm und Tobias Schweiger. Das Team vervollständigen Christoph Carl, Andreas Dechand und Norbert Groß.

Ehren-Team-Mitglied ist Katha Dehn, der man zu großem Dank verpflichtet ist, nachdem sie sich erfolgreicher als die Herren der Schöpfung angemeldet hatte, aber großzügigerweise den Platz abgetreten hat.

Unter der Startnummer 64 bündeln sich im Altdorf-Amman-Rallye-Team unterschiedlichste Kompetenzen für die Tour. Mit einem Kfz-Mechaniker, einem Rettungsassistenten und erfahrenen Wüstenfüchsen sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme gegeben.

Das Team verfolgt mit der Teilnahme das Ziel, ein einmaliges Erlebnis mit der Unterstützung sinnvoller Projekte im humanitären Bereich zu verbinden.

Die Rallye bringt für die Teilnehmer Abenteuer, Motorsport, Durchhaltevermögen, Strapazen, „Höllen-Erlebnisse“, aber vor allem Spaß, Freude und hautnahen Kontakt zu fremden Menschen und Kulturen.

111 Teams am Start

111 Teams mit jeweils drei Autos und sechs Fahrern werden heute auf die Strecke gehen und nach cirka 5555 harten Kilometern ausschließlich auf Nebenstraßen über Immenstadt Istanbul, Ankara, Damaskus am 12. Mai die Wüste nahe Amman erreichen. Dort wartet dann noch eine harte Wüsten-Sonderprüfung auf die „tollkühnen Frauen und Männern in ihren (dann sicher) klapprigen Kisten“. Die Siegerehrung ist für den 16. Mai in Amman vorgesehen.

Bei der Veranstaltung, die als preiswerte und sichere Antwort auf die (zwischenzeitlich nach Südamerika verlegte) Rallye Paris-Dakar entstanden ist, fahren keine unbezahlbaren Rallyeboliden. Zugelassen sind nur „alte Kisten“.

Die Fahrzeuge müssen entweder 20 Jahre auf dem Buckel haben oder dürfen nicht mehr als 1111,11 Euro Wert sein.

Auf der Suche nach Sponsoren fand das Altdorfer Team zahlreiche Unterstützern in Altdorf und im Nürnberger Land. Besonders gefreut sich das Team darüber, dass alle drei Autos durch namhafte Unternehmen zur Verfügung gestellt wurden.

Die Altdorfer Autohäuser Mercedes Rieger und BWW Stahmer sponserten jeweils ein Auto, das dritte Fahrzeug spendeten das Autohaus Thurn und die Firma Mobilia Collection.

Das Altdorfer Team geht mit einem Mercedes der C-Klasse, Baujahr 1996, 220.000 Kilometern, einem 5er BMW, Baujahr 1992, 240.000 Kilometern und einem betagten Ford Transit auf die Reise.

Viele Unterstützer

Auch andere Geschäftsleute aus Altdorf – das Provita sorgte für die entsprechende Fitness – trugen mit ihren Spenden zum Gelingen bei. Bürgermeister Erich Odörfer hatte man von der humanitären Idee der Rallye schnell überzeugt und gewann ihn als Schirmherrn. Beim Ostermarkt stellte er dem Team ein Standplatz zur Verfügung. Odörfer überreichte bei dieser Gelegenheit nicht nur einen Scheck sondern auch Begleitschreiben und Gastgeschenke. Großes Interesse fand man auch bei der Altdorfer Bevölkerung. Viele nutzten die Gelegenheit, sich gegen eine Spende auf einem der Autos mit der Unterschrift zu verewigen.

Übernachtet wird in Zelten oder Hotels, in denen die Übernachtung nicht mehr als 11,11 Euro kostet. Autobahnen, Fähren und Navigationssysteme sind (bis auf die Bosporus-Fähre) strikt verboten. Neben dem reinen Spaßfaktor tut die Rallye auch noch Gutes. Die Fahrzeuge, (beziehungsweise das, was noch davon übrig bleibt) werden in Jordanien dem World Food Programm gespendet und dann als Ersatzteile verkauft. Der Erlös fließt in Projekte des World Food Programms der United Nations und in andere Hilfsprojekte.

So wurde bereits eine Käserei nach Allgäuer Vorbild gebaut, die arme Beduinenfamilien ernähren wird. In der Vergangenheit erhielten 310 bisher nicht oder schlecht hörende Kinder gespendete Hörgeräte, die von den Ärzten der Rallye gleich fachgerecht angepasst und eingestellt wurden. Auch 111 Rollstühle und Hilfsmittel samt einem Krankenwagen wurden der Parolympics-Organisation in Amman übergeben. Ein syrisches Kinderheim der Jürgen Wahnstiftung Soest wurde mit benötigten Dingen versorgt.

Auch 2011 sind wieder Hilfsprojekte geplant. Schon sicher ist, dass wieder das Kinderheim in Syrien unterstützt wird. Das Rallye-Organisationskomitee hat bei der Verwendung der Gelder in Jordanien ein Mitspracherecht. Dabei wird vorwiegend nach dem Motto „schenke dem Hungernden keinen Fisch, sondern zeige ihm, wie man angelt“ gehandelt.

Die Projekte sollen also -unter Aufsicht des Organisationskomitees – langfristig Wirkung zeigen. An diesem Prinzip will die Rallyeleitung – trotz bereits erhaltenen Rückschlägen – festhalten.

Weitere Infos unter www.allgaeu-orient.de oder www.aar-team.de

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