Bürgermeisterwahl in Altdorf

Altdorf : Alle Kandidaten im Interview

Altdorf - Kommunalwahl 2020 - Alle Ergebnisse
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Am 15. März haben die Bürger das Wort. Sie wählen Kreistag, Landrat sowie den Altdorfer Stadtrat und Bürgermeister. Da Amtsinhaber Erich Odörfer (CSU) nicht mehr kandidiert, steht dem Rathaus in jedem Fall ein personeller Neuanfang bevor. Um das Amt bewerben sich Thomas Kramer, Martin Tabor, Thomas Dietz und Hans-Dieter Pletz. Auf dieser Seite beziehen sie Stellung zu aktuellen Themen der Stadtpolitik.

Für die CSU: Thomas Kramer

Foto: CSU Altdorf2020/02/BM-Thomas-Kramer.png

Braucht Altdorf eine Konzert- und Veranstaltungshalle? Und falls ja: Wo wollen Sie diese bauen?

Ja, denn zu einer gesunden Stadtentwicklung bedarf es der entsprechenden Parameter. Dazu gehört neben einer ausgewogenen Bevölkerungsstruktur auch die entsprechende Infrastruktur: den Erhalt des Krankenhauses, das Vorhandensein von Schwimmstätten und Sporteinrichtungen, gut ausgestattete sowie moderne Schulen und Kindereinrichtungen, Senioreneinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und auch eine Veranstaltungshalle. In einem aufwendigen Auswahlverfahren wurden die unterschiedlichen Standorte im Stadtgebiet untersucht. Dabei wurde der Standort am Haltepunkt West als mögliche Option geprüft. Durch den Anschluss an das Nahverkehrsnetz ist dieser sehr gut geeignet. Der Bau des bereits genehmigten Hotels wird darüber hinaus zu Synergien führen. Durch den Bau der Mehrzweckhalle an der Grundschule wird jetzt eine Alternative fertiggestellt, welche dem akuten Handlungsbedarf begegnet. Diese Halle kann für Veranstaltungen genutzt werden und verschafft dem Stadtrat Zeit für die Planung und den Bau der gewünschten Veranstaltungshalle.

Viel wurde über das Baugebiet Altdorf-Nord diskutiert: Steht nun ein gelungenes Konzept?

Nach meiner Ansicht steht der Stadtrat nicht am Ende, sondern am Anfang der Diskussion. Der vorgelegte Plan dient als Grundlage der nächsten Schritte. Es wird darum gehen, dieses Gebiet nach modernen und zukunftsweisenden Gesichtspunkten zu entwickeln. Dabei müssen neue Konzepte zur Wärmeversorgung und Parksituation gleichbedeutend zu sozialen Aspekten wie dem Bau eines Kindergartens, Senioreneinrichtungen oder auch alten- und behindertengerechten Wohnungen untersucht werden. Ebenso sind bei einem solch großen Baugebiet auch die Erholungs- und Grünbereiche besonders zu bewerten. Die Mitglieder des Stadtrats verfügen sicherlich über ein ausreichendes Maß an Sachkompetenz. Ich halte es darüber hinaus allerdings für angebracht, externe Experten in den Entscheidungsprozess einzubinden.

Ein autofreier Marktplatz: Wunsch- oder Horrorvorstellung?

Die Leerstände in Altdorf nehmen zu. Dies ist ein eindeutiges Zeichen für den harten Wettbewerb, dem der Einzelhandel, unter anderem durch den steigenden Onlinehandel, ausgesetzt ist. Die Altdorfer CSU führt bereits seit Jahren intensive Gespräche mit den Einzelhändlern. Diese bewerten eine Sperrung des Marktplatzes als eine massive Gefährdung ihrer Existenz. Darüber hinaus sind eine Vielzahl von Menschen, im Besonderen die Senioren, auf ihr Auto angewiesen. Daher ist es auch in Zukunft wichtig, dass der Marktplatz für alle Verkehrsteilnehmer nutzbar bleibt. Die Reduktion des Durchgangsverkehrs sollte dagegen das Ziel sein. Durch die Änderung der Verkehrsführung an der Kreuzung Jakob-Baier-Straße/Neumarkter Straße, der Rieger-Kreuzung und dem Neubau der Verbindungsstraße Riedener Straße–Äußere Hersbrucker Straße wird dieses erreicht werden. Dadurch wird der Durchgangsverkehr verringert und die Verweilqualität des Marktplatzes deutlich erhöht.

Angenommen, Sie ziehen als Bürgermeister ins Rathaus ein: Für welchen Führungsstil stehen Sie?

Ich bin dankbar, dass bei meinem Arbeitgeber ein respektvoller und menschlicher Führungsstil gepflegt wird. Eine offene, lösungsorientierte Diskussion gehört dort zu den geltenden Standards. Dieses habe ich verinnerlicht und ist mir auch persönlich sehr wichtig. Als Bürgermeister wird für mich der Mensch im Mittelpunkt stehen. Viele Mitarbeiter der Verwaltung besitzen schon jahrzehntelange Erfahrung. Hier gilt es, sie positiv zu bestärken und ihnen Verantwortung zu übertragen. Dazu gehört selbstverständlich auch eine entsprechende Fehlertoleranz. Ziel muss sein, für jeden Mitarbeiter die passende Position zu finden. Dabei stehen Sinnhaftigkeit und Spaß an der Arbeit sowie die Freude am Erfolg im Mittelpunkt der Bemühungen.

Für die SPD: Martin Tabor

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Braucht Altdorf eine Konzert- und Veranstaltungshalle? Und falls ja: Wo wollen Sie diese bauen?

Kultur braucht eine Heimat! Seit der Schließung der alten Stadthalle und dem Abriss des Graffitis sind zwei wichtige Veranstaltungsräume weggefallen. Dabei hätte alles gut werden können: Es wurde ein aufwändiger Prozess der Standortsuche durchgeführt. Das Ergebnis – am Eingang der Stadt auf dem neuen Baugebiet in der Nürnberger Straße – wurde leider von CSU und FW/UNA verhindert. Die Mehrzweckhalle, die jetzt an der Grundschule errichtet wird, bringt keine Lösung, denn sie wird vom Sport in Beschlag genommen werden. Veranstaltungen im Kulturtreff müssen bereits um 21.30 Uhr enden. Wieso sollte das in der Mehrzweckhalle anders sein? Zum 75-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft empfingen wir unsere Freunde aus Altdorf/Uri unter Basketballkörben. Das steht einer Stadt wie Altdorf nicht gut zu Gesicht. Wir brauchen einen Raum, der Kulturschaffenden und Vereinen zur Verfügung steht. Der zweitbeste Standort am Haltepunkt West wäre noch möglich und mit dem Hotel erschließen sich dort noch ganz andere Möglichkeiten.

Viel wurde über das Baugebiet Altdorf-Nord diskutiert: Steht nun ein gelungenes Konzept?

Wir sind froh, dass auf unser Betreiben der Anteil an Mehrfamilienhäusern massiv erhöht wurde. Nur so kann günstigerer, barrierefreier und rollstuhlgerechter Wohnraum entstehen. Doch viele Details wurden noch gar nicht behandelt. Von einer gelungenen und zeitgemäßen Planung kann erst dann die Rede sein, wenn am Ende die sozialen und energetischen Belange sowie die ökologischen Festsetzungen zur Grünflächenplanung eingearbeitet und beschlossen sind. Ein großes Problem bleibt dabei die hohe Anzahl an Grundstückseigentümern. Es bedarf in Altdorf endlich eines Wechsels bei der Grundauffassung im Umgang mit Grund und Boden. In Berg zum Beispiel kauft die Gemeinde entsprechende Grundstücke, bevor sie sie zu Bauland ausweist. Die Stadt könnte neue Baugebiete dann nach ihren Vorstellungen entwickeln, ein Teil der Wertschöpfung verbliebe in der Kommune. Wir möchten nicht mehr, dass die Allgemeinheit die Kosten des Wachstums trägt, während der Vorteil der Wertsteigerung von Einzelnen abgeschöpft wird.

Ein autofreier Marktplatz: Wunsch- oder Horrorvorstellung?

Das Verkehrsaufkommen ist zu hoch und die Idee eines gleichberechtigten Marktplatzes für alle Verkehrsteilnehmer ist einem Unsicherheitsgefühl gewichen. Da der Marktplatz erst 2009 eingeweiht wurde, können wir ihn innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht verändern, ohne Fördergelder zurückzuzahlen. Man sollte die Zeit nutzen, um sich klar zu werden, wie ein Markplatz der Zukunft aussehen könnte. In der Zwischenzeit gilt es den Verkehr zu beruhigen. Das beginnt schon damit, dass die Durchfahrt über den Marktplatz nicht mehr schneller sein darf als die Nutzung der Umgehungsstraße. Modellversuchen mit zeitweiligen Sperrungen an Sonntagen oder in den Sommermonaten beispielsweise ab 19 Uhr stehen wir aufgeschlossen gegenüber.

Ernst Bergmann ist vor sechs Jahren hauchdünn gescheitert. Was stimmt Sie optimistisch, dass Sie die Wahl gewinnen?

Ernst Bergmann prägt mit seiner Kompetenz und Autorität das politische Leben unserer Stadt seit mehr als zwei Jahrzehnten. Er war in meiner politischen Arbeit ein wichtiger Faktor: Zunächst als mein Mentor und nun als einer meiner größten Unterstützer. Wer ihn damals gewählt hat, der ist heute auch nicht weit von mir entfernt. Die Situation ist heute allerdings grundlegend anders als vor acht Jahren. Kein Kandidat kann den Bonus des Amtsinhabers für sich beanspruchen. Meinen Vorteil sehe ich darin, dass ich in Altdorf fest verwurzelt bin: Ich bin hier aufgewachsen, lebe und arbeite hier, engagiere mich seit vielen Jahren politisch und ehrenamtlich. Ich brenne für das Amt des Bürgermeisters, das ich mit großer Leidenschaft, aber mit kühlem Kopf ausfüllen will.

Für die Freien Wähler/UNA: Thomas Dietz

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Braucht Altdorf eine Konzert- und Veranstaltungshalle? Und falls ja: Wo wollen Sie diese bauen?

Langfristig braucht die Stadt Altdorf – als aufstrebendes Mittelzentrum in der Metropolregion Nürnberg – natürlich eine Konzert- und Veranstaltungshalle. Den Bau einer neuen Stadthalle betrachte ich allerdings nur langfristig als umsetzbar, wenn eine solide Finanzierung möglich und eine gute Auslastung der Halle planbar erscheint! Daher strebt die FW/UNA schon seit Jahren perspektivisch einen Standort an der S-Bahnstation Altdorf-West an, da eine Stadthalle mit direktem S-Bahn-Anschluss einen entscheidenden Standortvorteil im Großraum Nürnberg hätte und keine Lärmbelästigung entstehen würde, da es hier keine direkten Anwohner gibt. Mit einer tollen S-Bahn-Anbindung dieser Halle könnten wir sicherlich auch neue und sehr attraktive Veranstaltungen nach Altdorf holen. Bei den aktuellen Haushaltszahlen scheint ein Neubau aber wirklich nur langfristig realisiert werden zu können.

Viel wurde über das Baugebiet Altdorf-Nord diskutiert: Steht nun ein gelungenes Konzept?

Diskutiert wurde wirklich viel und auch schon seit vielen Jahren, obwohl es etliche junge Familien gibt, die händeringend Bauplätze suchen und deswegen auch schon wegziehen mussten, da der Bauwunsch hier leider nicht zu verwirklichen war. Ob das aktuelle Konzept gelungen ist, wird sicherlich unterschiedlich bewertet werden. Da jedoch ab 1. Mai auch ein neuer Stadtrat ins Amt kommt, wird Altdorf-Nord im Stadtrat vermutlich nochmals ausführlich beraten werden. Am derzeitigen Konzept könnte es dann wohl auch noch Änderungen geben. Als Bürgermeister würde ich versuchen, den Prozess nun zügig zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Wichtig ist mir zu Altdorf-Nord, dass die Errichtung eines Hauses für Kinder (Kinderkrippe/Kindergarten/Hort) vorgesehen wird, dass es ansprechende und naturnahe Grünflächen gibt, dass der Bau eines Mehrgenerationen-Wohnprojektes möglich ist und dass es Wohnformen für alle Bedürfnisse in Altdorf-Nord gibt: vom preisgünstigen Geschosswohnungsbau bis hin zum gehobenen Wohnen mit großzügigen Flächen für Einfamilienhäuser. Eine dezentrale Energieversorgung – am besten mit unseren Stadtwerken im Boot – würde ich, wenn technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll, sehr begrüßen.

Ein autofreier Marktplatz: Wunsch- oder Horrorvorstellung?

Ein autofreier Marktplatz ist für mich vor allem eine derzeit unrealistische Vorstellung. Wir haben den Marktplatz zuletzt 2008/2009 umgebaut und hierfür hohe Zuschüsse aus der Städtebauförderung bekommen, die noch bis zum Jahr 2029 entsprechend zweckgebunden sind. Insofern wären größere Änderungen am derzeitigen Marktplatzkonzept sowieso nicht möglich, wenn man nicht den Verlust von bis zu 1,254 Millionen Euro staatlicher Fördermittel riskieren will! Ich spreche mich aber auch ganz klar gegen eine Durchfahrtssperrung am Marktplatz aus, da für mich die Nachteile für alle eindeutig überwiegen würden! Vor allem fehlt die bei einer Sperrung für den Durchgangsverkehr erforderliche Verkehrsinfrastruktur im Umfeld. Bei tageweisen Verkehrssperrungen am Marktplatz herrscht heute schon Chaos in den teils engen Gassen der Altstadt, die für größere Verkehrsströme überhaupt nicht ausgelegt sind.


Stichwort „Persönliche Beteiligung“: Welche Lehren haben Sie aus dem Vorfall im Jahr 2018 gezogen?

Aus dieser Angelegenheit haben ich und auch alle anderen Beteiligten gelernt. Wir wissen nun, wie die persönliche Beteiligung bei Bebauungsplanverfahren gemäß der bayerischen Gemeindeordnung beziehungsweise deren Rechtsauslegung definiert wird, obwohl Bebauungspläne bekanntlich nicht nur für einzelne Grundstückseigentümer, sondern für eine Vielzahl von Betroffenen gelten. Da man immer wieder etwas Neues dazu lernt, wird dies nun natürlich beachtet.

Für die Grünen: Hans-Dieter Pletz

Foto: Die Grünen Altdorf2020/02/BM-Hans-Dieter-Pletz.png

Braucht Altdorf eine Konzert- und Veranstaltungshalle? Und falls ja: Wo wollen Sie diese bauen?

Ja, das ist wünschenswert. Aber nicht zu jedem Preis und nicht in beliebiger Größe. Am liebsten von einem Investor oder Träger gebaut und betrieben. Ein Standort hierfür wird sich aus dem Stadtentwicklungsplan Altdorf 2040 ergeben, den ich als Bürgermeister auf den Weg bringen will. Momentan sehe ich aber andere Prioritäten in Altdorf. Abwassernetz erneuern, Mehrzweckhalle, Straßenerneuerung, Innenentwicklung. Übergangsweise möchte ich eine intensivere Nutzung des Kulturtreffs prüfen und ermöglichen.

Viel wurde über das Baugebiet Altdorf-Nord diskutiert: Steht nun ein gelungenes Konzept?

Unter dem Aspekt eines ökologischen, fortschrittlichen Konzeptes und von erschwinglichem Wohnraum ist der momentane Planungsstand ein Armutszeugnis. Es sieht aus wie ein Baugebiet, welches vor 20 Jahren geplant wurde. Und seitdem gibt es viel bessere Lösungen für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit. Ich werde nur einen zukunfts- und bedarfsorientierten Bauplan unterstützen und vorzugsweise die Innenentwicklung fördern.

Ein autofreier Marktplatz: Wunsch- oder Horrorvorstellung?

Meine Vision ist ein autofreier Marktplatz. In dieser Vision ist der Marktplatz ein Ort der Begegnung mit vielen Menschen (Kinder, Eltern, Senioren, Menschen mit Einschränkung), gut genutzten Einkaufsmöglichkeiten, vollen Cafés und Restaurants, Informationszentrum mit viel mehr Begrünung. Visionen haben häufig die Eigenart, dass sie in den nächsten zehn bis 20 Jahren nicht umgesetzt werden können. So sehe ich das auch hier. Daher ist ein autofreier Marktplatz momentan nicht umsetzbar! Um das umsetzen zu können, muss m.E. vorher ein tragfähiges Verkehrskonzept und Mobilitätskonzept erarbeitet und umgesetzt werden. Eine Realisierung erscheint mir in den nächsten zehn Jahren nicht möglich. Kleine Veränderungen könnten aber bereits in der Zwischenzeit die momentane Verkehrssituation verbessern.

Sie waren lange Jahre für Siemens tätig. Passt die Unternehmensphilosophie nicht mehr zu Ihren politischen Überzeugungen oder warum haben Sie den Konzern verlassen?

Nach fast 30 Jahren in der Industrie haben sich meine Interessens-Schwerpunkte geändert. Mein Ziel, ein erfolgreicher Unternehmer zu sein, habe ich bei Siemens realisieren können. Nun will ich mehr für den Umweltschutz tun und auch für die Stadt Altdorf die richtigen Stellhebel in Bewegung setzen. Und dafür ist das Bürgermeisteramt wie geschaffen für mich. In die Aufgabe des Bürgermeisters könnte ich meine 30-jährige Berufs-und Manager-Erfahrung voll einbringen und könnte als Altdorfer Bürgermeister viel Positives vorantreiben

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