Erweiterung der LAG „Gesundheitsregion Hersbrucker Land“

EU-Mittel nur für den ganzen Landkreis

Die Ritterausstellung auf Burg Hartenstein wurde bereits über die LAG mit Leadermitteln gefördert. Das Projekt "Erlebte Geschichte" bekommt nun weiteres Geld. Foto: privat2013/11/5_2_1_2_20131128_LAG.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Es ist eine Vernunftehe und keine Liebeshochzeit“, sagte Landrat Armin Kroder über die einstimmig beschlossene Erweiterung der LAG „Gesundheitsregion Hersbrucker Land“. Sie war nötig geworden, um als Lokale Aktionsgruppe (LAG) auch ab kommendem Jahr bei Projekten von Finanzspritzen durch das EU-Programm Leader profitieren zu können. Nach intensiven Sitzungen mit vielen Fragen und Bedenken hatten die Vertreter der 13 Kommunen, aus Wirtschaft und von Sozialverbänden aber keine andere Wahl, als den ganzen Landkreis ins Boot zu holen.

Schon seit Anfang des Jahres ist klar, dass die LAG so nicht weiterbestehen kann, auch wenn sich das die Mitglieder gewünscht hätten, wie Vorsitzender Robert Ilg weiß. Da aber die EU für den neuen Förderzeitraum ab 2014 fordert, dass eine Aktionsgruppe, die sich um Unterstützung bewirbt, mindestens 600 Quadratkilometer oder 60.000 Einwohner umfassen müsse und die Gesundheitsregion es aber nur auf rund 40.000 Bewohner und die Hälfte des Raumes bringt, war von Beginn an die Erweiterung auf den Landkreis im Gespräch.

Zumal das bayerische Landwirtschaftsministerium, das die Förderprogramme Eler und Leader für die EU hier koordiniert, den Aktionsgruppen eine Weiterentwicklung im Rahmen des regionalen Entwicklungskonzeptes ans Herz legte. „Lieber dann der Landkreis, wo sowieso schon Zusammenarbeit da ist“, fasste Mitglied Angela Henke die Bedenken in Worte. Und davon gab und gibt es viele: unterschiedlich finanzstarke Kommunen, Schwerpunkt (Wirtschaft, Tourismus etc.) und Name der neuen LAG, Kosten für die Geschäftsführung, gerechte Gelderverteilung.

Dennoch wurde Ilg im Frühsommer von den Mitgliedern beauftragt, mit den Beitrittskandidaten Kontakt aufzunehmen, um so das Interesse und die Möglichkeit auf eine Erweiterung der LAG auf Landkreisgröße zu testen. Nach unzähligen „guten“ Gesprächen und Abstimmungen in Gemeinderäten haben nun alle 27 Kommunen „ihre grundsätzliche Bereitschaft“ zu einer LAG „Nürnberger Land“ mit rund 166.000 Einwohnern und 800 Quadratkilometern erklärt, wie Ilg in der jüngsten Mitgliederversammlung berichtete.

Diese musste die Weichen stellen für die Erweiterung in Form einer Satzungsänderung, die einstimmig angenommen wurde: Der neuen Aktionsgruppe liegt weiterhin der eingetragene Verein „LAG Hersbrucker Land“ zu Grunde, der nur umbenannt und erweitert wird, nicht aber gelöscht und neu gegründet. Die neuen Schwerpunkte sollen in der Satzung der großen LAG festgeschrieben werden. „Gesundheit wird bleiben!“, so Ilg.

Ausgangslage für deren Findung ist das regionale Entwicklungskonzept (REK), das aber erst unter der neuen Kommunalen Allianz vom derzeitigen LAG-Manager Gero Wieschollek und der neuen Geschäftsführerin Christina Reinhardt, Regionalmanagerin des Landkreises, von Mai bis Juni 2014 entworfen wird. Die Leitung der LAG wird also in ihrer Person am Landratsamt angesiedelt, es entstehen so keine Verwaltungskosten. Tätig werden kann sie aber erst, wenn der neue Vorstand, der Anfang Januar von der großen Mitgliederversammlung gewählt wird, sein Okay gibt.

Und auch der wird nach Beschluss künftig anders aussehen: Sieben Kommunen, darunter Landrat und Bürgermeister aus allen Landkreisteilen, und neun Wi-So-Partner stellen den erweiterten Vorstand. „Eine hundertprozentige Abbildung wie jetzt ist nämlich nicht mehr möglich für eine vernünftige Arbeit“, erklärte Ilg dazu. Als weiteren Zeitplan gab er vor, im Juli das neue REK einreichen zu können, um so im Herbst einen „hoffentlich positiven Bescheid“ über die Beteiligung der neuen LAG am Leader-Topf zu erhalten. So könnten im Winter Anträge für einzelne Projekte abgegeben werden.

Wie denn die Aufnahme-Chancen stünden, wollte Pommelsbrunns Bürgermeister Jörg Fritsch wissen. Leader-Manager Ekkehard Eisenhut geht davon aus, „dass die Chancen sehr gut sind“, denn es wurde gute Arbeit geleistet, mit dem regionalen Entwicklungskonzept sei „eine gute Basis“ vorhanden. Er meinte, dass sich wohl 60 bis 65 Aktionsgruppen in Bayern bewerben, die Auswahlkriterien stehen in München aber noch nicht fest.

Dies warf bei den Mitgliedern nicht zum ersten Mal die Frage nach der Verteilung der Mittel auf, denn der Kreis der Antragsteller in der LAG wird ja größer, der Fördertopf, der laut Eisenhut gleich bleiben wird, nicht. Hier ist der neue Vorstand gefragt. Möglich wären ein Extra-Topf für einkommensschwache Kommunen oder das Festlegen eines Maximalförderbeitrags bei Projekten, so Ilg.

Zum Ende der aktuellen Leader-Periode wurden der Gesundheitsregion 1,5 Millionen Euro für Fitnessplätze, Fußballkäfig und Grünes Band in Hersbruck sowie die Burgen Hartenstein (Foto) und Hohenstein genehmigt, wie Wieschollek informierte. Das Volksmusikzentrum Alfeld und das Dokumentationskonzept für Doggerstollen und KZ-Lager sind noch in der Warteschleife. Insgesamt flossen in den letzten sieben Jahren rund vier Millionen Euro an die Gemeinden.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren