Fitzgerald Kusz las bei „Kultur in Brunn“

„Zwedschgä“ und andere Kostbarkeiten

Fitzgerald Kusz während seiner Lesung in Brunn. Foto: Spieß2013/09/kuszinbrunn_New_1380290101.jpg

BRUNN – Die Reihe „Kultur in Brunn“, die künftig unter der gemeinsamen Verantwortung des Bürgervereins und des SV Brunn stattfinden wird, hatte den fränkischen Mundartdichter Fitzgerald Kusz zu Gast. Das Sportheim des SV Brunn war bis auf den letzten Platz gefüllt und nach der Lesung gab es keine Bücher mehr. Der beste Beweis, wie gut die Lesung beim Publikum angekommen war.

Kusz hatte seine Lesung zweigeteilt. In der ersten Hälfte las er aus seinem letzten Gedichtband „Zwedschgä“, in der zweiten aus dem Buch „Der Vollmond über Nämberch“, das eine Auswahl seines Schaffens aus den letzten 40 Jahren enthält.

Schon mit den ersten Zeilen „Es gäid …“ machte er klar, worum es ihm geht, nämlich die fränkischen Befindlichkeiten im Speziellen und im Allgemeinen. Für die hat er den besonderen Blick, den etwas anderen Winkel, von dem aus er die Dinge betrachtet. Und er formuliert in seiner verknappten, auf das Wesentliche reduzierten Sprache auf den Punkt genau und kompromisslos. Er spricht aus, was viele höchstens denken. Doch nie belehrend, immer mit feinem Witz und Humor, manchmal auch melancholisch. Etwa wenn er das „Waddn“ als existenziellen Aspekt bei den Franken beschreibt, wenn der „Nachdschwärmer“ sehnsüchtig auf die Nacht wartet oder er von den „Lufdschlössern“ schwärmt, die keine Möbel brauchen und keine Kredite.

Leise Melancholie

Wehmütige Momente entstehen auch in seinen Erinnerungen an seine Großmutter und das einfache Landleben seiner Kindheit in Forth. Der Zwetschgenbaum im Garten, das Schwarzbeerensammeln im Wald werden in der Rückschau zu Metaphern des Glücks. Doch Kusz verliert sich nie in Sentimentalitäten, zu genau hat er die Wirklichkeit im Blick. Denn der wunderbare Blick auf die Landschaft der Fränkischen Schweiz hat auch eine „Kehrseite“: Kalt war es im Winter, das „Abbordheislä“ hatte nämlich keine Tür. Doch, so sein trockener Kommentar dazu: „Auf diese Weise konnte man Angenehmes mit Nützlichem verbinden“.

Erhellend sind auch seine Beobachtungen zum zwischenmenschlichen Miteinander, denn genau betrachtet sind die Fragen, die so oft gestellt werden, eigentlich keine: „Du hossd doch wos?“, aus einem frühen Gedicht, entwickelt sich dann auch konsequenterweise zum einseitigen Monolog, der keine Antwort mehr braucht. Und sein Resümee zu einer langjährigen Ehe lautet: Aus dem früheren „Sooch hald wos“ wird am Ende dann ein eher bedrohliches „Sooch joar niggs“. frustrierte Ehemann, denn Kusz bringt mit seiner Liebeserklärung „Ohne diich bin i blous nu iich“ kurz und bündig auf den Punkt, wie er zur komplexen Mann-Frau-Beziehung steht.

Ebenso vielschichtig sind seine Gedichte, die das öffentliche und politische Leben betreffen. Da lautet etwa seine „Regierungserklärung“ erhellend „Iich hobb niggs zu soong – eds hobbis gsachd“. Und die Wirtschaftswunderzeit wird von ihm entlarvt, wenn in der Rubrik „Schöner wohnen“ dem Besuch statt einer Unterhaltung die Preise der Wohnungseinrichtung vorgerechnet werden.

Herrliche Schimpfwörter

Vom Publikum besonders genossen wurden die alten fränkischen Schimpfwörter.

Die deftige aber vertraute Kost trug er Rap-artig vor und erklärte augenzwinkernd, diese Vortragsart habe er schon lange vor der Hip-Hop-Bewegung in New York erfunden. Da wird besonders deutlich, dass Kusz ein feines Rhythmusgefühl besitzt, dass seine Gedichte in subtiler Weise musikalisch sind.

Als Glanzpunkte seiner Lyrik erscheinen die in der japanischen Haiku-Tradition geschriebenen Kurzgedichte, wenn etwa die fallenden Blätter, die für die einen Abfall bedeuten, für die anderen aber Poesie werden. Oder wenn er darauf hinweist, dass der eigene Schatten immer mitspringt, wenn man scheinbar über seinen Schatten springt.

Nachdenklich stimmend dann seine Schlussworte: „In jeder Nachd vo jemand anders dramer – su kummd ma a under di Leid“.Erich W. Spieß

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